Donnerstag, 6. März 2008

Kommission prüft MOL-Übernahme durch OMV: Wettbewerbsbeschränkung befürchtet

  • Beide Konzerne stark in Mittel- und Osteuropa tätig
  • Entscheidung über Fusion bis zum 22. Juli fällig

Die EU-Kommission wird die geplante Übernahme des ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL durch den österreichischen Konkurrenten OMV wegen Wettbewerbsbedenken wie erwartet eingehend prüfen. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass die geplante Übernahme auf mehreren Märkten zu Wettbewerbsbeschränkungen führen könnte, erklärte die EU-Kommission dazu in Brüssel.

Eine Entscheidung über die Fusion und allfällige Auflagen muss die EU-Kommission bis zum 22. Juli treffen. "Von dieser Übernahme wären strategisch wichtige Energiemärkte betroffen", betonte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Die Kommission muss daher im Interesse der Privat- und der Industriekunden sicherstellen, dass ein wirksamer Wettbewerb erhalten bleibt."

Wettbewerb beeinträchtigt
Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, liege die Aufmerksamkeit vor allem auf dem Wettbewerb auf der Großkunden- und Privatkundenebene auf den Märkten für Raffinerieerzeugnisse in den mittel- und osteuropäischen Ländern. Diese könnten dadurch beeinträchtigt werden, dass die Raffinerien beider Unternehmen durch den Zusammenschluss der Kontrolle eines einzigen Unternehmens unterstellt werden, teilte die Kommission mit.

Die OMV betonte in einer ersten Stellungnahme, dass die Entscheidung der Kommission "in keiner Weise das Endergebnis der Untersuchung vorweg nimmt". Man habe diesen Schritt auf Grund der Komplexität dieses Zusammenschlussverfahrens erwartet.

"Phase II"-Untersuchung
Bei der MOL, die sich seit Monaten gegen eine feindliche Übernahme durch die OMV wehrt, sieht man eine vertiefte "Phase II"-Untersuchung als "gute Gelegenheit, die Einschränkungen für den Wettbewerb im Detail zu analysieren", heißt es in der Stellungnahme aus Budapest.

"Feindliche Übernahme"
Die OMV hatte ihren geplanten Zusammenschluss mit der MOL - der in Budapest verwendete Terminus ist "feindliche Übernahme", in Wien spricht man lieber von einer "vorgeschlagenen Kombination" am 31. Jänner 2008 bei der Wettbewerbsdirektion der EU-Kommission förmlich angemeldet. Derzeit hält die OMV rund 20,2 Prozent der MOL-Aktien.

EU-Prüfung
Die vertiefte Prüfung durch die EU-Wettbewerbshüter wird nun weitere 90 bis 105 Arbeitstage in Anspruch nehmen. Voraussichtlich im Juni könnte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer also Klarheit darüber haben, ob sein Plan zur Übernahme der MOL aufgeht. Der ganze Übernahmeprozess könnte nach den Worten des OMV-Chefs noch zwei Jahre dauern.

Durch die geplante Übernahme würden zwei starke, integrierte Öl- und Gaskonzerne zusammengebracht, die in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern tätig sind, betonte die EU-Kommission. So betreibe die OMV die einzige Erdölraffinerie in Österreich (Schwechat) und zwei Raffinerien in Bayern. "OMV hält außerdem eine Kontrollbeteiligung an der rumänischen Ölgesellschaft Petrom, der wiederum Raffinerien in Pitesti und Ploesti gehören", erklärt die EU-Behörde.

Der Konzern sei auf den Groß- und Endabnehmermärkten für Raffinerieerzeugnisse in Österreich, Tschechien, Deutschland, Ungarn, der Slowakei und Slowenien tätig. Ein weiterer Geschäftsbereich ist die Exploration und Produktion von Erdöl und Ergas. OMV sei zudem der größte Ergaslieferant und Gasübertragungsnetzbetreiber in Österreich und über das von ihm kontrollierte Unternehmen Borealis auch auf dem Markt für petrochemische Erzeugnisse präsent.

Die MOL sei dagegen in Ungarn das führende Mineralöl- und Gasunternehmen und betreibe über die slowakische Tochter Slovnaft auch die einzige slowakische Raffinerie. "Außerdem hält MOL eine 25-prozentige Beteiligung an der kroatischen Ölgesellschaft INA und hat unlängst das italienische Erdölunternehmen Italiana Energia e Servizi SpA (IES) erworben, zu dem eine Raffinerie in Mantua gehört", erklärte die Kommission.

MOL ist demnach auf den Märkten für Raffinerieerzeugnisse in Ungarn, der Slowakei, Österreich, Tschechien und Slowenien tätig. "MOL betreibt außerdem das ungarische Gasübertragungsnetz und ist auch in der Exploration und Produktion von Erdöl und Ergas aktiv. Mit seiner Petrochemiesparte ist das Unternehmen in der Slowakei (Slovnaft Petrochemicals) und in Ungarn vertreten (TVK)", legte die Kommission dar.

(apa/red)

6.3.2008 18:41