Kirchler steigt auf die Euphoriebremse:
Es zählt weiterhin nur Kampf gegen Abstieg
- Neue Zeiten: "Zeit der Trainer-Diktatoren ist vorbei"
- Topfite Oldies spielen große Rolle in der Bundesliga

·Wieder keine Punkte für Rapidler in Altach
Vorarlberger siegen mit 2:1 gegen Rekordmeister
·Austria legt endlich Heimschwäche ab
3:1-Heimsieg gegen
die Bullen aus Salzburg
·SV Ried entzieht sich dem Abstiegskampf
Klarer 3:0-Heimsieg gegen Austria Kärnten
·Mattersburg ringt wackere Tiroler nieder
Burgenländer drehen
0:1-Rückstand noch um
·UMFRAGE: Welches Team steigt heuer ab?
Erwischt es Neulinge oder
einen etablierten Verein?
·UMFRAGE: Welches Team holt den Titel?
Salzburg von Austria
oder Rapid zu stoppen?
Nach dem hartumkämpften 2:1-Sieg über Rapid Wien stieg Roland Kirchler, Mittelfeld-Routinier des Fußball-Bundesligisten Altach, auf die Euphoriebremse. Und das, obwohl der 37-Jährige mit dem Tor zum 1:0 und der Vorarbeit zum Siegestreffer dem Spiel seinen Stempel aufdrückte und das "Ländle"-Team dem Klassenerhalt wieder ein Stück näher brachte.
"Ich bin jetzt gar nicht so euphorisch", legte Kirchler seine nüchterne Sicht der Dinge dar. "Das Spiel war schwer, der Boden war schwer zu spielen und beide Teams haben sich auf eine ähnliche Taktik verlegt - mit hohen Bällen die Mittelstürmer zu suchen", umriss der 37-Jährige die Hauptcharakteristika der nur mittelklassigen Partie im Altacher Schnabelholz.
Dass der Tiroler zu seinem vierten Saisontor kam, war freilich auch einem etwas kuriosen Umstand geschuldet: Denn Schiri Brugger ließ ihn schon anlaufen, als Rapid-Goalie Payer noch nicht auf Position war. "Momentan habe ich mich nicht ganz ausgekannt, habe kurz gedacht, das ist vielleicht eine Verwirrtaktik und etwas gezögert", so Kirchler, der bei Strafstößen eigentlich gar nicht erste Wahl ist. "Wir haben aber die letzten zwei vergeben, und da habe ich Verantwortung übernommen."
Extralob für Neuzugang Jaqua
Als Mann des Spiels stellte der Ex-Salzburger aber auch eindrucksvoll unter Beweis, welch tragende Rolle die topfitten "Oldies" in der Fußball-Bundesliga spielen können. Mehr noch als beim Elfmeter zeigte sich dies bei der Vorarbeit zum 2:1, bei der Kirchler erst Rapid-Verteidiger Tokic entwischte, um schließlich Neo-Stürmer Jaqua perfekt zu bedienen.
"Es war immer mein Spiel, dass ich mir in 1:1-Situationen gegen einen Verteidiger den Ball vorbeilege, und das ändert sich im Alter natürlich nicht", so Kirchler, der Jaqua zugleich ein Lob aussprach. "So einen Stürmer haben wir gesucht. Außerdem reißt er sich 90 Minuten lang den Arsch auf und ist immer gut drauf, ein typischer Ami halt. Speziell jetzt, wo die Zeit drängt, ist es wichtig, dass wir einen haben, der uns sofort helfen kann."
Schnelle Wirkung entfaltete auch der Trainerwechsel von Bender zu Fuchsbichler. "Es ist jetzt nicht alles anders", relativierte Kirchler, strich freilich die konträren "klimatischen" Bedingungen hervor: "Das Arbeiten ist angenehmer. Fuchsbichler ist ein zugänglicher Typ. Bender war eigenartig, hatte zwei Gesichter. Er hat seine Linie durchgezogen, aber es war die falsche. Die Diktatoren im Trainergeschäft sind eigentlich schon ausgestorben."
"Nach vorne fehlt uns die Perspektive"
Und die Aussichten in der Tabelle? "Ich schaue nicht auf den Platz, sondern auf die Punkte. Und 38 bis 40 werden für den Klassenerhalt reichen." Auch wenn der Rückstand auf die sechstplatzierten Rieder auf fünf Zähler geschrumpft ist, sei alles andere als der Kampf gegen den Abstieg relativ uninteressant. "Nach vorne fehlt uns die Perspektive, der UEFA-Cup ist ja sowieso nicht möglich. Mir ist es dann nicht so wichtig, ob wir Sechster, Siebenter oder Achter werden."
Vermutlich schon im März wird sich nicht nur Altachs nächste Zukunft, sondern auch auch die von Kirchler selbst entscheiden. Wohl ist eine Verlängerung des bis Sommer 2008 währenden Kontrakts nicht ausgeschlossen, den 28-fachen ÖFB-Teamspieler hat aber auch eine Art von Heimweh ergriffen. "Mein Sohn ist im November zur Welt gekommen, es zieht mich schon zur Familie nach Tirol", so Kirchler. "Es wäre für mich auch eine Option, bei meinem Stammverein Wattens zu spielen. Die werden von Swarovski gesponsert und wollen in die Red-Zac-Liga aufsteigen."
(apa/red)
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