McCain im Kreuzfeuer der Kritik: Rüstungs- auftrag an EADS sorgt für mächtig Zündstoff
- Für Niederlage von Boeing verantwortlich gemacht
- Milliarden-Auftrag kostete Amerikaner 9.000 Jobs
Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber John McCain ist im Zusammenhang mit der Vergabe eines milliardenschweren Rüstungsauftrags an den europäischen Flugzeugbauer EADS kritisiert worden. McCain wird vorgeworfen, für die Niederlage des US-Konkurrenten Boeing bei der Ausschreibung mitverantwortlich zu sein und damit die Entstehung und Sicherung Zehntausender Arbeitsplätze in den USA verhindert zu haben. Das US-Verteidigungsministerium hatte EADS und seinem amerikanischen Partner Northrop Grumman überraschend den Zuschlag für die Lieferung von 179 Tankflugzeugen erteilt.
"Ich hoffe, die Wähler in diesem Staat wissen, was John McCain ihnen und ihren Arbeitsplätzen angetan hat", sagte der demokratische Abgeordnete Norm Dicks aus dem Staat Washington. Dort hätte der Bau der Tankflugzeuge rund 9.000 Arbeitsplätze geschaffen. "Wir haben sichergestellt, dass der Irak neue Schulen, Straßen, Brücken und Dämme bekommt, die wir Amerika verwehren", sagte sein Kollege Rahm Emanuel aus Illinois. "Jetzt stellen wir sicher, dass Frankreich die Jobs bekommt, die Amerikaner früher hatten." Das sei nur geschehen, weil McCain es so gewollt habe.
Der Präsidentschaftsbewerber hat im Wahlkampf mehrfach darauf verwiesen, dass er einen früheren Tankerauftrag an Boeing verhindert habe, weil dieser den Steuerzahler sechs Milliarden Dollar gekostet hätte. Der Auftrag scheiterte 2004, nachdem ein früherer Boeing-Manager eine Mitarbeiterin der Luftwaffe eingestellt hatte, noch während sie an den Verhandlungen über potenzielle Verträge mit dem Konzern beteiligt war. Beide verbüßten eine Haftstrafe, mehrere ranghohe Mitarbeiter von Boeing und der Luftwaffe mussten gehen.
Kritik aus eigenen Reihen
Nancy Pelosi, die Mehrheitsführerin der Demokraten im Kongress, erklärte, der Auftrag sei für Boeing vorgesehen gewesen, bevor McCain dagegen angegangen sei. Auch aus den Reihen der Republikaner wurde Kritik an dem Senator aus Arizona laut. Der wies das zurück und erklärte, der Vergabeprozess sei korrupt gewesen. Unterstützung bekam er von den Aktivisten der Gruppe "Taxpayers for Common Sense". Ein Sprecher sagte, Führungsmitglieder von Boeing hätten das Gesetz gebrochen und seien damit allein verantwortlich für den Verlust des Auftrags.
Trotzdem könnte die Kontroverse McCain bei der bevorstehenden Präsidentenwahl schaden. Boeing wollte die Arbeiten für den Auftrag in den Staaten Washington, Kansas, Connecticut und Texas ausführen lassen. "Wenn es so dargestellt wird, als hätte er mit dem Verlust von Arbeitsplätzen zu tun, könnte ihm das bei den Wähler schaden", sagte der Politikwissenschaftler Todd Donovan. In Alabama dagegen wird McCain wohl punkten. Unterstützung kam bereits vom republikanischen Gouverneur Bob Riley, der sich drei Tage nach der offiziellen Vergabe des Auftrags hinter McCain stellte. Schließlich werden die Tankflugzeuge in Mobile, Alabama, gebaut und sorgen dort für 2.000 neue Arbeitsplätze. 25.000 weitere Jobs bei Zulieferern landesweit werden mit dem Auftrag gesichert.
Der Flugzeugbauer Boeing will nun entscheiden, ob er formalen Protest gegen die Vergabe des Auftrags an EADS einlegt. Berichte, wonach das Unternehmen die Ausschreibung deutlich verloren habe, seien unzutreffend, hieß es in einer Mitteilung der Firma. Es handelt sich um einen der bisher größten Aufträge der Luftwaffe mit einem Volumen von bis zu 40 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) und der Aussicht auf mögliche Folgeaufträge. Boeing hatte seit fast 50 Jahren ein Monopol auf die Ausrüstung der US-Streitkräfte.
(apa/red)

