"Ein Kind ist kein Schadensfall": Schönborn kritisiert jüngstes OGH-Urteil aufs Schärfste
- Kardinal betont: "Die Entscheidung ist folgenschwer"
- Forderung von Verbot an embryonalen Stammzellen

Kardinal Schönborn hat ein Urteil des Obersten Gerichtshofes auf ungewöhnlich scharfe Weise kritisiert. Die Justiz hatte einem Kärntner Elternpaar für eine falsch interpretierte Pränataldiagnose den gesamten Unterhalt für ihr behindert geborenes Kind zugesprochen. "Österreich ist leider nicht vorbildhaft in seinen Entscheidungen des OGH", so Schönborn. Ein Kind sei nämlich kein "Schadensfall".
"Es ist nicht leicht, den OGH zu kritisieren", schickte Schönborn voraus. Der Wiener Erzbischof zog auch einen gewagten zeitgeschichtlichen Vergleich: "Ich denke, es ist schon nachdenkenswert, dass gerade im März 2008 - 70 Jahre nach 1938 - dieses Thema wieder auf der Tagesordnung steht." Damit bezog sich Schönborn auf den "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland und damit den Einzug der Nazi-Diktatur.
In einer gemeinsamen Erklärung meinte die Bischofskonferenz: "Die Entscheidung ist folgenschwer. Denn Ärzte könnten in Zukunft noch mehr darauf drängen, dass beim geringsten Anzeichen der Möglichkeit einer Behinderung des ungeborenen Kindes eine Abtreibung erfolgt, um 'Schadensersatzzahlungen' vorzubeugen." Dadurch würden "Angstdiagnosen gefördert und die Eltern Verunsicherungen ausgesetzt. Schönborn wünscht sich weiter "Verbesserungen des Lebensschutzes" auf gesetzlicher Ebene. Schon seit geraumer Zeit gebe es Vorschläge in den Schubladen der Parlamentarier. "Es fehlt offensichtlich der politische Mut dazu."
Auch in zwei weiteren Punkten macht die Bischofskonferenz politisch ungewöhnlich viel Druck. Im Bereich der Stammzellenforschung fordern die österreichischen Bischöfe ein absolutes gesetzliches Verbot jeglicher "verbrauchenden Forschung" mit menschlichen Embryonen. Im Bereich des Klimaschutzes fordern die Bischöfe die Regierung auf, die Vorgaben einzuhalten.
(apa/red)
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