Die Müllkrise in Neapel nimmt kein Ende:
Wieder riesige Müllhaufen im Stadtzentrum
- Hunderte Müllsäcke häufen sich auf der Via Toledo
- Bürger drohen mit Boykott der Parlamentswahlen

Zwei Monate nach Beginn der Müllkrise in Neapel verschlechtert sich die hygienische Lage in der Vesuvstadt wieder. Im Zentrum der süditalienischen Metropole türmen sich erneut Berge von Unrat, die in den letzten Wochen verschwunden waren, stellte die römische Tageszeitung "La Repubblica" fest. Vor den Geschäften auf der zentralen Shoppingmeile Via Toledo häufen sich Hunderte von Müllsäcken.
Die wenigen Deponien, die in den letzten Wochen trotz vehementer Bürgerproteste wieder eröffnet wurden, sind nicht in der Lage, die Tonnen von Unrat zu entsorgen, die sich seit Mitte Dezember auf den Straßen der Region um Neapel türmen. Auch die Züge, die den Müll aus Neapel zur Entsorgung nach Norditalien und Deutschland bringen, reichen nicht mehr aus, um die Notlage zu bewältigen.
Aufgebrachte Bürger drohen nun mit einem Boykott der Mitte April geplanten Parlamentswahlen. "Wir werden nicht wählen, keine Partei verdient unsere Stimmen. Eine der schönsten Regionen der Welt ist zu einer riesigen Müllhalde geworden", sagte ein wütender Rentner. Die spontan entstandene Öko-Bewegung "No Monnezza" (Kein Mist) nimmt am Wahlkampf für die Parlamentswahlen teil und hofft mit Slogans gegen die Müllkrise in Neapel die Stimmen erzürnter Bürger zu gewinnen.
"Wir können die Fenster nicht mehr offen lassen, weil die Käfer aus den Müllsäcken in unsere Wohnungen krabbeln", klagte eine Hausfrau in einem neapolitanischen Vorort.
Neapel und Umland haben seit mehr als einem Jahrzehnt mit massiven Entsorgungsproblemen zu kämpfen. Deponien und Recyclinganlagen sind chronisch überlastet. Auf dem Recyclingmarkt mischt die neapolitanische Mafia, die Camorra, mit. Anfang des Jahres eskalierte die Müllkrise, nachdem sich mehr als 350.000 Tonnen Unrat in den Straßen Neapels und der Umgebung angesammelt hatten.
(apa/red)
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