Dienstag, 4. März 2008

In Palermo setzt Supermarkt auf Fair-Trade: Nur Produkte ohne Schutzgeld

  • Anti-Mafia-Markt eröffnet in Palermo seine Pforten
  • Produkte nicht mit Schutzgelderpressung belastet

Fair-Trade boomt. Die Welle hat in Italien besondere Früchte getragen. In Palermo eröffnet ein Supermarkt mit Produkten, die nicht mit Schutzgelderpressungen belastet sind. Damit soll der Konsument sicher sein können, dass er nicht die Mafia unterstützt.

In Palermo ist der erste Anti-Mafia-Supermarkt gegründet worden. Verkauft werden ausschließlich Produkte von Kaufleuten, die gegen die Mafia rebelliert haben und sich weigern, der Cosa Nostra Schutzgeld zu zahlen. 241 Kaufleute haben sich dem Komitee "Addio Pizzo" (Schutzgeld Adieu) angeschlossen, das den Supermarkt im Zentrum von Palermo geöffnet hat, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica".

Wollen nicht Mafia unterstützen
"Wer bei uns kauft, soll wissen, dass er keineswegs indirekt die Cosa Nostra unterstützt. Es ist an der Zeit, dass man eine ökonomische Verbraucherbewegung bildet, die nicht mehr die Mafia unterstützen will", sagte der der 29-jährige Kaufmann Fabio Messina, Initiator des Projekts. "Ändere deine Konsumgewohnheiten gegen die Mafia ", lautet der Slogan seines Verbands.

Jüngsten Angaben des italienischen Kaufleuteverbands Confesercenti zufolge zahlt in Palermo fast jeder Händler oder Kaufmann "Schutzgeld" an die Mafia. Der Verband bezieht sich auf das Verzeichnis, das die Anfang November festgenommenen Mafiabosse Salvatore und Sandro Lo Piccolo geführt hätten. Hunderte von Unternehmern, Händlern und Freiberuflichen seien aufgelistet, die monatlich oder jährlich "il pizzo" an die Erpresser von der Cosa Nostra zahlten. Auch bekannte Läden und Bars im Zentrum der sizilianischen Metropole seien darunter.

Jugendliche Arbeitslose haben kürzlich die Agrargenossenschaft "Placido Rizzotto Libera Terra" gegründet und bewirtschaften die Felder um die sizilianischen Gemeinden Altofonte, Camporeale, Corleone, Monreale, Piana degli Albanesi, Roccamena, San Cipirelllo und San Giuseppe Jato. Angebaut wird nicht nur Weizen, sondern auch Wein, Öl, Honig und Melonen - alles kontrolliert ökologisch.

"Dieser Wein, dieses Öl, der Honig, die Melonen und die Pasta - sie sind mehr als nur Lebensmittel. Sie sind ein Zeichen gegen die Macht der Mafia", erklärt Don Luigi Ciotti. Der Vorsitzende der Antimafia-Bewegung "Libera" kämpft bereits seit 1995 gegen jede Art von Mafia-Vereinigung. Die Idee der Bebauung von Ex-Mafia-Feldern hat er zusammen mit dem Präfekten von Palermo ausgearbeitet, Renato Profili. Das Projekt "Liberaterra" (freies Land), das die Konfiszierung und Verteilung aller Mafia-Güter vorsieht, fand schnell Anklang in der sizilianischen Bevölkerung. Vor einigen Jahren wurde die Agrargenossenschaft "Placido Rizzotti Libera Terra" gegründet, der junge Arbeitslose angehören.

(apa/red)

4.3.2008 11:44