Mittwoch, 27. Februar 2008

Der Benni ist jetzt kein Benjamin mehr:
Benjamin Raich feiert seinen 30. Geburtstag

  • Eine große Feier gibt es aber erst nach Saisonende
  • Kein Gedanke an Rücktritt: "Habe noch einiges vor"

Mit dem ersten und einzigen Training für die beiden Abfahrten in Kvitfjell/Norwegen geht der Alpin-Weltcup der Herren heute in seine finale Phase. An diesem Tag feiert Benjamin Raich seinen 30. Geburtstag, wird aus dem "Benni" endgültig ein "Benjamin". Viel Zeit zum Feiern wird der in den Kampf um die große Kristallkugel verwickelte Tiroler freilich nicht haben und selbst Freundin Marlies Schild kann nur per Telefon gratulieren.

Spätestens mit dem Beitritt in den Club der 30er ist Raich an sich kein Benjamin mehr. Aber selbst "Geburtstagsmuffel" Raich wird nun eine Ausnahme machen. Allerdings erst nach der Saison. "Ich war immer froh, an meinen Geburtstagen ständig unterwegs zu sein, weil ich da nie viel feiern musste", gibt Raich offen zu, Geburtstage nicht als besondere eigene Leistung anzusehen. "Einen 30er aber nicht zu feiern, ist auch nicht richtig", hat der Pitztaler eingesehen, dass im Frühjahr eine Party Pflicht ist.

Womöglich kann er dann schon zum zweiten Mal auf den Sieg im Gesamt-Weltcup anstoßen. Vor hat es der am 28. Februar 1978 in Innsbruck geborene Skistar auf jeden Fall. "Ich habe den Kampf um die große Kugel sicher noch nicht aufgegeben", hatte Raich erst vergangene Woche in Kanada beteuert.

Raich könnte bereits zweifacher Gesamtsieger sein, hätte im Vorjahr nicht im letzten Rennen alles Glück dieser Welt gegen ihn und für den Norweger Aksel Lund Svindal entschieden. Raich könnte auch schon wie Toni Sailer dreifacher Olympiasieger sein, hätte er nicht vor zwei Jahren in Sestriere auf Goldkurs liegend im Slalom eingefädelt.

Schon viel erreicht
Aber der unerschütterliche Positiv-Denker, der vor über einem Jahrzehnt als 19-Jähriger mit dem damals radikalsten Slalomschwung in den Weltcup gestürmt war, blickt ausschließlich zufrieden auf seine 30 Lebens- und bald elf Jahre im Ski-Weltcup zurück. Nur der Plan, auch in der Abfahrt ein Siegfahrer zu werden, ist bisher nicht aufgegangen. "Im Prinzip ist bisher aber alles sehr gut gelaufen", sagte der Gewinner von vier Olympia- und acht WM-Medaillen. "Ich bin dankbar für mein bisheriges Leben. Und im Skifahren ist sowieso alles aufgegangen",

Was bleibt also noch für einen Skirennläufer, der an seinem 30. Geburtstag zudem auf exakt 30 Weltcup-Siege (14 Slaloms/11 Riesentorläufe/5 Kombis) und "gottseidank auf mehrere" besondere Momente wie den ersten Slalom-Sieg in Schladming ("Da sind selbst mir die Tränen gekommen") zurückblickt? "Schon einiges!", so Raich.

Noch einige Ziele
Das dritte Olympia-Gold nimmt er aber bewusst nicht in den Mund. "So etwas ist nicht im Kopf eines Skifahrers, zumindest bei mir nicht." Eher schon den neuerlichen Weltcup-Gesamtsieg und Raich fühlt sich auch für mehr noch lange nicht zu alt. "Ich bin nach wie vor erfolgshungrig und körperlich eigentlich besser drauf als am Beginn meiner Karriere!" Das Wichtigste ist aber: "Skifahren macht mir nach wie vor einen Riesen-Spaß!"

Der neun Rennen vor Schluss nur 45 Punkte voranliegende US-Amerikaner Bode Miller muss sich also warm anziehen, denn der unerschütterliche Rationalist Raich, der am Ende aber doch immer auf seinen Bauch hört, fühlt, dass es bei ihm rund um den 30. Geburtstag steil bergauf geht. Zudem liegt ihm die Rolle des Jägers ganz gut. "Aber ich war schon in allen Rollen sehr schnell!" In Norwegen fährt Technik-Spezialist Raich beide Abfahrten und den Super-G. "In Kvitfjell gibt es Passagen, die mir sehr liegen. Wenn alles zusammenpasst, ist was drin."
(apa/red)

27.2.2008 10:45