Freitag, 7. März 2008

Schattenseiten des Globalisierungsbooms:
Mehr Nutzen oder Schaden für Österreich?

  • FORMAT: Zahlen & Fakten einer aktuellen AK-Studie
  • 62.500 Jobs weniger durch Internationlisierungstrend

Knapp ein Jahr ist es her, dass der Versicherungskonzern Generali verkündete, die bis dahin in Wien angesiedelten Ost-Töchter nach Prag zu verlegen. Kurz davor waren schon mehrere Dienstleistungen wie etwa der Polizzen-Druck von Österreich nach Bratislava abgezogen worden. Unternehmenssprecher Josef Hlinka versichert, dass dadurch keine Jobs in Österreich verloren gegangen sind. "Stimmt nicht", sagt Generali-Konzernbetriebsrat Peter Sima. Er bekommt nun Rückendeckung von der Arbeiterkammer (AK).

Die Interessenvertretung präsentiert nämlich eine Studie, die erstmals einen Saldo der durch Exporte geschaffenen und durch Importe und Auslandsinvestitionen nicht geschaffenen Jobs errechnet. Das Ergebnis: 62.500 Arbeitsplätze. Allein 123.000 Arbeitsplätze sind in der vergangenen Dekade in Österreich nicht entstanden, weil Konzerne lieber im Ausland als am Heimmarkt investierten, so die AK-Studie. "Das ist ein schleichender Prozess", sagt AK-Präsident Herbert Tumpel.

Brisantes Ergebnis
Die AK-Zahlen sind brisant, gilt doch Österreich als Globalisierungsgewinner - vor allem wegen der großen Erfolge österreichischer Konzerne in Osteuropa. Die heimischen Exporte erreichen Rekordwerte von zuletzt 114 Milliarden Euro, und viele der Ausfuhren gehen nach Ungarn, Tschechien, Polen und Russland. Auch die Direktinvestitionen haben ein hohes Niveau erreicht (siehe Grafik unten). In einigen Ländern sind heimische Unternehmen die wichtigsten Investoren und Konzerne wie Erste Bank, Raiffeisen International, OMV und Immofinanz in ihren Branchen Marktführer.

Konsequenzen auf Beschäftigung
WU-Professor Fritz Breuss rechnete für eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) aus, dass durch die Ostöffnung Österreichs Wirtschaft zwischen 1989 und 2003 um rund einen halben Prozentpunkt jährlich gewachsen ist. "Insgesamt hatten die Ostöffnung und die Globalisierung positive Auswirkungen auf Österreich", sagt der Forscher. Mit einer kleinen Einschränkung: "Direktinvestitionen können negative Beschäftigungseffekte im Inland nach sich ziehen." Wie hoch, das kann er nicht sagen.

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7.3.2008 18:21