Das psychologische Gutachten für den Kannibalen-Mord: "Hirn schmeckt leider fad"
- NEWS: Das Gutachten des Psychologen im Wortlaut

Er schlief ruhig, er aß mit gutem Appetit, er rauchte genüsslich seine Zigaretten, er bastelte Flieger aus Papier, er nahm bereitwillig an den ihm verordneten Therapiestunden teil. In der Justizanstalt Göllersdorf, wo Robert Ackermann nach seiner Festnahme untergebracht war, galt der nunmehr 20-Jährige als "braver Häftling". Seine Aggressionsausbrüche, der Drang, laut zu schreien und um sich zu schlagen, wurden durch eine medikamentöse Behandlung unter Kontrolle gebracht.
Trotzdem: Noch immer fehlt ihm jegliche Krankheitseinsicht, noch immer sind seine Gedanken sprunghaft und die Worte, die er spricht, häufig dermaßen willkürlich aneinandergesetzt, dass nur er ihren Zusammenhang wirklich verstehen kann.
Eine 'Wahnsinnstat'
Fantasie und Realität bleiben bei ihm eben total verschwommen. Weswegen er bis dato auch nicht begreifen kann, was an seiner "Wahnsinnstat" - im August 2007 soll er in einer Wiener Notschlafstelle Josef Schweiger, 49, erschlagen, ausgeweidet und sogar Teile der Leiche verspeist haben - "so spektakulär" gewesen ist. "Der Tod meines Mitbewohners ist ja bloß ein Unfall gewesen", behauptet der junge Mann standhaft, "wir stritten und rauften miteinander, plötzlich übergab er sich, und ich bin aus dem Zimmer gegangen. Und als ich dann viel später merkte, dass der Josef tot ist, wollte ich halt wissen, wie er von innen ausschaut
"
Bis zuletzt blieb die Frage, ob Ackermann von der Leiche - Zunge und Gehirn waren von ihm auf einem Teller angerichtet worden - gegessen hat, ungeklärt. In Verhören und in Gesprächen mit Psychiater Heinz Pfolz, der vor wenigen Wochen in einem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen war, der Tatverdächtige sei "hochgradig abnorm", hatte der 20-Jährige dies geleugnet: "Ich hab bloß an ein paar Organstücken gelutscht."
Dem Psychologen Joachim Maly gestand der Bursch jetzt allerdings, "von dem Gehirn, das leider fad, eben nach gar nichts schmeckte, gekostet" zu haben. In Malys 224 Seiten umfassender Expertise finden sich aber noch mehr neue, interessante Details zu dem Verbrechen - und dem Geisteszustand des jungen Mannes.
Rätselhafte Bilder
So zeichnet dieser in der Haft rätselhafte Bilder: Pyramiden mit Kreisen; daneben Buchstabenfolgen wie etwa TUCDLG; und er schreibt auch kleine Tatgeständnisse: "Ich habe mich mit ihm tagelang geschlagen." Doch: Das "Ich" wird von Ackermann schlussendlich jedes Mal durchgestrichen und durch "Er" ersetzt. "ER hat ihn umgebracht", so die Nachricht des 20-Jährigen.
Ist Robert Ackermann eine "gespaltene Persönlichkeit", fühlt sich ein Teil von ihm nicht für die Tat verantwortlich? Was stellen die Skizzen dar?
"Die Kreise sind Augen", erklärt der junge Mann, "ich male sie gerne, weil sie zeigen, dass man das Leben gesehen hat", und deshalb habe er sie dem Leichnam auch rasch "herausreißen" müssen. Weiters sagt er: "Ich war wütend, als ich begriff, dass der Josef nicht mehr lebte. Und schlug ihn mit seinen eigenen Waffen." Mit einer Schere, mit einem Messer aus dem Besitz des Opfers: "Damit hab ich den Körper aufgeschnitten und zerteilt." "Bei dem Untersuchten", resümiert Psychologe Maly, "liegt eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung mit hohen Anteilen einer zwanghaften, schizoiden, histrionischen, narzisstischen, emotional-instabilen und antisozialen Störung vor."
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