Mittwoch, 5. März 2008

US-Vorwahlen: Der schwarze Kennedy

  • Barack Obama wird zur Ikone der Zukunft

Hoffnung, Wandel: Mit dieser Zauberformel erklärte Obama der Bush-Depression den Krieg.

Neu ist der Vergleich nicht. Bill Clinton sorg­te für das erste Déjà-vu. Mit ihm würde ein neu­er John F. Kennedy ins Weiße Haus einziehen, jubelten seine Fans. Der Name als Symbol verdichtete Clintons Charisma zu Magnetismus. Dabei zählte weniger die Ähnlichkeit der Männer als jene der Gefühle, die sie zu entfachen vermögen. Mit JFK fühlte sich eine Nation 1960, mit Bill 1992 jung und hoffnungsfroh. Und 2008 mit Barack Obama.

Wieder schwingt das ­Sym­bol JFK mit. Zumal ja auch die Kennedys selbst, ­Senator Ted Kennedy, JFKs Nichte und Schwarzenegger-Gattin Maria Shriver und seine Tochter Caroline, Obama quasi adoptierten. „Seit meinem Vater konnte kein anderer Politiker Amerika so sehr inspirieren wie Barack Obama“, erklärt Caroline Kennedy ihren Einsatz als Wahlhelferin.

Sie war drei Jahre alt, als ihr Vater Präsident wurde, und mit ein Teil seiner Faszination. So etwas hatte Amerika noch nicht gekannt: ein fotogenes, jugendliches Präsidentenpaar, zwei kleine Kinder, die auf dem Rasen vor dem Weißen Haus spielten. Just jene Bilderbuch­idylle – als heile Gegenwelt zu aktuellen Rezessionsangst und Kriegsmüdigkeit – lebt wieder auf. Heute heißen die Kleinen Malia Ann und Sasha. Ihre Mutter Michelle bezwingt wie einst Jackie Kennedy mit Perlenketten den heiklen Grat zwischen staatstragender Eleganz und angemessener Biederkeit.

Barack Obama wurde so Projektionsfläche für die Sehnsucht vieler Amerikaner nach positivem Lebensgefühl. Anders als Hillary Clinton, die eher von Problemen spricht, belässt er es bei weichgespülten Allgemeinlösungen: Hoffnung, Wandel. Er reanimiert den Feel-good-Faktor Amerikas, dem die dürren Bush-Kriegs-Jahre arg zusetzten. Fast nebenbei verspricht er dann noch den Rückzug aus dem Irak, die Schließung von Guantánamo und mehr Geld für alle, die guten Willens sind.

Ohne je das Wie seiner Pläne erläutern zu müssen und ohne nennenswerten Rückhalt bei den Parteigranden gelang ihm so das Kunststück, Favoritin Hillary blass aussehen zu lassen. 35 Millionen Dollar an Spenden konnte der 46-jährige Senator allein im Febru­ar mobilisieren. Nach dem Kennedy-Clan wechselte die zweite Bastion der Clintons zu einem Gutteil in sein Lager: die Filmstars. „Ich fühl mich Hollywood schon so nahe, dass Paris Hilton neben mir wie eine Einsiedlerin aussieht“, scherzte er und gab den Wahlhilfe-Avancen Brad Pitts einen Korb: „Wir wollen nicht zu sehr von der Branche vereinnahmt werden“, so Obamas Wahlkampfchef trocken.

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5.3.2008 17:25