Lateinamerika-Krise nun offiziell beigelegt:
Venezuela will Armee von Grenze abziehen
- Handschlag zwischen Staatschefs auf Staatsgipfel
- Chavez fordert von FARC Betancourt-Freilassung

·Chavez erhöht den Druck auf Kolumbien
Drohung von Sanktionen gegen das Nachbarland
·Kolumbien: Land findet "keine Ruhe"
Bürgerkriegsähnliche Zustände seit 40 Jahren
·Auch Nicaragua bricht mit Kolumbien
Ortega: Diplomatische Beziehungen beendet
Nach der offiziellen Beilegung der diplomatischen Krise zwischen Kolumbien, Ecuador und Venezuela haben sich die beteiligten Länder um weitere Entspannung bemüht. Venezuelas Präsident Hugo Chavez versprach, die zur kolumbianischen Grenze verlegten Truppen abzuziehen. Zugleich forderte er die Führung der FARC-Rebellen auf, die Grünen-Politikerin Ingrid Betancourt freizulassen. Kolumbien verpflichtete sich, künftig von Militäreinsätzen auf fremdem Staatsgebiet abzusehen. Der Streit war nach einem Angriff der kolumbianischen Streitkräfte auf ein Lager der FARC-Rebellen in Ecuador entbrannt.
Venezuela werde in Kürze mit dem Abzug seiner Truppen an der Grenze zu Kolumbien beginnen, sagte Chavez in Caracas. Der venezolanische Präsident hatte nach der kolumbianischen Militäraktion rund 6.000 Soldaten entsandt und damit zunächst zu einer Verschärfung der Krise beigetragen. Während eines Gipfels der sogenannten Rio-Gruppe in der Dominikanischen Republik rief er dann jedoch zur Versöhnung auf.
Handschlag unter Applaus
Bei dem Treffen lateinamerikanischer Staaten reichten einander Ecuadors Präsident Correa und sein kolumbianischer Kollege Alvaro Uribe anschließend unter dem Applaus der rund 20 anwesenden lateinamerikanischen Staatschefs die Hand. Kolumbien versprach, künftig von Militäreinsätzen auf fremdem Staatsgebiet abzusehen.
Zuvor hatte es einen heftigen Schlagabtausch zwischen den Konfliktparteien gegeben. Uribe räumte ein, die Regierung in Quito nicht über den grenzübergreifenden Einsatz informiert zu haben. Allerdings habe Kolumbien im Kampf gegen den Terrorismus nicht die Unterstützung Ecuadors gehabt. Correa wies die Vorwürfe vehement zurück und bekräftigte seine scharfe Kritik an dem Angriff: "Nichts rechtfertigt diese Aggression, und wir erwarten eine Verurteilung" durch die "Rio-Gruppe".
Beziehungen wieder aufbauen
Es werde noch Zeit brauchen und schwierig sein, die Beziehungen und Vertrauen zu Kolumbien wieder aufzubauen, sagte Correa in seiner wöchentlichen Radioansprache. Man werde jedoch gemeinsam mit Venezuela einen Zeitplan ausarbeiten, um die Botschafter nach Bogota zurückzuschicken. Venezuela hatte nach einer kolumbianischen Kommandoaktion gegen Guerillakämpfer der FARC auf ecuadorianischem Territorium seine Diplomaten aus Kolumbien abgezogen, die Beziehungen aber nicht abgebrochen.
Chavez nahm unterdessen seine Vermittlungsbemühung zwischen der kolumbianischen Guerillagruppe Revolutionäre Streitkräfte (FARC) und Kolumbiens Regierung wieder auf und bat seinen kolumbianischen Kollegen Uribe, ihm diese wieder offiziell zu erlauben. Zugleich forderte die FARC-Führung auf, die vor sechs Jahren entführte kolumbianisch-französische Grünen-Politikerin Betancourt freizulassen. "Schicke uns Ingrid", sagte der venezolanische Präsident an FARC-Chef Manuel Marulanda gerichtet. Es mache keinen Sinn, Betancourt weiter "in den Wäldern Kolumbiens festzuhalten". Im Gegenwart von Betancourts Mutter versprach Chavez, weiterhin "unermüdlich für die Freilassung nicht nur von Ingrid, sondern aller Geiseln zu kämpfen".
Videoaufnahmen der Geiseln
Der venezolanische Innenminister Ramon Rodriguez Chacin hatte erklärt, seine Regierung habe Videoaufnahmen von zehn FARC-Geiseln vom Dezember und Anfang diesen Jahres erhalten. Bei den Festgehaltenen handle es sich um Soldaten und Polizisten. Die Bänder gelten als Hinweis für eine mögliche Freilassung.
Die linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) haben nach eigenen Angaben etwa 700 Menschen in ihrer Gewalt, darunter rund 40 sogenannte politische Gefangene. Im Austausch für diese Gruppe fordern die Rebellen die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus kolumbianischen Gefängnissen. (apa/red)
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