Donnerstag, 6. März 2008

"Video-Beweis nein, Tor-Kamera ja": Heiße Debatte nach unklaren Schiri-Entscheidungen

  • "Fehler bedauerlich, aber es wird sie immer geben"
  • Pacult Befürworter von Videobeweis-Einführung

Die Diskussionen um fragwürdige Entscheidungen der Fußball-Schiedsrichter in der T-Mobile-Bundesliga haben durch die zwei Nachtragsspiele neuen Zündstoff erhalten. In Wien reklamierten die Austrianer gegen den LASK (0:0) ein - wie das TV nachher bewies - wegen Abseits zu Unrecht annulliertes Tor der Hausherren und in Salzburg (2:0) wollte Wacker Innsbruck gegen Red Bull beim Stande von 0:0 einen regulären Treffer und vor dem zweiten Tor keinen Handelfer gesehen haben.

Dass die Schwarzen Männer im engen Titelrennen bzw. im harten Abstiegskampf ins Fadenkreuz der Kritiker geraten, ist aufgrund des Erfolgsdrucks der Vereine subjektiv vielleicht verständlich, aber objektiv nicht immer nachvollziehbar. "Zu klaren Fehlern der Referees stehen wir auch, aber Unterstellungen und Untergriffe sind dem Fußball nicht dienlich und schaden dem Fair Play", erklärte Johann Hantschk, der Vorsitzende der Bundesliga-Schiri-Kommission, zur APA - Austria Presse Agentur.

"Mit freiem Auge fast nicht auszumachen"
Zur Szene im Horr-Stadion, wo der Vorarlberger Thomas Gangl das Spiel geleitet hatte, meinte er: "Sie war mit freiem Auge fast nicht auszumachen. Solche knappen Entscheidungen sind nur nach Instinkt oder aus dem Bauch heraus zu treffen." Und zum "Salzburger Fall", den der Wiener Unparteiische Fritz Stuchlik "ausgelöst" hatte, erklärte Hantschk: "Wenn der Schiedsrichter Zweifel hat, darf er gar keine Entscheidung treffen. Selbst das Fernsehen hat da keinen eindeutigen Beweis geliefert. Was das Hands betrifft, lag Stucklik laut TV-Beweis richtig."

Schiedsrichter-Boss wehrt sich
Der Nachfolger des Steirers Gerhard Kapl als oberster heimischer Schiedsrichter, der seinen Schützlingen im Herbst gute Leistungen attestierte, wehrt sich gegen die "Skandalisierung der Schiedsrichter". Seiner Meinung nach sind die Referees im Frühjahr vor allem durch drei fragwürdige Elfermeter-Situationen in den Blickpunkt des Unmuts gerückt. "Ich bedauere Fehler, solche hat es aber immer gegeben und es wird sie auch immer geben." Aus jeder strittigen Szene jedoch gleich einen Schiedsrichter-Skandal zu machen, sei nicht im Sinne des Sports.

Fehler sind menschlich
Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland. Als jüngstes Beispiel führte der Wiener Hantschk das Champions League-Spiel Real Madrid - AS Roma (1:2) an, in dem der Spanier "Raul aus klarem Abseits den Ausgleich zum 1:1 erzielt hat". Das gebe es eben in der Königsklasse ebenso wie etwa in einem EM- oder WM-Turnier. Am Wochenende unterlief dem dreifachen Weltschiedsrichter Markus Merk ein Patzer. Der Deutsche hatte ein Abseitstor der Bremer gegen Borussia Dortmund anerkannt.

Merk, der aus Altersgründen seine letzte Saison bestreitet, forderte nach seinem falschen Pfiff die Einführung des immer wieder ins Spiel gebrachten Video-Beweises. Ein solcher ist für seinen österreichischen Kollegen Hantschk hingegen undenkbar. "Das würde den Fußball zerstören, das Spiel zerhacken, der Spielfluss durch die vielen Unterbrechungen zerstört", erklärte der 68-Jährige Hantschk, der gegen TV-Bilder als Wahrheitsfindung jedoch nichts einzuwenden hat.

"Video-Beweis nein, Tor-Kamera ja" - so lautet die Position des rot-weiß-roten Schiri-Chefs. "Eines solchen technischen Hilfsmittels, das nicht ein elektronische Auge sein muss, sondern auch ein Funk-System sein könnte, verschließen wir uns nicht", sagte der pensionierte ÖBB-Beamte, der diesbezüglich mit FIFA und UEFA auf einer Linie liegt. Tests habe es schon gegeben, doch technische Probleme und finanzielle Lösungen müssten noch bewältigt werden. Und dann erhebe sich noch die Frage, ab welcher Spielklasse (Profi, Amateure etc) das teure Projekt eingeführt wird.

Pacult Befürworter von Videobeweis-Einführung
Aufgrund der derzeitigen durch zahlreiche Fehlpfiffe herbeigeführten "Schiedsrichter-Problematik" in der österreichischen Fußball-Bundesliga hat sich Rapid-Coach Peter Pacult als Befürworter der Einführung eines Videobeweises deklariert. "Alles entwickelt sich weiter, warum sollte man im Fußball stehen bleiben", fragte sich der ehemalige 1860-München-Betreuer.

Laut dem Ex-ÖFB-Teamspieler könnte man sich dabei am im Tennis bei gewissen Turnieren eingeführten "Hawk-eye-System" orientieren. "Wenn sich die Schiedsrichter bei strittigen Entscheidungen, höchstens ein bis zweimal pro Hälfte, ein Video anschauen könnten, wäre das nicht schlecht und das Spiel würde auch nur rund fünf Minuten länger dauern", merkte Pacult an. "Es geht um viel Geld, warum soll man daher nicht darüber diskutieren und Dinge ausprobieren."

(apa/red)

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6.3.2008 15:03