Paukenschlag bei der Wahl in Malaysia: Nationale Front verliert Zweidrittelmehrheit
- Historisch schlechtestes Ergebnis seit Unabhängigkeit
- Regierungschef Badawi schließt Rücktritt aber aus
Malaysias Regierungskoalition hat bei den Parlamentswahlen die größte Schlappe aller Zeiten erlitten. Das von Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi geführte Bündnis gewann zwar die meisten Sitze im Parlament. Die Nationale Front verlor aber vor allem wegen des Unmuts der Bevölkerung über die steigenden Lebenshaltungskosten ihre komfortable Zwei-Drittel-Mehrheit. Trotz Rücktrittsforderungen kündigte Abdullah an, den Vielvölkerstaat weiter regieren zu wollen.
Die Nationale Front kam bei der Wahl erstmals seit 1969 nicht mehr auf eine Zweidrittel-Mehrheit und erhielt nur noch 139 der 222 Sitze. Das Oppositionsbündnis aus der Volkspartei für Gerechtigkeit, der Demokratischen Aktionspartei und der Panmalaysischen Islamischen Partei verbesserte sich von 19 auf 82 Sitze. "Das ist eine historische Krise", räumte der Abgeordnete Tengku Razaleigh Hamzah von der Nationalen Front ein. Die Regierungspartei gehe jetzt in eine Phase der Unsicherheit, wie sie es noch nie zuvor erlebt habe.
Die Nationale Front führt das Land praktisch seit der Unabhängigkeit Malaysias von Großbritannien vor gut 50 Jahren. Die vergangenen vier Jahre hatte sie noch neun von zehn Sitzen kontrolliert, womit sie Verfassungsänderungen durchsetzen und Schlüsselpositionen besetzen konnte.
Die aus Islamisten und Reformkräften zusammengesetzte Opposition siegte in fünf der insgesamt 13 Bundesstaaten, darunter auch in Abdullahs Heimat Penang. Die Region ist das Zentrum der malaysischen Elektronikindustrie, die etwa die Hälfte der Exporte des südostasiatischen Landes ausmacht. Die Oppositionsparteien konnten sich zudem fast alle Sitze in der Hauptstadt Kuala Lumpur sichern.
Revolution in Malaysia?
Eine Mitglied der Islamistenpartei PAS verglich den Wahlausgang mit einer Revolution. "Das Volk hat sich erhoben und ist geeint. Seine Botschaft an die Regierung lautet: 'Es reicht'", sagte er. Einige Wähler zeigten sich überrascht über die deutliche Wahlschlappe der Regierungskoalition: "Ich bin schockiert. Es fühlt sich an, als ob Malaysia ein komplett anderes Land wäre. Es ist wie eine Wiedergeburt", sagte ein 27-jähriger Bauingenieur aus Kuala Lumpur.
Bereits 1969 erlitt die Nationale Front bei der Parlamentswahl einen ähnlich heftigen Rückschlag. Damals brachen danach Unruhen zwischen den malaiischen und chinesischen Bevölkerungsgruppen aus. Am Samstag blieb es aber ungewöhnlich ruhig auf den Straßen. Viele ältere Malaysier blieben aus Sorge vor erneuten Zusammenstößen zu Hause.
Rund 60 Prozent der Bevölkerung des Commonwealth-Staates sind muslimische Malaien, ein Drittel sind Chinesen und Inder. Die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen haben in den vergangenen Jahren zugenommen, insbesondere weil sich die Nicht-Malaien auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungswesen benachteiligt fühlen. Zudem sind viele Menschen wegen der steigenden Lebenshaltungskosten unzufrieden. (apa/red)
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