28.2.2008 13:33

Polen könnte unsere Neugier wecken: Als Urlaubsland noch weitgehend unentdeckt

  • Polen im Ausland treten nicht gerne in Erscheinung
  • Österreicher und Polen einander 'mental relativ nahe'

Sie mögen polnischen Wodka kennen, vielleicht auch von Gerichten wie pierogi oder barszcz gehört haben, doch als Urlaubsland gilt Polen vielen Österreichern nicht unbedingt. Dabei hätte es landschaftlich "so gut wie alles außer einem südamerikanischen Dschungel" zu bieten, wie der Schriftsteller Radek Knapp in seiner "Gebrauchsanweisung für Polen" schreibt.

Deshalb ist es mit einem Besuch der Hauptstadt Warschau auch nicht getan: Zumindest Krakau müsse man gesehen haben, außerdem einen Ort im Gebirge wie Zakopane und eine Stadt am Meer wie Danzig (Gdansk), hört man im Gespräch mit Polen immer wieder.

Allein schon Warschau und Krakau, die heutige und die frühere Hauptstadt, könnten kaum unterschiedlicher sein: "Wenn Warschau das Hongkong Osteuropas ist, so ist Krakau sein Wien", hält der gebürtige Warschauer Knapp in seinem Buch fest. "Warschau zeigt, wie modern Polen geworden ist", sagt die Sprachstudentin Dorota aus Oswiecim. Krakau sei mit seinen vielen Cafes und Galerien wiederum ein "Zentrum der Kultur", in dem etwa auch die Literaturnobelpreisträger Czeslaw Milosz und Wislawa Szymborska gelebt hätten.

Kulturland Polen
Kultur, das ist nach Ansicht von Aleksandra, die in Krakau Psychologie studiert, eine Sache, die man generell mit Polen verbinden sollte - allerdings nicht nur die Architektur der bekanntesten Städte. Grundkenntnisse über die polnische Kultur sollten auch beinhalten, dass man wisse, dass der in Zelazowa Wola geborene Frederic Chopin "ein halber Pole" gewesen sei - seine Mutter war Polin, sein Vater gebürtiger Franzose. Wesentlich sei auch das polnische Kino, vertreten durch große Namen wie Andrzej Wajda, dessen Film "Katyn" heuer für den Auslands-Oscar nominiert war.

In Österreich gebe es kein wirkliches Polen-Bild, ist der Direktor des Österreich-Instituts in Krakau, Alexander Burka, überzeugt. Das liege auch daran, dass die Polen im Ausland - in Österreich lebten Anfang des Vorjahres rund 55.500 Menschen mit Geburtsland Polen - "eine Erscheinung sind, die nicht in Erscheinung tritt". Wissen sollte man aber zumindest, "dass in Polen Höflichkeit sehr groß geschrieben wird", ebenso wie Gastfreundschaft, und "ein polnisches Wort alle Türen" öffne, auch wenn der Besucher nur einige wenige Floskeln beherrsche.

Viele Schlachtenbummler kommen nach Österreich
Spätestens bei der Fußball-Europameisterschaft bieten sich auch für die daheimgebliebenen Österreicher neue Gelegenheiten, sich mit der polnischen Sprache vertrauter zu machen. Dass viele Polen nach Österreich kommen werden, daran besteht nicht nur für den Sportreporter Rafal Stec von der "Gazeta Wyborcza" in Warschau kein Zweifel. Schließlich sei Fußball "der populärste Sport in Polen", und die EURO 2008 sei für seine Landsleute "ein historischer Bewerb" - handle es sich doch um die erste Teilnahme an einer EM überhaupt. "Ich bin sicher, dass viele polnische Fans dort sein werden, auch ohne Tickets."

Tickets zu bekommen, das sei wirklich ein Problem, sagt der Krakauer Friseur Szymon Czado. Der erklärte Fußballfan und Hobby-Grafiker ist gerade dabei, eine Homepage mit Informationen über die EURO 2012 in Polen und der Ukraine, aber auch über den diesjährigen Bewerb einzurichten. Dass er selbst in einem österreichischen Stadion live bei einem Match dabei sein wird, bezweifelt er aber.

Großes EURO-Interesse in Polen
Großes Interesse an der EURO 2008 registriert auch das Österreich-Institut in Krakau. Angefragt werde etwa, ob man Fahrten nach Wien organisiere oder Spiele auf Leinwänden zeige. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir irgendein Thema hatten, das so oft aufgetreten wäre", sagt Burka, der der Institution seit Juli 2005 vorsteht. Für den 28. Februar seien zudem Aktivitäten für Schulkinder geplant, die sich unter anderem bei Quizspielen mit den Austragungsorten, aber auch mit deutschsprachigen Fußballbegriffen vertraut machen könnten. Burka rechnet mit etwa 300 Teilnehmern unterschiedlichen Alters. Ähnliche Projekte gebe es auch in Österreich-Instituten anderswo.

Österreicher und Polen seien einander "mental relativ nahe", meint die 39-jährige Justyna, die in Krakau Polnisch als Fremdsprache unterrichtet und immer wieder auch Österreicher zu ihren Schülern zählt. "Die kulturellen Codes passen", ergänzt Burka. Im Juni sind die Nationalmannschaften der beiden Länder zwar Gegner. Was die Fans aber auf jeden Fall verbinden dürfte, ist die Hoffnung, ihr Team möglichst oft mit einem ganz bestimmten Slogan anfeuern zu können: "Jeszcze jeden!" - oder anders gesagt: "Noch ein Tor!"
(apa/red)

28.2.2008 13:33
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