Montag, 25. Februar 2008

Neue Perspektiven via Online-Kartendienst:
Über die Modelle und Chancen der Services

  • Werbemöglichkeiten sollen Google Earth & Co. fluten
  • FORMAT: Was Geo-Surfen für Österreich bedeutet

Seit dem Start von Google Earth ist Geografie wieder spannend geworden. Der Nutzer kann über das Internet GletscherRundflüge machen oder Strandkörbe am Nordseestrand zählen. Der Suchmaschinen-Monopolist hat mit seinen einfach zu bedienenden Landkarten das Geo-Surfen populär gemacht und Informationen, die vorher einem abgezirkelten Kreis zur Verfügung standen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Den virtuellen Boden bereitet Google aber nicht uneigennützig auf. Was wir heute sehen, sind die Anfänge einer Technologie, die nicht nur Branchen wie Tourismus oder Immobilienwirtschaft verändern wird, sondern mittelfristig zu einem eigenen Geschäft werden soll. Wenn Web-Informationen wie Filme, Bilder, Blogs mit standortbezogenen Daten verbunden werden, kommt das Geo-Marketing in die Gänge.

Enorme Datenmengen werden dafür täglich von Kameras erfasst und ausgewertet. Die ersten Ergebnisse sind Windows Live Maps, Google Earth und das Angebot der heimischen Herold. Die Daten werden zu einer virtuellen Landkarte zusammengefasst und um weitere Markierungen - sogenannte Geo-Tags - erweitert. So ist es möglich, eine bestimmte Adresse, eine Sehenswürdigkeit oder auch eine Filiale in die Angebote zu integrieren und damit auch neue Werbemöglichkeiten zu schaffen. Auch Privatanwender können bei diesen Web-basierten Ansätzen ihre persönlichen Profile in den Landkarten integrieren und so ihre Lieblingsurlaubsplätze oder Geschäfte markieren und mit anderen Nutzern teilen. Die Community "taggt".

Die großen drei Anbieter am heimischen Markt verfolgen derzeit noch unterschiedliche Pläne. Während sich Microsoft und Google sehr auf die USA konzentrieren, ist Herold ausschließlich an Österreich interessiert und verfügt dementsprechend auch über die aktuellsten und qualitativ hochwertigsten Karten des Landes. "Wir haben erst in den letzten Tagen unser Angebot ausgebaut", sagt Produktmanagerin Barbara Schrottner. Das Bildmaterial, das im Oktober 2007 gesammelt wurde, steht nun in aufbereiteter Form zur Verfügung. Neben den Landeshauptstädten sind nun auch kleinere Ballungszentren - Wiener Neustadt, Wels, Villach, Kitzbühel, Steyr, Hartberg, Linz-Umgebung, Leoben und Kufstein - online.

Herold macht das Online-Telefonbuch praktisch zum Österreich-Atlas mit Blick auf die Dachterrassen und Vorgärten. Dank sogenannter Hybridkarten - Luftaufnahme und Straßenkarte überblendet - sind Routenberechnungen möglich. Im Hybrid-modus sieht sich die Herold derzeit als klarer Marktführer. "Im Gegensatz zu anderen Anbietern verlaufen bei uns die Straßen dort, wo sie sein sollen, und gehen nicht quer durch Gebäude", so Schrottner. Auch werde nur dann mit den Kameras geflogen, wenn das Wetter optimal sei und somit keine Wolkenbänke die Sicht auf die Erde verdeckten. Als Zusatzfeature wird Firmen derzeit die Möglichkeit geboten, sich und ihre Angebote in 360-Grad-Aufnahmen zu präsentieren.

Rechtzeitig zur Fußball-EM will Herold für Touristen auch einen neuen Reise- und Städteführer mit dem Titel "Welcome to Austria" starten.

Auch bei Microsoft steht Österreich im Mittelpunkt, allerdings nicht bei der Qualität der Luftbilder, sondern bei der Erstellung derselben. Durch die Übernahme der Grazer Firma Vexcel, die nunmehr im Bereich Microsoft Photogrammetry aufgegangen ist, kann der US-Konzern nicht nur auf das Know-how einer 139-Megapixel-Kamera, sondern auch auf automatische Bildverarbeitungswerkzeuge zurückgreifen. Diese sind nahezu ebenso wichtig wie die Luftbildkamera selbst, da nur eine automatisierte Verarbeitung die enormen Bilddaten - 400 Megabyte pro Aufnahme - bewältigen kann. Die Besonderheit in diesem Angebot ist die Erstellung von dreidimensionalen Aufnahmen aus den 2-D-Fotografien. "Die Anwender sollen die Welt so real wie möglich erleben, wie man es aus einem 3-D-Spiel kennt", so Michael Gruber von Microsoft Photogrammetry. "Es geht uns um eine seriöse Datenpräsentation und nicht darum, dass Experten für Experten kartografieren. Anwender und Unternehmen sollen einen Nutzen haben."

Chancen ortet der Microsoft-Experte im Tourismus. Die Präsentation von Urlaubsorten, Hotels oder Sehenswürdigkeiten in einer virtuellen Welt soll ermöglicht werden. "Der Mensch soll mit dem Computer intuitiv umgehen und die Dinge erleben, so wie er sie zu sehen gewohnt ist", meint Gruber. Bei Virtual Earth gibt es daher als "Spezialität" die sogenannte Bird's Eye View. Dabei werden die 3-D-Landschaften aus der Vogelperspektive überflogen. Diese Ansicht ermöglicht spektakuläre Aufnahmen. In den kommenden fünf Jahren will Microsoft rund 5.000 Städte auf diese Weise zugänglich machen und für Firmen eine neue Präsentationsplattform schaffen. Teile Österreichs werden so bald zu virtuellen Rundflügen einladen: Auch hier scheint ein Starttermin rund um die Fußball-EM realistisch.

Den kompletten Beitrag können Sie im FORMAT 08/08 nachlesen!

25.2.2008 10:37