Industrieproduktion wieder gedämpft: Wachstum 2007 erreicht die Hälfte von 2006
- Wachstum von 2007 hat sich auf 5 Prozent reduziert
- Im November wieder weniger Auftragseingänge

Die Industrie entwickelt sich nur zurückhaltend. 2007 wurde bloß die Hälfte des Zuwachses von 2006 erreicht. Zwar wird für das vierte Quartal ein leichter Anstieg verzeichnet, doch damit konnte der Jahresdurchschnitt nicht gerettet werden. Auch die Auftragslage hat sich in der Industriesparte verschlechtert.
Die Entwicklung der österreichischen Industrie hat sich 2007 deutlich verlangsamt. Das Wachstum der Industrieproduktion ist gegenüber 2006 auf die Hälfte gesunken und wird nur noch 5 Prozent betragen. 2006 seien es noch 9,2 Prozent gewesen, sagte der Geschäftsführer der Industriesparte der Wirtschaftskammer (WKÖ), Manfred Engelmann, bei einem Pressegespräch in Wien. Für 2008 erwartet der Industrievertreter mit maximal 5 Prozent ein ähnlich hohes Produktionswachstum in der Industrie wie 2007.
Leiter Anstieg im vierten Quartal
Im dritten Quartal hat nach den letzten verfügbaren Daten der Wertzuwachs der Industrieproduktion 4,2 Prozent erreicht. Bereits im zweiten Quartal war es zu einen Rückgang auf 4,6 Prozent nach 5,1 Prozent im ersten Quartal gekommen. Für das vierte Quartal rechnet Engelmann wieder mit einem Zuwachs von maximal 5 Prozent.
Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie ist im Vorjahr wieder angestiegen. Das Eigenpersonal erhöhte sich kontinuierlich, in den ersten beiden Quartalen 2007 kam es zu einer Zunahme von jeweils 0,4 Prozent, im dritten Quartal von 0,6 Prozent. Für das Schlussquartal rechnet Engelmann mit einem Beschäftigtenwachstum von 1,0 Prozent. Ende November wurden in der heimischen Industrie 421.000 Arbeitnehmer beschäftigt. Im Jahresdurchschnitt 2007 wird die Zunahme des Eigenpersonals 0,6 Prozent betragen, inklusive Fremdpersonal 1,0 Prozent. 2006 kam es zu keiner Veränderung.
Auch bei den Lehrlingszahlen legte die Industrie zu. 2007 befanden sich um knapp 5 Prozent mehr Lehrlinge in Ausbildung als im Jahr davor. In den kommenden Jahren sei jedoch wegen der geburtenschwächeren Jahrgänge mit einem Mangel an Lehrlingen zu rechnen. 2010 werden um 10 Prozent weniger 15-Jährige verfügbar sein als 2007. "Das Problem des Facharbeitermangels wird damit immer gravierender und der Handlungsbedarf im Bereich ausländischer Facharbeiter immer größer", so Engelmann.
Schlechte Auftragslage
Die Auftragseingänge in der Industrie erhöhten sich in den ersten elf Monaten 2007 um 5 Prozent auf über 78 Mrd. Euro. 2006 wiesen sie ein Plus von 12 Prozent auf 81,16 Mrd. Euro auf. Für den Monat November weist die Industrie mit minus 0,6 Prozent erstmals seit dem Juni 2005 wieder leicht rückläufige Auftragseingänge aus. Die Inlandsaufträge hätten 2007 den vorläufigen Berechnungen zufolge etwas stärker zugelegt als die Auslandsaufträge, was ein gutes Zeichen für die österreichische Wirtschaft sei, so Engelmann.
Eine Stütze der Industriekonjunktur war auch 2007 der Export. Von Jänner bis November stiegen die Ausfuhren nach vorläufigen Daten um 10,9 Prozent auf 105,6 Mrd. Euro - nach einem Plus von 9,5 Prozent im Gesamtjahr 2006. Dagegen stiegen die Importe nur um 9,5 Prozent.
84 Prozent der Exporte gingen nach Europa, 72 Prozent in die EU, 7 Prozent nach Amerika und Asien. In die USA wurden um 5,4 Prozent weniger Industriegüter geliefert, nach China um 28,5 Prozent mehr. Deutlich mehr wurde auch in osteuropäische Länder exportiert, nach Indien sei nahezu um die Hälfte mehr geliefert worden.
Fortsetzung der gedämpften Entwicklung
In ihrer Konjunktureinschätzung signalisieren die 18 Industrieverbände für das vierte Quartal 2007 eine Fortsetzung der gedämpften Entwicklung. Bei den Beschäftigten wird überwiegend keine Veränderung erwartet.
Sorge bereitet der heimischen Industrie laut Engelmann die europäische Klimaschutz- und Energiepolitik. Mit dem geplanten betrieblichen Emissionshandel (ETS) werde die Industrie jährlich mit 1 Mrd. Euro belastet. Diese Kostenbelastung sei eine Überforderung, hier müsse sich auf EU-Ebene was ändern, so der Industrievertreter.
(apa/red)

