Montag, 25. Februar 2008

Alarmierende Zahlen der EU-Kommission:
Armut bedroht jedes 5. europäische Kind

  • Rasche Besserung ist laut Experten nicht in Sicht
  • Österreich bei Armutsbekämpfung in Spitzengruppe

Fast jedes fünfte Kind in Europa ist akut von Armut bedroht. Die Kinderarmut liege damit seit sechs Jahren auf unverändert hohem Niveau, erklärte die EU-Kommission bei der Vorlage ihres jüngsten Sozialschutz-Berichts in Brüssel. Rasche Besserung ist nach Angaben von Experten nicht in Sicht: Die Sozialminister der 27 EU-Staaten seien bisher nicht bereit, gemeinsame Zielwerte zur Armutsbekämpfung zu beschließen.

In Österreich liegt die Kinderarmut den Angaben zufolge mit 15 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Gleichzeitig haben Kinder hierzulande - wie auch in den meisten EU-Ländern - ein höheres Armutsrisiko als die Gesamtbevölkerung (13 Prozent). Nur in Dänemark, Finnland, Zypern und Deutschland stehen Kinder beim Thema Armut etwas besser da als der Rest der Bevölkerung; in Slowenien und Belgien ist das Risiko für beide Gruppen gleich hoch. Im EU-Durchschnitt seien 16 Prozent aller Bürger von Armut bedroht, während der Anteil bei Kindern 19 Prozent beträgt.

Kinder seit 1990ern betroffen
Im Jahr 2006 lebten laut EU-Bericht 19 Prozent aller europäischen Kinder in Familien, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in ihrem Land zur Verfügung hatten. Unterhalb dieser Schwelle beginnt für die EU das Armutsrisiko. Bis in die 90er Jahre seien vor allem alte Menschen von Armut bedroht gewesen, erläuterte ein Kommissionsbeamter. Seither seien besonders Kinder betroffen.

Die Sozialminister wollen sich in Brüssel mit dem Bericht befassen. Das Papier enthält auch Angaben zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer und zum Zugang armer Menschen zur Gesundheitsversorgung. Bürger mit geringem Einkommen gaben demnach häufiger als Besserverdienende an, dass sie nicht die nötige ärztliche Versorgung bekamen. Deutschland habe bei dieser Untersuchung nicht mitmachen wollen, hieß es aus der Kommission.

Österreich bei Bekämpfung in Spitzengruppe
Bei der Bewertung der nationalen Strategien zur Bekämpfung von Kinderarmut ordnet die EU-Kommission Österreich in die Spitzengruppe ein. Es kombiniere gemeinsam mit Zypern und Dänemark nach Darstellung der EU-Kommission eine aktive Beschäftigungspolitik mit "relativ hohen und effektiven Sozialleistungen". Dabei spielten auch die guten Betreuungsangebote für Kinder berufstätiger Eltern eine Rolle.

Bei den Kindern, die in einem Arbeitslosen-Haushalt leben, liegt Österreich mit 6,1 Prozent im unteren EU-Viertel, während der Unionsdurchschnitt 9,4 Prozent beträgt. Allerdings hat sich ihr Anteil in den vergangenen sechs Jahren um zwei Prozentpunkte erhöht (2001: 4,1 Prozent), während sie bei den Erwachsenen im gleichen Zeitraum von 7,9 auf 7,6 Prozent leicht sank. (apa/red)

25.2.2008 21:07