Samstag, 8. März 2008

Schiri-Boss geht in die Gegenoffensive:
Für Kommissions-Chef eine Hetzkampagne

  • Johann Hantschk verteidigt Einwallers Entscheidungen
  • Schweizer Schiedsrichter bei Wacker gegen Altach

Johann Hantschk, der Vorsitzende der österreichischen Liga-Schiedsrichter-Kommission, hat die Diskussionen über die heimischen Fußball-Spielleiter satt. Der 68-Jährige hält die Behandlung der Unparteiischen in den vergangenen Wochen vonseiten der Spieler, Trainer, Funktionäre und Medien für ungerecht, auch die Angriffe gegen Thomas Einwaller nach dem 2:1-Heimsieg von Rapid gegen Sturm Graz gehen ihm gegen den Strich.

Laut Hantschk gab es im Hanappi-Stadion nur eine gravierende Fehlentscheidung - als Sturm-Kicker Thomas Krammer wegen Abseits zurückgepfiffen wurde. "Und da war Einwaller schuldlos. In diesem Fall ist Assistent Armin Eder daneben gelegen, das dürfte nicht passieren."

Ansonsten aber sei das Schiedsrichter-Gespann richtig gelegen, so etwa auch bei Gelb-Rot gegen Jakob Jantscher. "Die erste Gelbe war ein Halten beim Durchlaufen eines Spielers. Das ist eine Pflicht-Gelbe, egal ob in der 2. oder 77. Minute. Bei der zweiten Verwarnung war nie die Absicht da, den Ball zu spielen. Da muss man dem Schiedsrichter zugestehen, dass er diese Aktion für gelbwürdig erachtet", erklärte Hantschk.

Elfer gerechtfertigt
Auch der Elfer zum 2:1-Sieg von Rapid war für den Wiener gerechtfertigt. "Das Foul an Hoffer beginnt zwar außerhalb des Straftraums, aber Prettenthaler hält und zieht ihn bis in den Sechzehner hinein. Der Kontakt reißt erst innerhalb des Strafraums ab, wo er ihn freigibt oder fast niederdrückt. Wenn Prettenthaler sagt: 'Wir sind betrogen worden', dann glaube ich, wir sind im falschen Film."

Hantschk sieht die österreichischen Schiedsrichter als Opfer einer "Hetzkampagne". "Man sucht und wartet auf vermeintliche Fehler, um hinzuprügeln." Der Kommissions-Vorsitzende gab zwar zu, dass im Frühjahr diverse Fehler passiert seien, forderte aber dennoch mehr Zurückhaltung aller Beteiligten. "Die Schiris beschimpfen ja auch keine Spieler oder Trainer."

Keine Gnade gegen Madl gefordert
Im Sinne des Schutzes der Unparteiischen ist Hantschk auch fest entschlossen, Wacker-Innsbruck-Verteidiger Michael Madl wegen dessen in einem Interview geäußerter Vermutung, Schiedsrichter Fritz Stuchlik hätte sich vor dem West-Derby "Wodka in sein Red Bull geleert", vor dem Liga-Strafsenat zur Rechenschaft zu ziehen. "Damit ist eine Grenze erreicht, das können wir uns nicht länger gefallen lassen."

Auch die schriftliche Entschuldigung von Madl stimmte Hantschk nicht milde. "Dann macht das ein Jeder, unterstellt dem Schiedsrichter Alkoholkonsum vor dem Spiel oder Betrug und entschuldigt sich halt am nächsten Tag. Es muss einmal etwas passieren, damit Spieler und Trainer mitbekommen, dass sie nicht alles sagen können."

Aufgrund der Regelungen kann jedoch nur der Bundesliga-Vorstand ein Verfahren gegen Madl einleiten. "Aber angeblich ist die Bundesliga nicht gewillt, etwas zu unternehmen. Das würde Narrenfreiheit in Österreich bedeuten", sagte Hantschk, hofft in diesem Zusammenhang allerdings noch auf ein Einsehen von Liga-Vorstand Georg Pangl.

Runder Tisch geplant
Um die eskalierte Situation zu entschärfen, wünscht sich der Wiener einen runden Tisch, an dem unter anderem auch Club- und Medien-Vertreter teilnehmen sollen. Von Streikdrohungen, wie sie zuletzt von den ebenfalls unter Beschuss geratenen italienischen Referees geäußert wurden, hält er nichts. "Das wäre kein probates Mittel."

Im Land des Weltmeisters wird im Moment über den Einsatz ausländischer Spielleiter diskutiert. In Österreich wurde dieser Weg mittels einer Kooperation mit der Schweiz schon vor mehreren Jahren beschritten. In der jüngeren Vergangenheit wurden die Einsätze Schweizer Unparteiischer in der T-Mobile Liga zwar zurückgefahren, der eine oder andere Eidgenosse könnte in der laufenden Saison aber noch die heimischen Kicker nach seiner Pfeife lassen. So wird im Abstiegsduell Wacker Innsbruck - SCR Altach am kommenden Samstag ein Schweizer Team eingesetzt. "Und wir haben in dieser Saison noch ein, zwei Möglichkeiten, bei brisanten Partien Schweizer Schiedsrichter zu nominieren", betonte Hantschk.
(apa/red)

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8.3.2008 13:40