Mittwoch, 5. März 2008

"Südamerika-Krise" spitzt sich weiter zu: Tausende Soldaten an Kolumbiens Grenzen

  • Kolumbien erhält Rückendeckung aus Washington
  • Nachfolger für getötetes FARC-Mitglied ernannt

Im Konflikt mit dem Nachbarland Kolumbien hat Venezuela tausende zusätzliche Soldaten an der Grenze aufmarschieren lassen. Von den zehn Panzer-Bataillonen mit einer Sollstärke von insgesamt etwa 8000 Mann, deren Verlegung Präsident Hugo Chavez angeordnet hatte, seien 85 Prozent an ihren Stationierungsorten eingetroffen, teilte die venezolanische Militärführung mit. Die restlichen Truppen würden im Laufe des Tages an der 2500 Kilometer langen gemeinsamen Grenze erwartet, sagte Verteidigungsminister Gustavo Rangel in Caracas.

In Ecuador, das ebenfalls eine Verstärkung seiner Truppen an der Grenze zu Kolumbien angekündigt hatte, gab es keine genauen Angaben über den Umfang des Militäraufmarsches. In unbestätigten Medienberichten war von 3200 Soldaten die Rede. Sowohl Ecuador als auch Venezuela hatten schon zuvor die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen. Die Krise war durch einen kolumbianischen Militärschlag gegen Rebellen in Ecuador ausgelöst worden, bei dem der stellvertretende FARC-Anführer Raúl Reyes getötet worden war.

Kein Konsens bei Krisensitzung
Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) konnte sich unterdessen bei einer Krisensitzung zunächst nicht auf eine gemeinsame Resolution zu dem Streit einigen. Die Konfliktparteien erhoben weiter schwere Vorwürfe gegeneinander. Ecuadors Präsident Rafael Correa bezeichnete den konservativen kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe als Chef einer "Schurken-Regierung". Bei einem Besuch in Brasilien forderte er die OAS auf, die "Unverletzlichkeit des Territoriums" Ecuadors zügig festzustellen. Dies sei der Augenblick, in dem die internationalen Organisationen ihr Funktionieren unter Beweis stellen müssten, sagte er nach einem Treffen mit Brasiliens Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva.

Rückendeckung aus USA
Kolumbien wurde in der OAS-Sitzung in Washington vor allem vom Vertreter der USA unterstützt. Zuvor hatte sich schon US-Präsident George W. Bush demonstrativ hinter Uribe gestellt und dessen "Führungsqualitäten" im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gelobt. Kolumbien könne auf Hilfe der USA gegen die "provokativen Manöver" Venezuelas rechnen.

Die kolumbianische Luftwaffe hatte am 1. März ein Rebellen-Lager in Ecuador mit Streubomben angegriffen. Dabei waren nach ecuadorianischen Angaben neben Reyes, der Nummer Zwei der marxistischen Rebellengruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC), auch 21 weitere Rebellen getötet worden. Nach der Bombardierung waren kolumbianische Bodentruppen nach Ecuador eingedrungen, um Reyes' Leiche nach Kolumbien zu bringen.

Neue Nummer 2 bei FARC-Rebellen
Zum Nachfolger von Reyes beriefen die Rebellen nach Medienberichten den 60-jährigen FARC-Kommandanten Milton de Jesus Toncel alias Joaquin Gomez. Er sei Anführer der schlagkräftigen Kampfgruppe Süd der Rebellen, hieß es. Die 1964 gegründete FARC ist die älteste und mit etwa noch 10.000 Männern und Frauen unter Waffen auch die stärkste Rebellen-Gruppe Kolumbiens.

(apa/red)

5.3.2008 19:05