Vom Sisi-Helden zum gefeierten Wohltäter: Karlheinz Böhm feiert seinen 80. Geburtstag!
- Wetten dass...? wurde Initialzündung für Wohltätigkeit
- Gebürtiger Deutscher mit Zwischenstopp in Hollywood

Als Schauspieler erreichte Karlheinz Böhm Mitte der 50er Jahre in der Rolle des jungen Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider den Höhepunkt seiner Popularität. Und ausgerechnet eine Fernsehsendung wurde 25 Jahre später zum Wendepunkt in seinem Leben: Nach einem als Wette verpackten Spendenaufruf in der Sendung "Wetten dass...?" wurde er 1981 zum Entwicklungshelfer und widmet sich seither in Äthiopien der von ihm gegründeten humanitären Hilfsaktion "Menschen für Menschen". Heute feiert Böhm seinen 80. Geburtstag.
Der Weg des Karlheinz Böhm, Sohn des Dirigenten Karl Böhm, ist nicht nur aufgrund seines Lebensalters ein langer: Nach großen Erfolgen in Film und Fernsehen sowie auf zahlreichen Bühnen wie Burgtheater und Theater in der Josefstadt landete der Publikumsliebling, der sich nie Sorgen über seine materielle Existenz machen musste, in der Sahelzone. Wie er selbst sagt, habe er durch die vielen geografischen Stationen seines Lebens und drei gescheiterte Ehen nie zu sich gefunden. Eine Heimat fand er erst in Äthiopien mit seiner vierten Frau Almaz.
Wetten dass...? als Sprungbrett
Am 16. Mai 1981 hatte er im Fernsehen gewettet, dass nicht jeder dritte Zuschauer rund 50 Euro-Cent für Menschen in dieser Region spendet. Mit rund 715.000 Euro flog er nach diesem Auftritt das erste Mal nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 in München die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" (MfM). Die Bilanz Böhms in dem ostafrikanischen Land kann sich sehen lassen. Bisher wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 320 Millionen Euro gespendet, rund drei Millionen Menschen profitierten von den Hilfsprojekten.
Im Rahmen von MfM wurden unter anderem drei Krankenhäuser, vier Polikliniken und mehr als 70 kleinere Krankenstationen und -posten errichtet, 35.523 Augenoperationen vorgenommen, 190 Schulen sowie sechs Berufsbildungs- und Trainingszentren errichtet, dazu mehrere Kindergärten und Jugendheime. Mit den Mitteln wurden außerdem 1.211 Wasserstellen errichtet bzw. Quellfassungen gebaut sowie 44 Bewässerungsanlagen installiert und 65 Wasserreservoirs angelegt.
Darüber hinaus wurden 2.151 km Kilometer Straßen und Wege gebaut. Weitere Aktivitäten beinhalten eine Anti-Beschneidungskampagne, Aidsaufklärung oder eine Kampagne gegen die Frühheirat von Mädchen. 10.175 Kleinkreditnehmerinnen konnten sich durch die Möglichkeit von Krediten eigene Existenzen aufbauen, Weiterbildungsmaßnahmen wurden für 26.785 Teilnehmerinnen ermöglicht. Stolz ist man weiters auf die Produktion und Verteilung von 86 Millionen Baumsetzlingen zur Aufforstung Landwirtschaftstrainings.
Gebürtiger Deutscher
Karlheinz Böhm wurde am 16. März 1928 in Darmstadt als Sohn des Dirigenten Karl Böhm und der Sopranistin Thea Linhard geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Hamburg und Dresden, von wo aus er über Kufstein, Graz und Rom 1948 schließlich nach Wien kam. Hier arbeitete Böhm zunächst als Regie-Assistent bei Karl Hartl und besuchte die Schauspielschule des Burgtheaters.
Auf sein erstes Engagement an der Burg folgten Auftritte am Theater in der Josefstadt sowie Bühnengastspiele in München, Frankfurt, Berlin und Zürich. Zeitgleich begann in den 50er Jahren auch Böhms Filmkarriere als Star von unzähligen, meist kommerziellen Unterhaltungsproduktionen. In Erinnerung blieb der Schauspieler vor allem mit seiner Darstellung des jungen Kaiser Franz Joseph in Ernst Marischkas "Sissi"-Trilogie (1955-1957).
Zwischenstopp in Hollywood
Um diesem Image zu entkommen, drehte Böhm in der Folge mehrere Filme im Ausland. Anfang der 60er Jahre ging er für vier Jahre nach Hollywood, wo er unter der Regie des Engländers Michael Powell den Psychothriller "Peeping Tom" ("Augen der Angst") drehte. Der Film, von der damaligen Kritik verrissen, wurde Ende der 70er Jahre wiederentdeckt und gilt heute als Meisterwerk.
Nach seiner Rückkehr aus den USA 1963 gelangen Böhm erfolgreiche Comebacks auf Bühne und vor der Kamera. Trotzdem beendete er nach den unter Rainer Werner Fassbinders Regie entstandenen Filmen "Martha" (1973), "Faustrecht der Freiheit" (1974) und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975) seine Film-Laufbahn und trat nur noch im Fernsehen und im Theater auf. Für MfM gab er 1983 seine Schauspielkarriere gänzlich auf.
Unter dem Titel "Mein Weg - Erinnerungen" erschien 1992 Böhms Autobiografie. Seine Äthiopienprojekte beschrieb der Schauspieler und Entwicklungshelfer 1996 in dem Buch "Mehr als ein Tropfen". Soeben ist die bebilderte Autobiografie "Mein Leben - Suchen Werden Finden" erschienen.
Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik
Für seinen nunmehr über 26-jährigen Einsatz in der Hilfe zur Selbsthilfe wurde Böhm 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. 1986 wurde er mit dem Humanistischen Preis der deutschen Freimaurer ausgezeichnet, als "Botschafter Österreichs in humanitären Angelegenheiten" erhielt er 1996 den Dr. Karl Renner Preis.
Weitere Auszeichnungen Böhms war u. a. die Ernennung zum "Auslandsösterreicher des Jahres 1997", 2003 wurde er zum Ehrenbürger Äthiopiens ernannt und erhielt den "Hans-Rosenthal-Ehrenpreis", die deutsch-niederländische "Martin-Buber-Plakette" sowie 2007 den "Balzan Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern". 2008 bekam er die "Berlinale-Kamera" sowie den Hundertwasser-Preis. (APA/red)
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