Sonntag, 9. März 2008

Protest gegen Bund schwaches Wahlmotiv: Wähler fühlen ihre Interessen gut vertreten

  • SPÖ-Verluste aber nicht nur landespolitisch erklärbar
  • Entscheidung bei Wähler standen schon länger fest

In einer Studie wurde von Peter Hajek die Motive der Wähler in Niederösterreich untersucht. Das überraschende Ergebnis: Der Protest gegen die Bundespolitik war nicht der ausschlagebende Grund. Am wichtigsten war für die Wähler, dass die jeweiligen Parteien ihre Interessen vertreten würden.

Auf den ersten Blick keine allzu große Bedeutung hat die Bundespolitik bei der NÖ-Landtagswahl. Denn in einer Wahlmotive-Umfrage des Meinungsforschers Peter Hajek für den ORF ist "Protest gegen die Bundesregierung" mit 19 Prozent der am seltensten genannte Entscheidungsgrund. Dennoch könne vor allem die SPÖ ihr schlechtes Ergebnis nicht nur mit der Landespolitik erklären, meinte Hajek gegenüber der APA. Immerhin 27 Prozent der Niederösterreicher waren der Meinung, dass die Streitigkeiten in der Bundesregierung eine "große Rolle" für die Wahlentscheidung spielten.

Protest bei SPÖ
Bei der SPÖ haben überdurchschnittlich viele Wähler - 22 Prozent - die Bundespolitik als Wahlmotiv genannt. Bei der ÖVP sind es 16 Prozent, bei den Oppositionsparteien naturgemäß etwas mehr (FPÖ 30, Grüne 28). Außerdem waren 26 Prozent - von der ÖVP nur 15 Prozent (FPÖ 49, Grüne 40) - der roten Wähler der Meinung, dass die Streitigkeiten in der Bundesregierung eine "große Rolle" bei der NÖ-Wahl spielten.

Und Hajek verweist auch darauf, dass SPÖ-Spitzenkandidatin Heidemaria Onodi "keine so schlechten Werte" hat. Sie wurde von 51 Prozent der SPÖ-Wähler als Motiv genannt. Man könne also die Spitzenkandidatin und ihre Politik in den vergangenen fünf Jahre nicht allein die Schuld am Wahlausgang geben, meinte der Meinungsforscher. Die Grünen nannten nur zu 32 Prozent ihre Spitzenkandidatin Madeleine Petrovic; bei ÖVP (85 Prozent) und FPÖ (63) war sie wichtiger.

Unterscheidung Landes- und Bundesebene
Dass insgesamt der "Protest gegen die Bundespolitik" vergleichsweise wenig genannt wurde - alle anderen Motive kommen auf 40 Prozent (Wahlwerbung) bis 78 Prozent (Partei vertritt meine Interessen) - liegt laut Hajek auch daran, dass die Österreicher bei den Wahlen sehr stark zwischen Bund, Land und Gemeinde unterscheiden.

Interessant war an der NÖ-Wahl auch, das sich die meisten Wähler schon seit längerem entschieden hatten, wem sie heute ihre Stimme geben werden. Die Zahl der Spätentschlossenen - sieben Prozent in der letzten Woche, neun Prozent in den letzten zwei, drei Wochen - war gering wie selten bei einer Wahl, erklärte Hajek gegenüber der APA.

Vor allem für die Wähler der Bundeskoalitionspartner war seit längerem klar, wen sie wählen werden. Nur 13 Prozent der roten Wähler und neun Prozent der schwarzen Wähler kamen in den letzten Tagen zu ihrem Entschluss. Relativ viele Spätentschlossene gab es bei der FPÖ (51 Prozent), was aber laut Hajek "nicht untypisch" für freiheitliche Wähler ist. Etwas überraschender sei schon, dass auch 33 Prozent der Grün-Anhänger die "letzten Tage" als Entscheidungszeitpunkt nennen.

Wahlmotive
Die Wahlmotive wurden in der Umfrage detailliert abgefragt. Für die ÖVP-Wähler war die Person des Spitzenkandidaten Erwin Pröll mit 85 Prozent nicht ganz das wichtigste Motiv; etwas mehr zählten noch "Partei vertritt meine Interessen" und "gute Entwicklung in NÖ" mit jeweils 89 Prozent. Die SPÖ-Wähler nannten vor allem "Stammwähler" (77 Prozent) und "Partei vertritt meine Interessen" (76 Prozent) - was zeige, dass es ihr mit ihrer Kampagne nicht recht gelang, Wechselwähler zu gewinnen, betonte Hajek.

Die "Interessen" (71 Prozent) und der recht hohe Wert von 63 Prozent für die Spitzenkandidatin Barbara Rosenkranz sowie die "Kontrolle von Missständen" waren die wichtigsten Motive für die Blau-Wähler. Und die Grünen wurden vorwiegend wegen der Vertretung der Interessen (79 Prozent) und der "Kontrolle von Missständen" (78) gewählt; an dritter Stelle steht bei ihnen - obwohl sie der Landesregierung nicht angehörten - die "gute Entwicklung in NÖ" (38 Prozent).

(apa/red)

9.3.2008 18:59