Mediziner sind sich einig: Auch schnellerer Transport hätte Amputation nicht verhindert
- Meinung dreier Ärzte zu Lanzinger: "Unvermeidlich"
- Drohende Lebensgefahr durch Operation abgewendet

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Dem österreichischen Skirennläufer Matthias Lanzinger ist der linke Unterschenkel amputiert worden. Die Operation in der Universitätsklinik von Oslo wurde vom Vorstand Lars Engebretsen zusammen mit dem Salzburger Gefäßspezialisten Thomas Hölzenbein durchgeführt. Der norwegische Chirurg hat die Amputation als "unvermeidlich" auch bei einem anderen Verlauf nach dem Unfall eingestuft. Der gleichen Meinung waren auch Hölzenbein sowie Herbert Resch, Primar der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie.
Auch bei einem rascheren Transport wäre es sehr wahrscheinlich gewesen, dass die Unterschenkel-Amputation bei Matthias Lanzinger erforderlich gewesen wäre. "Es haben Teile des Knochens gefehlt, es hätte dennoch das Bein amputiert werden müssen", sagte Hölzenbein bei einer Pressekonferenz in Salzburg.
Auch wenn die Gefäße wiederhergestellt worden wären, hätte es sein können, dass er das Bein nicht mehr gespürt hätte, ergänzte Primar Resch.
Man sollte mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein. Die Wahrheit liege wie immer in der Mitte, sagte der Gefäßchirurg. Die Vermutung habe bestanden, dass der 27-jährige Salzburger ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten habe. Deshalb habe man den Patienten ins nächstgelegene Krankenhaus und nicht nach Oslo fliegen müssen.
"Umfang entscheidend"
Der für mehrere Notoperationen mit Lanzinger verantwortliche Chefchirurg Lars Engebretsen sagte der Nachrichtenagentur NTB: "Entscheidend war der Umfang der Schäden. Und der fiel wegen der sehr hohen Geschwindigkeit sehr, sehr groß aus."
Die Unterschenkel-Amputation musste in Oslo durchgeführt werden, um größere gesundheitliche Schäden zu vermeiden. "Wegen akuter Verschlechterung der allgemeinen Situation und drohender Lebensgefahr war eine sofortige Operation notwendig. Es wurde eine Unterschenkel-Amputation durchgeführt und der Allgemeinzustand von Matthias Lanzinger hat sich dadurch deutlich gebessert. Derzeit besteht keine akute Lebensgefahr", erklärte Professor Hölzenbein nach der Operation.
Durchblutung nicht stabil
"Die Durchblutung des Fußes konnte wieder hergestellt werden aber in Folge der langen Dauer der Ischämie (Blutleere/Anm.) und begleitenden Weichteilschäden konnte die Durchblutung nicht stabilisiert werden. In Folge des irreparablen Gewebeschadens ist eine Amputation zur Vermeidung von dauerhaften schwerwiegenden Folgen unvermeidbar", erklärte der nach der ersten Operation in Oslo beigezogene, österreichische Gefäßspezialist Prof. Dr. Thomas Hölzenbein.
Lanzinger hatte sich bei seinem schweren Sturz in Norwegen einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen. Gravierender war aber die Gefäßverletzung, deretwegen der Sportler sogar in Tiefschlaf versetzt werden musste. Der Österreichische Skiverband ÖSV hatte deshalb den europaweit bekannten und anerkannten Salzburger Gefäßspezialisten, Univ.Prof. Dr. Thomas Hölzenbein um Hilfe gebeten.
Kritik an FIS und Organisatoren
Der schwere Sturz von Lanzinger hat erneut zu heftiger Kritik an der aktuellen Situation im Alpinrennsport gesorgt. Obwohl der Internationale Skiverband FIS auf diese Saison hin durch eine Regeländerung vermeintlich sicherere Ski (weniger Taillierung, niedrigere Standhöhe) hat bauen lassen, haben sich in diesem Winter schon mehr als 30 Läufer/innen zum Teil schwer verletzt.
Kritisiert worden war auch die extrem schnelle Kurssetzung des Super-G auf dem Olympia-Kurs von 1994 sowie die mangelnde Professionalität beim Abtransport von Lanzinger. So dauerte die Bergung am Berg extrem lange. Danach musste aus einem Touristen-Hubschrauber erst eine Sitzbank entfernt werden, um den schwer verletzten Sportler vom Zielraum aus ins Krankenhaus fliegen zu können. (apa/red)
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