Ein froher Spar mit prächtigen Zahlen: Die Salzburger Handelskette legte 2007 zu
- FORMAT: Spar will mit Zielpunkt Geld scheffeln
- Kritik an möglicher Übernahme von Adeg durch Rewe
Die Salzburger Handelskette Spar legt prächtige Zahlen vor. Die Hoffnung, durch den Kauf von Zielpunkt noch mehr Geld zu scheffeln, lebt nach wie vor.
Arbeit, Arbeit, Arbeit - mehr soll es im Leben von Gerhard Drexel nicht geben. "Ganz so ist es nun auch wieder nicht", stellt der Manager richtig. Er habe ja auch Familie, gehe gerne in die Berge und fahre hin und wieder auch einmal Rad. "Ich bin also kein Workaholic", befindet der Chef der Handelskette Spar.
Erfreuliche Zuwächse
Doch würde Drexel nur die übliche Vierzigstundenwoche absitzen, wäre die jüngste Bilanz des Salzburger Unternehmens wohl bei weitem nicht so gut ausgefallen: 9,89 Milliarden Euro setzte Spar 2007 mit Lebensmitteln, Sportartikeln und Shoppingcentern um. Das bedeutet ein Plus von 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 8,23 Milliarden Euro - gut 80 Prozent - entfallen auf den Lebensmittelhandel, der Rest verteilt sich auf die SES Spar European Shopping Centers und auf den ebenfalls zur Gruppe gehörenden Sportartikelhändler Hervis.
Angesichts der positiven Geschäftsentwicklung der letzten Jahre ist die Kriegskassa des Unternehmens gut gefüllt - was Drexel in dieser Form freilich nicht bestätigen will. Geht es etwa um den Kauf des Diskonters Zielpunkt/Plus, gibt er sich wortkarg und meint nur, dass zurzeit keine Gespräche geführt würden. Insidern zufolge ist Spar nach wie vor an der Handelskette interessiert. Die Übernahme war bisher an den hohen Preisvorstellungen des deutschen Mutterkonzerns Tengelmann gescheitert. Laut FORMAT-Informationen soll Drexel wiederholt versucht haben, den Deal unter Dach und Fach zu bringen. Allein, die Spar-Eigentümerfamilien waren nicht bereit, den kolportierten Kaufpreis von mindestens sechzig Millionen Euro zu bezahlen.
Verhandlungen auf Eis
Tatsächlich liegen die Verhandlungen zwischen Tengelmann und Spar zurzeit auf Eis. Die Deutschen prüfen nun das Kaufoffert des Fleischhändlers Karl Schirnhofer. Scheidet der Steirer als Käufer aus, könnte Zielpunkt doch noch vergleichsweise günstig an die Salzburger gehen, zumal es sonst keine weiteren Interessenten gibt.
Geht es um die Übernahme von Adeg durch Rewe - die Deutschen wollen 75 Prozent an der Kette kaufen -, ist Drexel naturgemäß auskunftsfreudiger: "Das wäre das Ende für den freien Wettbewerb. Sobald Rewe die Übernahme bei der europäischen Wettbewerbsbehörde anmeldet, werden wir unsere Bedenken schriftlich deponieren." Tatsächlich könnte der streitbare Manager den Deal noch durchkreuzen. Schon 1999 war es ihm gelungen, die Übernahme von Meinl durch Rewe zu verhindern.
Doch auch Drexel muss derzeit heftige Kritik einstecken - ebenso wie Hofer-Chef Armin Burger und Rewe-Boss Frank Hensel. Der Grund: die jüngste Herabsetzung der Milchpreise. Wie Wilfried Oschischnig von der Bio Austria vorrechnet, würden sich die Österreicher bei einer Preissenkung von vier Cent je Liter jährlich nur 3,20 Euro sparen. "Die Biomilchbetriebe müssten hingegen mit jährlichen Verlusten von durchschnittlich 2.074 Euro rechnen, bei konventionellen Landwirten sind es 2.270 Euro." Drexel kontert: "Wenn die Rohstoffe wieder günstiger werden, müssen auch die Konsumenten etwas davon haben." Ob Drexel generell für die von Minister Erwin Buchinger vorgeschlagene Preispolizei sei, die die rasante Teuerung bei Lebensmitteln unter die Lupe nimmt? "Sobald das Konzept da ist, werden wir es uns ansehen."
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