Dienstag, 4. März 2008

"Erster Beweis für Alibi": Rechnung soll Verdächtigen im Fall Hirtzberger entlasten

  • DNA-Übereinstimmung reicht aber für rasche Anklage
  • Hirnschwellung bei "Praline"-Opfer bildete sich zurück

Kurt Wolfmair, ein Anwalt des im Fall Hirtzberger hauptverdächtigen Helmut O., sieht das Alibi seines Mandanten durch eine Rechnung bestätigt. Demnach habe der knapp 56-Jährige am 8. Februar, zu jener Zeit als der Pkw des Opfers vor dem Spitzer Gemeindeamt geparkt war, um 17.53 Uhr ein Seidennachthemd in Krems gekauft, teilte der Linzer Jurist mit.

"Der Verteidigung" liege "nunmehr ein erster schriftlicher Beweis für das von Helmut O. behauptete Alibi vor", so der Anwalt. Es würden sowohl der Kassenzettel, als auch auch die Geldrückgabebestätigung vorhanden sein. Der Hauptverdächtige habe das Seidennachthemd am 13. Februar zurückgegeben, jedoch unter einem anderen Namen. Dies sei laut Wolfmair deshalb erfolgt, da er nicht als "Helmut O." auftreten habe wollen. Dies wäre ihm peinlich gewesen, schilderte der Linzer Jurist die Angaben des Beschuldigten.

Kein vorliegendes DNA-Gutachten
Die Geldrückgabebestätigung trage die eindeutige Handschrift des Beschuldigten, so der Anwalt. Wolfmair bemängelte zudem, dass nach wie vor kein ausgefertigtes und überprüfbares DNA-Gutachten vorliege.

Hirtzberger hatte laut Polizei von 17.00 bis 19.00 Uhr am 8. Februar vor dem Gemeindeamt in Spitz an der Donau seinen Pkw abgestellt. Als der 55-Jährige wieder zu seinem Auto kam, fand er an der Windschutzscheibe seines Wagens ein Kuvert samt Grußkarte vor. Beigelegt war diesem auch die mit Strychnin versetzte Praline.

Anklage schon bald möglich
Von dieser aß der 55-Jährige einen Tag später. Der Bürgermeister von Spitz an der Donau befindet sich seit diesem Tag im Krankenhaus Krems, sein Zustand sei nach wie vor ernst. Hauptverdächtig in dem Fall gilt O., für den die Unschuldsvermutung gilt. Laut den Ermittlern hätte der DNA-Abgleich von den auf der Grußkarte gefundenen Spuren und jenen des Beschuldigten eindeutig übereingestimmt. Der knapp 56-Jährige befindet sich seit vergangenem Mittwoch in Untersuchungshaft.

Unabhängig von einem möglichen Alibi könnte bereits in zwei bis drei Wochen Anklage wegen versuchten Mordes erhoben werden. Die DNA-Übereinstimmung als Beweislast würde für eine Anklage reichen, sagte Staatsanwalt Friedrich Kutschera laut ORF NÖ.

Hirtzberger Zustand verbessert
Eine "grundsätzlich positive Nachricht" hat es im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand von Hannes Hirtzberger gegeben. Die Hirnschwellung bei dem 55-Jährigen habe sich zurück gebildet, berichtete der ärztliche Direktor des Krankenhauses Krems, Gerhard Kronik.

Nun werden die Medikamente langsam reduziert, schilderte Kronik den Beginn der Aufwachphase aus dem künstlichen Tiefschlaf. Es gelte dabei zu beobachten, wie Hirtzberger darauf reagiere. Dies sei ein fortlaufender Prozess.

Der ärztliche Direktor des Krankenhauses Krems wies jedoch darauf hin, dass der Zustand des Opfers weiter "ernst" sei. Eine Prognose die gesundheitlichen Folgen der Vergiftung betreffend sei vorerst nicht möglich. (APA/red)

4.3.2008 18:06