Kroatien präsentiert sich facettenreich:
Fußball Aushängeschild des jungen Staates
- Kroatien verfügt über insgesamt 718 Adria-Inseln
- Eine Mischung aus "Hochnäsigen" und "Stinkfaulen"
Kroatien hat nur 4,5 Millionen Einwohner. Doch die haben höchst verschiedene Facetten. Zumindest, wenn man den vielen gegenseitigen Vorurteilen Glauben schenkt. Klischeemäßig gelten die Bewohner der Hauptstadt Zagreb dem Rest des Landes als hochnäsige "purgeri" (Bürger). Diese wiederum halten die an der Küste beheimateten Dalmatiner für stinkfaul...
Damit nicht genug: Die Slawonier, die im Osten Kroatiens zwischen den Flüssen Save, Drau und Donau in der Kornkammer Kroatiens leben, sind ihren Landsleuten viel zu langsam. In der Zagorje wiederum, dem Hoch- und Hinterland nördlich des Gebirges Medvednica (Bärenberg) in der Nähe von Zagreb, ist der Legende nach Wasser - obwohl es sich um eine Thermenregion handelt - als Getränk so gut wie unbekannt. Dafür gibt es Wein oder Rakija (Schnaps).
Die Insulaner - Kroatien verfügt über insgesamt 718 Inseln in der Größenordnung von 100 Quadratmeter bis zu 405 Quadratkilometer (Krk) - gelten wiederum als äußerst sparsam, um nicht zu sagen geizig. Die diversen Mentalitäten werden auch an Split und Zagreb deutlich. Hier die Hafenmetropole Split mit dem venezianischen Charme, dort die Kapitale, die so gar nichts Mediterranes an sich hat. Vielmehr sieht sie aus wie die überdimensionale Ausgabe einer österreichischen Provinzmetropole, der noch immer der verblichene Charme der k.u.k-Zeit anhaftet.
Bis 1918 blieb Kroatien von der Habsburger Monarchie abhängig. Dazwischen lagen zahlreiche erfolglose Versuche, sich von der Fremdherrschaft zu befreien und einen selbstständigen Staat zu bilden. Dies gelang - von einem höchst unrühmlichen Probelauf im Zweiten Weltkrieg einmal abgesehen - erst nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991. Erinnerungen an die k.u.k-Vergangenheit finden sich in der Zagreber Oberstadt (Gornji grad), wo - wohl der Touristen wegen - wieder die alten verschnörkelten Schriftzüge mit den deutschen Straßen- und Gassennamen unter dem Verputz hervorgekratzt wurden.
Kremsnita und Ringlspil
Auch in der Alltagssprache gibt es assimilierte Relikte von früher. In einem Cafe kann man eine "kremsnita" bestellen. Schreibt man das "s" auch noch korrekt mit "Hatschek" schmeckt die Cremeschnitte umso besser. Ähnliches gilt für das "Ringlspil", auf dem sich ein Kind in Kroatien bis heute vergnügen kann. Wird ihm das von den Eltern verboten, macht es folgendes: Se krenka - Es kränkt sich.
So verschieden die "Hrvati" auch sein mögen, einig sind sie sich bezüglich ihrer Diskussionsfreudigkeit. "Zwei Kroaten, drei Meinungen", heißt es. Das gilt für fast alle Lebensbereiche, in der Politik ebenso wie im Sport und da vor allem im Fußball. Fußball ist wie Basketball oder Tennis ein Aushängeschild des jungen Staates. Der dritte Platz bei der WM-Endrunde in Frankreich im Jahr 1998 war diesbezüglich ebenso ein eindrucksvolles Ausrufezeichen wie der Sieg des Davis-Cup-Teams 2005.
Die Nacht der Frösche
Sport hat in "Hrvatska" Tradition: Das beweist etwa die "Olympiade der alten Spiele in Brodanci". Archaische Bewerbe wie Tauziehen oder Steinewerfen gehen auf jahrhundertealte Traditionen aus dem Hirtenmilieu zurück, Folkloregruppen treten auf, Reiter und Gespanne zeigen ihre Künste und irgendwann wird ein Stier auf einen Spieß gesteckt, um hernach knusprig gebraten zu hochgeistigen Getränken gereicht zu werden.
Um höher oder weiter geht es auch bei der alljährlichen "Nacht der Frösche" in der Ortschaft Lokve. Seit 1975 hüpfen Quaxi und Co. dort um die Wette. Der Rekord stammt mit einer Weite von 140 cm aus dem Jahr 2001. So wurden die Grünröcke zu einem Markenzeichen von Lokve, wo nunmehr auch das weltweit wohl einzigartige "Froschmuseum" steht.
1T = 1N/(1A*1m)
Wissenschaftlich fundierter scheinen da die Erkenntnisse eines Mannes zu sein, der in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts an der Technischen Hochschule in Graz studierte und später Weltruhm erlangte. Das bewahrte Nikola Tesla jedoch nicht davor, in Österreich praktisch der Vergessenheit anheimzufallen. Der 150. Geburtstag des am 10. Juli 1856 geborenen Erfinders und Elektroingenieurs wurde vor zwei Jahren in Kroatien und Serbien groß gefeiert. Hierzulande hingegen nur ein bisschen.
Dabei gehörte sein Geburtsdorf Smiljan einmal zu Österreich-Ungarn. Tesla war ein Genie mit Riesenerfindergeist. Seine größte Tat kam nach der Emigration nach Amerika. 1891 zum US-Bürger ernannt, setzte er sich als Proponent des Wechselstroms bei der Elektrifizierung sogar gegen einen berühmten Gleichstrom-Fanatiker namens Thomas Alva Edison durch. Sonst ist sein Ruhm eher verblasst. In der Physik ist "das Tesla" nach ihm benannt, die physikalische Einheit der magnetischen Flussdichte: 1T = 1N/(1A*1m). Aber wer kann damit schon etwas anfangen?
(apa/red)











