Mittwoch, 27. Februar 2008

Euro durchbricht erstmals Marke von 1,50$:
Ifo-Index verpasst der Währung einen Schub

  • Geschäftsklima im Einzelhandel kräftig verbessert
  • Euro profitierte von Rezessionsängsten in USA

Der Euro hat erstmals seit seiner Einführung 1999 die Marke von 1,50 Dollar durchbrochen. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung stieg vorübergehend auf 1,5088 Dollar. Die Sorgen um die internationale Konkurrenzfähigkeit in der Eurozone mehren sich. Als Grund für den Kurssprung sehen Analysten überraschend positive Wirtschaftsdaten für Deutschland.

Als Folge der Dollar-Schwäche stiegen die Preise für Öl und Gold auf historische Rekordstände. Die in New York gehandelte Öl-Sorte Light Sweet Crude kostete 102 Dollar pro Barrel (159 Liter). Der Barrelpreis für die Nordseesorte Brent stieg auf 100,53 Dollar. Als Grund für die hohen Preise nannten Analysten neben der Dollarschwäche eine drohende Senkung der Rohöl-Fördermenge durch die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC).

Geschäftsklima im Einzelhandel verbessert
Experten zufolge wurde der Euro durch den überraschend positiven Geschäftsklima-Index des Münchner ifo-Instituts angeschoben, der in starkem Kontrast zu den trüben Wirtschaftsdaten aus den USA stand: Unter anderem ging nach dem am Dienstag veröffentlichten einflussreichen Index des Conference Board das Verbrauchervertrauen in den USA nach 87,3 Punkten im Jänner auf 75,0 im Februar weiter zurück.

Viele Anleger flüchteten sich in die als sicher geltende Goldanlage und sorgten so für einen Anstieg des Preises für eine Feinunze um zeitweise 1,8 Prozent auf 964,70 Dollar. Die Dollarschwäche führte auch dazu, dass viele Anleger am Ölmarkt zukauften, wo in Dollar abgerechnet wird. Auch die Preise der meisten Basismetalle wie Kupfer zogen an.

Goldpreis stabil, Ölpreis gefährdet
"Niedrige Zinsen, steigende Preise und wegbrechendes Wachstum - das ist Gift für eine Währung", sagte ein Händler. In der Goldanlage sähen viele aber "einen sicheren Hort". Daher sei beim Gold mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen. "Sagen wir mal, 970 Dollar sind vorstellbar. Und ich vermute 1.000 Dollar sind auch vorstellbar", fasste Darren Heathcote von Investec Australia in Sydney die Prognosen für den Goldpreis zusammen. Selbst wenn sich der Dollar erholen sollte, dürfte der Goldpreis hoch bleiben, erklärte Walter De Wett, Edelmetallhändler bei der Standard Bank in London. "Es gibt im Moment nicht viele Alternativen", fügte De Wett hinzu.

Während die Wirtschaftsprobleme in den USA den Goldpreis stabil halten dürften, könnte der Ölpreis dadurch eher geschwächt werden. Sollten die USA tatsächlich in eine Rezession schlittern, würde auch die Nachfrage nach Öl sinken. Darauf hatten Opec-Vertreter hingewiesen, die ein Festhalten der derzeitigen Fördermengen verteidigten.

Das Ölkartell, das nächste Woche die Lage berät, mache keine Anstalten für eine Erhöhung der Förderquoten, erklärte LBBW-Analyst Frank Schallenberger. Die andauernden geopolitischen Spannungen im Mittleren Osten sowie die Streitigkeiten zwischen den USA und Venezuela hielten den Preis ebenfalls hoch. "Die Knappheit an Öl spiegelt sich im Preis wider", erklärte Schallenberger. Händler in London verwiesen zudem auf einen Kälteeinbruch im Nordosten der USA.

Auch mit seinem neuen Rekordstand von 102,08 Dollar blieb der Preis für US-Leichtöl aber vorläufig unter dem errechneten inflationsbereinigten Rekordhoch von 102,53 Dollar aus den 1980er Jahren. Ein Fass der Nordseesorte Brent erreichte in der Spitze 100,53 Dollar.

US-Rezessionsangst nährt den Euro
Zudem profitierte der Euro laut Analysten von der schwächelnden Wirtschaft in den USA und anhaltenden Rezessionsängsten, die auch weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed erwarten lassen. Dieser Schritt würde den Dollar gegenüber dem Euro als Geldanlage noch unattraktiver machen. Seinen bisherigen Höchstwert hatte der Euro am 23. November mit 1,4967 Dollar erreicht. Ein hoher Euro-Kurs nützt europäischen Verbrauchern etwa bei USA-Reisen, die billiger werden. Zugleich drohen hohe Euro-Kurse die Wirtschaft der Eurozone zu belasten, da sie Exporte ins Nicht-Euro-Ausland verteuern. (apa/red)

27.2.2008 16:01