Donnerstag, 28. Februar 2008

Neuer Rückschlag für ehemalige First Lady:
Bürgerrechtler Lewis wendet sich von ihr ab

  • Will nun Konkurrenten Barack Obama unterstützen
  • Lewis "auf der Seite des Geistes der Geschichte"

Hillary Clinton hat einen weiteren Rückschlag im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten erlitten: Der prominente Bürgerrechtler und Abgeordnete John Lewis entzog ihr seine bisherige Unterstützung und stellte sich auf die Seite von Barack Obama. Obamas Wahlkampf sei "der Anfang einer neuen Bewegung in der politischen Geschichte Amerikas", erklärte Lewis. Er wolle "auf der Seite des Volkes" stehen und unterstütze daher jetzt den Senator aus Illinois.

Der Seitenwechsel von Lewis hat nicht nur eine große Signalwirkung, sondern könnte bei einem knappen Ausgang der Vorwahlen auch für die Abstimmung auf dem Nominierungsparteitag im August wichtig werden. Dort ist Lewis einer der Superdelegierten, die unabhängig von den Ergebnissen der Vorwahlen aus dem Kreis der Abgeordneten und Parteifunktionäre bestimmt werden. "Wenn ich bei der demokratischen Konvention meine Stimme abgebe, ist es meine Pflicht, den Willen des Volkes zum Ausdruck zu bringen", erklärte Lewis. Obama erklärte zu der Entscheidung: "John Lewis ist ein amerikanischer Held und ein Gigant der Bürgerrechtsbewegung."

Clinton im Stimmungstief
Clintons Anhänger hatten gehofft, dass die letzte Fernsehdebatte der New Yorker Senatorin aus dem Stimmungstief holen könnte. Diese Erwartung hat sich nach jüngsten Meinungsumfragen aber nicht erfüllt. Selbst in Staaten wie Pennsylvania, wo Clinton bisher klar vorn lag, verringert sich der Vorsprung vor Obama. Am Dienstag nächster Woche geht es um 370 Stimmen, wenn die Wähler der Demokraten unter anderem in Texas und Ohio ihre Präferenz für die Präsidentschaftskandidatur bestimmen.

Im Kampf gegen Kinderarmut
Clinton kündigte ein Programm mit dem Ziel an, die Kinderarmut in den USA in den nächsten zwölf Jahren zu halbieren. Die dafür erforderlichen Ausgaben von jährlich bis sechs Milliarden Dollar (4 Mrd Euro) wolle sie mit dem Kampf gegen Steuerhinterziehung finanzieren.

Obama vs. McCain
Unterdessen verlagert sich der Wahlkampf bereits zunehmend auf die Konfrontation zwischen Obama und dem voraussichtlichen Kandidaten der Republikaner, John McCain. Beide lieferten sich bereits einen spitzen Wortwechsel zur Irak-Politik. Dabei versuchte der erfahrene McCain, Obama als außenpolitischen Neuling darstellen. Díeser konterte, indem er auf die Folgen der US-Invasion vor fünf Jahren hinwies und erklärte, dass er sich nach einem Abzug der US-Truppen aus dem Irak für den Kampf gegen Al Kaida in Afghanistan und Pakistan konzentrieren würde.

Bloomberg draußen
Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erklärte unterdessen seinen Verzicht auf eine Kandidatur als Unabhängiger. In einem Gastkommentar für die Zeitung "New York Times" schrieb er am Mittwoch, dass er möglicherweise einen Kandidaten unterstützen werde, der einen unabhängigen und unparteiischen Politikstil verfolge. (apa/red)

28.2.2008 14:49