Donnerstag, 28. Februar 2008

Operationstechnik ohne äußere Narben:
Eingriffe über natürliche Körperöffnungen

  • Umstrittene "Notes"-Technik bald auch in Österreich?
  • Mögliche Komplikationen noch nicht völlig erforscht

Eine Operationstechnik, bei der der Patient keine äußeren Narben davonträgt, könnte vielleicht schon heuer zum ersten Mal in Österreich erprobt werden. Etwa 100 Menschen seien mit dieser Methode bereits weltweit operiert worden, gab der Chirurgie-Primar im Linzer Krankenhaus der Elisabethinen, Reinhold Függer, bei einer Pressekonferenz bekannt. 250 Chirurgen aus Deutschland, der Schweiz, Amerika und Österreich werden bei einem Kongress über die umstrittenen Operationsmethode "Notes" (natural orifice transluminal endoscopic surgery) diskutieren.

Bei der Notes-Technik nutzen die Chirurgen für ihren Eingriff die natürlichen Körperöffnungen, erklärte Függer. So könne Patientinnen die Gallenblase durch die Scheide entfernt werden, Blinddarmoperationen würden durch den Mund erfolgen. Bei dieser Methode werde der Stressfaktor für den Patienten deutlich gesenkt. "Das verspricht eine noch kürzeren Aufenthaltsdauer im Krankenhaus, weniger Schmerzen und eine völlige Unversehrtheit der äußeren Körperhülle", so Függer. Erste Erfolge auf diesem Gebiet seien bereits in Hamburg verzeichnet worden. Dort seien bereits 26 Patientinnen ohne Komplikationen die Gallenblase über die Scheide entfernt worden.

Dicke als wichtige Zielgruppe
Geeignet sei diese Operationsform auch für die Entfernung von Milz, Eileiter und Eierstöcken, dem legen von künstlichen Magen- und Darmausgängen, bei Leberbiopsien sowie Sterilisationen, erklärte Függer. Krankhaft übergewichtige Menschen würden ebenfalls eine wichtige Zielgruppe darstellen. Der Zugang über den Mund für einen Magen-Darm-Bypass zur Gewichtsreduktion sei bei diesen Patienten eine "realistische Alternative", weil sich dadurch die Operation deutlich vereinfache.

Mögliche Komplikationen
Bei der ganzen Euphorie dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass es bei der neuen Technik auch zu Komplikationen wie inneren Blutungen und undichten Magenwandverschlüssen kommen könne, betonte Függer. "Diskutiert werden muss auch, wie Mediziner mit der Tatsache umgehen, bei dieser Methode zwar das äußere Gewebe zu schonen, dafür aber gesunde Organe zu beeinträchtigen", fügte er hinzu. Zudem sei das Infektionsrisiko wie etwa bei einer Blinddarmentfernung noch völlig unklar.

Tests an toten Tieren
Im Krankenhaus der Elisabethinen würden derzeit die Chirurgen den Eingriff vorerst an toten Tieren erproben, berichtete Függer. Zudem fehle es noch an geeigneten Instrumenten, die sich noch in der Entwicklung befänden. Bei einer ausgereiften Technik und gut geschultem Personal sehe er jedoch keinen Grund, die Notes-Technik nicht anzubieten, so Függer. In zwei bis drei Jahren könnte die Methode dann bereits an ausgewählten Patienten durchgeführt werden.

(apa/red)

28.2.2008 14:52