Donnerstag, 6. März 2008

'Arrivederci Madrid': Spaniens Sportpresse
überzieht Real nach CL-Aus mit Hohn & Spott

  • Trainer Schuster: "Betrachte das nicht als Niederlage"
  • Schalkes "außergewöhnlicher Erfolg" dank Tormann

Es ist eine der Achtelfinal-Überraschungen in der Fußball-Champions League gewesen, dass AS Roma den neunfachen Titelträger Real Madrid am Mittwoch aus Königsklasse verabschiedete. Das "Weiße Ballett" scheiterte damit zum vierten Mal in Folge in der Runde der letzten 16. Für Francesco Totti & Co. hingegen könnte der langersehnte Sieg gegen einen "ganz Großen" der Startschuss zum internationalen Durchbruch bedeuten.

"Das Team hat große Reife gezeigt", spielte Rom-Trainer Luciano Spalletti darauf an, wie sein Team aus der Viertelfinal-Schmach 2007 in Manchester gelernt hat. Damals waren die Römer ebenfalls mit einem 2:1 zum Rückspiel gereist, wurden jedoch nach dem 1:7 im Old Trafford als "nicht europareif" kritisiert.

Auch wenn Superstar Francesco Totti für Spalletti und viele andere "die Seele Romas" ist, hat die Mannschaft in Madrid bewiesen, dass sie alles andere als ein Ein-Mann-Team ist. Das beste Beispiel war am Mittwoch Mirko Vucinic. Der Montenegriner kam für Mancini die letzten 25 Minuten ins Spiel und war danach an fast jeder Aktion beteiligt.

Bei seiner ersten Ballberührung meldete er sich mit einem Lattenschuss an. Für Pepes Ausschluss war ebenfalls er verantwortlich und schließlich versetzte der 24-Jährige mit dem 2:1 in der Nachspielzeit den Madrilenen den Todesstoß. Einen Todesstoß, den Bernd Schuster als Trainer eines Vereins, der sich an europäischen Trophäen misst, überraschend ziemlich nüchtern kommentierte: "Ich betrachte das nicht als eine Niederlage".

"Ein schwerer Schlag"
Anders sah es Kapitän Raul: "Ein schwerer Schlag. Die Champions League war ein großes Saisonziel und jetzt sind wir schon draußen". Präsident Ramon Calderon, der die Mannschaft vor zwei Wochen noch als "die beste der Welt" lobte, die "wie eine Maschine" spielt, musste seine Meinung ändern: "Das war ein klarer Fehler. Wir werden die Saison am Ende analysieren und uns verstärken, wenn es nötig ist".

Ob er seine Meinung über den Trainer auch ändert? Vor wenigen Wochen konnte sich Schuster kaum der Lobeshymnen und Gehaltserhöhungen erwehren, nun scheint es, als wäre der Gewinn der Meisterschaft seine rettende Pflichtübung. Für seinen Vorgänger Fabio Capello war der Meistertitel alleine zu wenig. Wenig beeindruckt davon, feierten Italiens Medien Roma als bisher einzigen heimischen Vertreter im Viertelfinale.

Mit "Arrivederci Madrid" verabschiedete die "La Gazzetta dello Sport" das Weiße Ballett. "Real wurde von einer großen Roma eliminiert", war in Italiens größter Sportzeitung zu lesen. Spaniens Presse war erbarmungslos: Vom "Real ohne Ideen" schrieb die Tageszeitung "El Mundo", die den Club zum "Mittelmaß in Europa" degradierte. "Real fehlen die Ressourcen" meinte "El Pais", während "As" mit "welche Traurigkeit" titelte und Schusters Konzept als "verheerend" bezeichnete. Der Deutsche und Calderon waren für "Marca" eine "Lachnummer".

Schalke 04 hat dank Manuel Neuer auf die Siegerstraße zurückgefunden und laut dem zuletzt heftig kritisierten Trainer "einen außergewöhnlichen Erfolg" gefeiert. Der 21-jährige Tormann hat sein Team mit unglaublichen Reflexen und Weltklasse-Paraden im Spiel gehalten und im Elfmeterschießen zwei Strafstöße pariert. "Manuel hat mit seiner Weltklasseleistung großen Anteil daran, dass das Lachen wieder in die Gesichter zurückgekehrt ist", stellte Slomka fest.

"Der Präsident war in der Kabine, hat der Mannschaft gratuliert - und mir natürlich auch", berichtete Slomka. Vergessen ist vorerst der Disput zwischen ihm und Clubchef Josef Schnusenberg. Der 67-Jährige, der sich über eine weitere Einnahme von rund sieben Millionen Euro und den erstmaligen Aufstieg ins CL-Viertelfinale freuen kann, hielt fest: "Mirko Slomka bleibt bis zum Saisonende unser Trainer. Das war aber schon vorher so besprochen".

Beim souveränen 3:0 von Chelsea über Olympiakos Piräus haben Frank Lampard und Michael Ballack eindrucksvoll bewiesen, dass sie es doch zusammen können. Das Führungstor erzielte Ballack nach Lampard-Flanke per Kopf. Wenig später revanchierte sich der deutsche Nationalteamkapitän mit einem Assist, Lampard traf zum 2:0. Die "Sun" bezeichnete die Leistung der Londoner und speziell des Mittelfeld-Duos als "virtuosen Auftritt in perfekter Harmonie".

(apa/red)

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6.3.2008 14:02