Samstag, 1. März 2008

Österreich als neues Steuer-Paradies: Nach Finanz-Skandal in Liechtenstein gute Option

  • NEWS: Unser Land als Fluchtziel für alle Reichen
  • Deutsche und Russen entdecken hier Privatstiftungen

Verschwiegene Anwaltsbüros, millionenschwere Transaktionen und diskrete Firmengeflechte. In Österreich boomt das Geschäft mit Privatstiftungen. Kunden sind reiche Industrielle und Privatiers aus ganz Europa und schätzen Steuervorteil und Sicherheit. Christoph Kraus, Stiftungsexperte und Kathrein-Bank-Chef: "Steuerhinterziehung wie in Liechtenstein ist hier nicht möglich. Alle Vermögenswerte und Ausschüttungen müssen der Finanz gemeldet werden."

Das schmälert aber nicht die Attraktivität des Standorts Österreich, wie prominente Beispiele beweisen. Milliarden-Erbinnen wie Ingrid Flick und Heidi Horten waren Vorreiter. Sie verbinden finanzielle Annehmlichkeiten mit dem Dolce Vita an heimischen Promi-Seen. Christoph Mager, Stiftungsexperte der Anwaltskanzlei DLA: "Wir registrieren verstärkt Anfragen aus Deutschland. Es wird eine enorme Stifterwelle geben." Seit kurzem haben auch Russen Österreich als sicheren Hafen entdeckt. Elena Baturina, reichste Russin und Frau des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, hat über die österreichische Saphros Privatstiftung den Golfplatz Kitzbühel-Eichenheim in Besitz. Insgesamt liegen in den über 3.200 heimischen Privatstiftungen 60 Milliarden Euro. Wovon auch der Finanzminister profitiert: bei Einbringung in eine Stiftung müssen 5 Prozent des Vermögens und die Hälfte der Kapitalertragssteuer (KESt) abgeführt werden. Die restlichen 12,5 Prozent der KESt werden bei Entnahmen und Auszahlungen fällig.

Schreckgespenst Liechtenstein
Die Steuerflucht des deutschen Postchefs Klaus Zumwinkel nach Liechtenstein könnte nun dennoch die heimische Stiftungsidylle trüben. Die deutsche Finanz wirft schon begehrliche Blicke auf die heimischen Stiftungsdaten, und auch die EU macht in Sachen Bankgeheimnis mächtig Druck. Ironie am Rande: Das heimische Stiftungsrecht wurde vor fünfzehn Jahren eingeführt, um die Steuerflucht von Österreichern ins Ausland zu stoppen.

Was glänzend gelungen ist. Denn immer noch befindet sich die Mehrheit der Stiftungen in heimischer Hand. Nahezu alle namhaften Unternehmer von Androsch bis Wlaschek verfügen über Stiftungen. Darin sind Forstbesitz und Schlösser wie bei den Esterházys geparkt oder Unternehmensanteile wie bei den Familien Porsche und Piëch. Auch Industriemagnaten wie die Turnauers (Constantia) sind stiften gegangen.

Diskrete Geldtempel
Vor allem als Schutz vor Erbschaftsstreitigkeiten bewähren sich die diskreten Geldtempel, da alle Werte gebündelt und von einem mehrköpfigen Stiftungsvorstand verwaltet werden. Vor straf- und privatrechtlicher Verfolgung schützt die Stiftung allerdings nicht. Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner kann davon ein Lied singen. Das Vermögen seiner Gambit-Privatstiftung, der die mondäne Villa in Südfrankreich gehört, wurde eingefroren und damit seinem Zugriff entzogen.

Stiftungen bleiben attraktiv. Brisanz erhält die Austro-Stiftung mit dem Wegfall der Schenkungssteuer ab 1. August. Danach würden liechtensteinische Stiftungen auch für Österreicher attraktiv. Bislang berappte man den höchsten Schenkungssteuersatz (60 Prozent). Doch der Fiskus erwägt die Einführung einer erhöhten Abgabe bei Stiftern, die ins Ausland gehen wollen. Laut Steuerexperten soll für sie der 5-prozentige Eingangssatz auf etwa 20 Prozent erhöht und damit das Abwandern von Vermögen verhindert werden. Denn milliardenschwere Stiftungen im Land zu haben ist nicht nur Renommee, sondern auch geldwerter Nutzen: 400.000 Jobs hängen direkt und indirekt von Stiftungen ab.

Mehr zu Geld und Finanzen lesen Sie im aktuellen NEWS 09/2008.

1.3.2008 09:04