Samstag, 8. März 2008

Wieder einmal der Schiri im Mittelpunkt:
Diskussionen nach Spiel Rapid gegen Sturm

  • Sturm nach Schiedsrichter-Entscheidungen erbost
  • Einwaller sieht sich auch nach Videoanalyse im Recht

Das Nachspiel einer Fußball-Bundesliga-Partie ist in den Katakomben des Hanappi-Stadions schon ruhiger verlaufen als jenes nach dem Duell zwischen Rapid und Sturm Graz am Freitag. Die Begleitumstände der 1:2-Niederlage der Steirer gegen die Hütteldorfer löste bei den Gästen derartige Emotionen aus, dass sich etwa Sebastian Prödl seinen Frust beim Gang in die Kabine lautstark von der Seele brüllte.

Wenige Minuten später hatte sich der Sturm-Innenverteidiger wieder gefasst, das Unverständnis über einige Entscheidungen von Schiedsrichter Thomas Einwaller aber blieb. Eine Gelb-Rote Karte gegen den Grazer Youngster Jakob Jantscher, eine falsche Abseitsentscheidung gegen seinen Teamkollegen Thomas Krammer und ein Elfer-Pfiff nach einer außerhalb des Strafraums begonnenen Attacke von Mark Prettenthaler an Erwin Hoffer, der zum Siegestreffer von Rapid führte, erhitzten Prödls Gemüt.

"Der Schiedsrichter und seine Assistenten waren die entscheidenden Faktoren für den Rapid-Sieg. Jetzt muss ganz Österreich auf diese Entscheidungen schauen und darüber nachdenken, was wir in unserer Liga kurz vor der EM aufführen", meinte Prödl, zeigte in einem gewissen Ausmaß aber auch Verständnis für Einwaller. "Jeder macht Fehler, und er ist auch nur ein Mensch wie jeder andere. Ich will ihn nicht direkt beschuldigen."

Auch Prödls Clubchef Hans Rinner mischte sich nach der Partie unter die Journalisten, um seinem Ärger Ausdruck zu verleihen. "Wir werden uns mit den Herren der Schiedsrichter-Kommission zusammensetzen müssen. Im Frühjahr hatten wir eine massive Anhäufung kapitaler Schiedsrichter-Fehler gegen uns, die die Meisterschaft massiv beeinflussen. Das kann man in dieser Form nicht weiter dulden, wir können das gegenüber dem zahlenden Publikum nicht weiter verantworten", schimpfte Rinner.

Einwaller sieht sich im Recht
Der Beschuldigte ist sich des aktuellen Schlamassels bewusst, in dem sich seine Zunft befindet. "Aber wir werden alle dazu beitragen, damit wir da wieder rauskommen und die Meisterschaft nicht beeinflussen." Im Zusammenhang mit den umstrittenen Entscheidungen sah sich Einwaller nach Studium der TV-Bilder im Recht. Zwar sei der Abseits-Pfiff - bei dem er sich auf seinen Assistenten verlassen musste - falsch gewesen, "aber Gelb-Rot war meiner Meinung nach richtig, weil beide Male nicht die Intention da war, den Ball zu spielen. Der Elfer war eine heikle Situation, kein lupenreiner Strafstoß und kein lupenreiner Freistoß. Man sieht, dass das Foul außerhalb des Sechzehners beginnt, aber man konnte nicht klar ausmachen, ob es drinnen endet", erklärte Einwaller und sprach von einem "Graubereich".

Diese Aussagen sorgten bei Sturm-Coach Franco Foda für Kopfschütteln. "Wir sind durch eine Fehlentscheidung auf die Verliererstraße gekommen. Dass man auch nachher noch auf dieser Entscheidung beharrt, ist unverständlich", sagte der Deutsche.

Pacult mit Elfer zufrieden
Für Foda war der Elfer eine glatte Fehlentscheidung, Rapid-Trainer Peter Pacult hingegen vertrat die gegensätzliche Meinung. "Das Foul beginnt zwar vorher, aber man sieht, dass Hoffer auch noch im Strafraum von Prettenthaler hinuntergedrückt wird. Das war ein Elfer", erklärte der Wiener und betonte: "Ich werde mich für das 2:1 nicht entschuldigen."

Der frühere 1860-Betreuer plädierte im Zusammenhang mit den Schiedsrichter-Diskussionen für verbale Abrüstung. "Da müssen auch wir Trainer uns zurücknehmen und das an die Spieler weitergeben, damit die Schiedsrichter in Ruhe gelassen werden."
(apa/red)

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8.3.2008 13:36