Montag, 3. März 2008

Kommt 'historisches' Ende im Ski-Weltcup?
Miller & Vonn wollen für US-Double sorgen

  • 1983 schafften Mare und McKinney den Doppelerfolg
  • Raich legt große Kugel ad acta, Hosp kämpft weiter

Der alpine Ski-Weltcup steuert erneut auf ein dramatisches Finale, aber auch auf ein "historisches" Ende zu. Erstmals seit 1983 und damit zum erst zweiten Mal in der Geschichte könnten mit Bode Miller und Lindsey Vonn wieder beide Gesamtsieger aus den USA kommen. Vor 25 Jahren hatten Phil Mahre bzw. Tamara McKinney zum ersten und bisher einzigen Mal dieses Double für die Amerikaner geschafft.

Jeweils sechs Rennen stehen in der Saison 2007/2008 noch an, ehe mit dem abschließenden und für die Einzelwertung bedeutungslosen Team -Event am 16. März beim Finale in Bormio der Winter endgültig abgeschlossen wird. Am Tag, an dem in Australien die Formel-1-WM 2008 beginnt, wird man also bereits wissen, wer am Ende die Nase vorne hatte.

Vor allem Miller hat wieder ganz ausgezeichnete Karten, zum zweiten Mal nach 2004/2005 die große Kristallkugel mit nach New Hampshire zu nehmen. Nur die beiden Sensationssiege von Werner Heel und Georg Streitberger verhinderten in Kvitfjell, dass der 31-jährige US-Amerikaner nicht alle drei Speed-Rennen in Norwegen gewann. Mit den Plätzen 2-1-2 nahm Miller aber dennoch 260 Punkte mit und baute seine Führung damit deutlich aus.

Raich denkt "nicht mehr" an Weltcup
185 Punkte Vorsprung hat Miller auf den Schweizer Didier Cuche während Benni Raich in den drei Tagen nach seinem 30. Geburtstag sogar auf Platz drei der Gesamtwertung zurückfiel und bereits 290 Zähler Rückstand hat. Kein Wunder, dass der Tiroler vor den beiden Technik-Rennen am kommenden Wochenende in Kranjska Gora (Riesentorlauf/Slalom) erstmals davon sprach, jetzt "nicht mehr" an den Weltcup zu denken. Wenn Raich in Slowenien nicht deutlich Boden auf Bode gut macht, ist für den Pitztaler der Zug wohl vorzeitig abgefahren.

Erfolgslauf nach Team-Abspaltung
Miller führt seine mit bisher sechs Saisonsiegen gewürzte Rückkehr an die Spitze nicht zuletzt auf seine Abspaltung vom US-Team zurück. Seit diesem Winter organisiert sich der Eigenbrötler aus Bretton Woods, der nach seinem Weltcup-Gesamtsieg vor drei Jahren weder bei Olympia in Turin noch bei der WM in Aare Medaillen gewonnen hat, als "Team Bode America" selbst.

"Es ist schwer in Prozenten auszudrücken, was den Unterschied ausmacht. Aber es hat sich auf jeden Fall positiv ausgewirkt", erklärte Miller in Norwegen und führte vor allem sein individuelles Fitness-Training als Schlüssel zum Erfolg an. "Ich bin auch im unteren Teil der Rennen nicht müde, das macht auch die Motivation einfacher."

Lindsey Vonn hat gute Karten auf Gesamtweltcup
Als "fit wie noch nie" hatte sich ebenso Lindsey Vonn schon zu Saisonbeginn erklärt. Die 23-jährige Ehefrau hat auch dank der von Sponsor Red Bull zur Verfügung gestellten, österreichischen Coaches eine Konstanz erreicht, die ihr vorzeitig und als erst zweiter US-Amerikanerin seit Picabo Street (1995 und 1996) zum Gewinn der Abfahrtskugel verholfen hat.

Ob sie auch die zweite US-Gesamtsiegerin nach McKinney wird, ist bei nur 54 Punkten Vorsprung auf die österreichische Titelverteidigerin Nicole Hosp mehr als offen. Womöglich wird am Ende aber die wetterbedingte Absage der beiden Technik-Rennen in Zwiesel , in denen Hosp favorisiert war, mithelfen. "Ich habe in dieser Saison fünf Mal einen Sieg oder ein Podium um nur ein Hundertstel verpasst", betrachtete Vonn die Absage durchaus als gerechtfertigte Wiedergutmachung.

Zudem folgt nun noch ein Speed- und Kombi-Wochenende in Crans Montana, was die Amerikanerin begünstigt. "Bode und ich als Gesamtsieger, das wäre historisch und für mich die Erfüllung eines Lebenstraumes", ist sich Vonn der Bedeutung bewusst.

Österreicherinnen schreiben Weltcup noch nicht ab
Beim ÖSV-Damen-Team will man die große Kugel aber noch nicht abschreiben. "So eine Absage ist bitter. Aber man darf den Winter nicht auf zwei Rennen reduzieren. Niki hat im Riesentorlauf immer wieder Punkte liegen gelassen", relativierte Damenchef Herbert Mandl. Er ist überzeugt: "Nikis Chancen sind intakt. Wenn sie konzentriert bleibt, kann sie es auch in der Finalwoche noch hinbiegen."

(apa/red)

3.3.2008 19:11