Montag, 25. Februar 2008

Der Ski-Weltcup wird zur Nervenschlacht:
Diesmal mehr als nur Zweikämpfe um Spitze

  • Didier Cuche und Maria Riesch können mitreden
  • Riesch über abschätzige Kommentare verwundert

Der Alpin-Weltcup wird auch in diesem Winter zu einer Nervenschlacht. Nach den olympischen Testrennen in Kanada führt bei den Herren Bode Miller neun Rennen vor Schluss nur noch 45 Punkte vor Benni Raich. Auch Nicole Hosp hat mit Platz vier in der abschließenden Super-Kombi in Whistler wieder etwas am Vorsprung von Lindsey Vonn geknabbert. 54 Zähler liegt die Tirolerin acht Einzelrennen vor Schluss hinter der US-Amerikanerin.

Doch achten müssen die jeweiligen Führungsduos auch auf den "dritten Mann" bzw. die dritte Frau. Bei den Herren liegt auch der Schweizer Didier Cuche mit 122 Punkten noch gut im Rennen und bei den Damen musste Maria Riesch trotz ihrer ständigen Abwiegelungs-Taktik nach ihrem Super-Kombi-Sieg in Whistler eingestehen, "dass das jetzt natürlich wieder ein Thema wird."

122 Punkte liegt Riesch hinter Vonn und nur 68 hinter Hosp. Und hätte die 23-jährige Deutsche nicht nur in St. Moritz sondern auch in Whistler einen sicher scheinenden Abfahrts-Sieg durch einen Sturz vergeben, wer weiß wo die groß gewachsene Partenkirchnerin wirklich liegen würde. "Ich war in Whistler vor dem Sturz vier km/h schneller als Siegerin Nadia Styger. Ich hätte hundertprozentig gewonnen", so Riesch. "Aber was wäre wenn hilft mir nicht. Ich konzentriere mich deshalb weiter darauf, den Super-G und eventuell den Kombi-Weltcup zu gewinnen."

Nach den Plätzen zwei (St. Anton) und eins (Whistler) führt Riesch die Kombiwertung nach zwei von nur drei Bewerben jetzt sogar an. Einziger Wermutstropfen am ersten Kombi-Sieg des deutschen Allround-Talentes, der trotz schwerer Verletzungen nur noch der Riesentorlauf fehlt, um wie Petra Kronberger, Pernilla Wiberg und Janica Kostelic in allen Disziplinen gewonnen zu haben, waren Kommentare aus dem Lager des "Lieblingsfeindes".

Nicht nur Rieschs Ski sind schnell
"Ich höre von den Österreichern ständig, dass ich eh nur schnelle Ski habe. Offenbar verkraften dort einige nicht, wenn auch andere gewinnen", zeigte sich Riesch über abschätzige, angebliche Kommentare aus dem ÖSV-Trainer-Lager verwundert.

"Ich höre das schon länger. Natürlich habe ich schnelle Ski, aber man muss auch meine Leistungen respektieren", so die Head-Fahrerin. Zu analysieren, warum sie im Super-G um gleich 0,42 Sek. schneller war als alle anderen, sei ganz einfach. "Mein Trainer Andi Fürbeck hat mir aufgetragen, den Übergang ins Flache runder zu fahren. Das war's", so Riesch.

Dabei ist Rieschs Cheftrainer selbst Österreicher. Mathias Berthold war 2002 von den ÖSV-Damen nach Deutschland gewechselt um dort von ganz unten eine neue und schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. Was Bertholds Landsmann Werner Margreiter bei den DSV-Herren versagt blieb, geht bei den deutschen Damen mittlerweile immer mehr auf.

Aufwärtstrend im DSV
"Es gab harte Vorgaben von Anfang an. Ich habe die Kaderkriterien erhöht und einen derartigen Druck erzeugt, dass man mich gefragt hat, ob ich spinne", erinnert sich der Vorarlberger. Es hat offenbar funktioniert. Gerade erst ist die 18-jährige Viktoria Rebensburg Junioren-Weltmeisterin geworden, "und im Slalom haben wir nun neun Plätze, obwohl gerade einige Verletzte auch noch zurückkommen", stellte Berthold zufrieden fest.

Bei der WM in Val d'Isere haben Bertholds Damen erstmals die Vorgabe, eine Medaille gewinnen zu müssen. "Unser großes Ziel ist aber natürlich die Heim-WM 2011 in Garmisch."

Offenbar hat Riesch beim Siegen auch ein perfektes Timing. Sie gewinnt immer exakt vor Heimrennen. Auf den Sieg in Cortina folgte Ofterschwang, nun geht es am kommenden Wochenende wieder mit Riesentorlauf und Slalom in Zwiesel weiter. "Mir taugt es sehr, vor deutschen Fans zu fahren", freut sich Riesch daher schon.
(apa/red)

25.2.2008 10:21