Dienstag, 4. März 2008

Israelische Panzer erneut im Gazastreifen:
Heftige Gefechte mit Kämpfern der Hamas

  • Baby bei neuer Offensive ums Leben gekommen
  • US-Außenministerin Rice derzeit auf Nahost-Reise

Die neue Nahost-Mission von US-Außenministerin Condoleezza Rice hat einen weiteren Rückschlag erlitten. Israelische Panzer drangen nach Angaben von Zeugen und palästinensischen Sicherheitskräften am Abend erneut in den Gazastreifen ein. Bei dem neuen Vorstoß wurde ein Baby getötet. Zudem seien acht militante Palästinenser bei einem Feuergefecht in einem Dorf östlich von Khan Yunis verletzt worden, teilten palästinensische Sanitäter mit.

Nach Augenzeugenberichten drangen Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen und Unterstützung von Hubschraubern in das Dorf ein und umstellten das Haus eines örtlichen Führers der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad. Es sei zu heftigen Schießereien mit bewaffneten Einwohnern gekommen.

Israel hatte zuvor angekündigt, die Militärangriffe im Gazastreifen so lange fortzusetzen, bis militante Palästinenser ihre Raketenangriffe auf das israelische Grenzgebiet beenden. Bemühungen von US-Außenministerin Condoleezza Rice um eine Eindämmung der Gewalt und Wiederaufnahme der Friedensgespräche waren zunächst nicht erfolgreich. Sie war nach ihrer Ankunft mit dem palästinensischen Präsident Mahmoud Abbas und danach mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert zusammengetroffen.

Abbas lehnt Gespräche ab
Abbas ließ sich zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen nicht überreden und sagte Rice in Ramallah lediglich zu, dass er sich den Verhandlungen weiterhin verpflichtet fühle. Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt mit mehr als 120 getöteten Palästinensern rief Abbas Israel zu einem Waffenstillstand im Gazastreifen und im Westjordanland auf.

Augenzeugen berichteten aus Khan Yunis, nachdem israelische Panzer in der Nähe des Übergangs Kissufim in den Gazastreifen vorgedrungen seien, hätten Hamas-Kämpfer mit Handfeuerwaffen und Mörsergranaten auf die Truppen geschossen. Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, die israelischen Soldaten hätten das Haus eines mutmaßlichen Mitglieds der radikalen Bewegung Islamischer Jihad umstellt. Die israelische Armee gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Internationale Aufrufe ungehört
Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte noch vor dem Eintreffen der US-Außenministerin in Jerusalem angekündigt, die Einsätze der israelischen Armee gegen radikale Palästinenser würden fortgesetzt. Bei den Kämpfen waren seit der vergangenen Woche auf beiden Seiten Zivilisten getötet worden, was zahlreiche internationale Aufrufe zu einem Ende der Gewalt zur Folge hatte.

US-Präsident George W. Bush äußerte sich in Washington trotz der Eskalation der Gewalt optimistisch, dass noch vor dem Ende des Jahres ein Friedensabkommen ausgehandelt werden könne. "Zehn Monate sind eine lange Zeit", sagte der Präsident vor Journalisten im Weißen Haus. (apa/red)

4.3.2008 22:33