Donnerstag, 28. Februar 2008

Mit den Wahlen soll neuer Stil einziehen: Medwedew arbeitet an einem neuen Image

  • Medwedew als höflicher und zurückhaltender Politiker
  • Putin hingegen stellte seine Macht gern zur Schau

Medwedew galt bisher als unscheinbare Persönlichkeit. Erst die Wahlen brachten eine Renaissance der Medwedew-Erinnerung. Ehemalige Nachbarn, Professoren und Studenten seiner früheren Universität entsinnen sich allerlei Anekdoten. Dabei arbeitet der jetzige Vizeregierungschef angestrengt an einem neuen Image. Putin scheint ihm dabei als Vorbild zu dienen. So fröhnt auch er nun dem Schwimmen und dem Skifahren. Ob auch Medwedew mit entblößtem Oberkörper angeln gehen wird bleibt abzuwarten.

Bei all den offenen Fragen über die politische Zukunft Russlands scheint eines zumindest klar: Mit Dmitri Medwedew, der allseits als neuer Präsident erwartet wird, dürfte nach dem 2. März ein anderer persönlicher Stil im Kreml einziehen. Der scheidende Präsident Wladimir Putin hat schon einmal zur Gangster-Sprache gegriffen, um seinen Standpunkt klar zu machen. Medwedews Äußerungen klingen dagegen fast immer wie akademische Vorträge.

Rüder Putin
Putin hat auch vor laufenden Fernsehkameras erbarmungslos Regierungsmitglieder abgekanzelt und es selten für notwendig befunden, sich für eine Verspätung bei einem Termin zu entschuldigen - was sehr oft vorkam. Medwedew hat sich dagegen kürzlich bei einer Rede im Voraus dafür entschuldigt, dass er nun soviel Zeit seines Publikums in Anspruch nehmen werde.

Während Putin immer den selbstbewussten Kreml-Herrscher hervorkehrte, zeigten sich bei Medwedew bisher immer wieder persönliche Unsicherheiten: Der Präsident in spe ist schon bei der einen oder anderen Gelegenheit in der Öffentlichkeit errötet.

Imagekampagne
An der Diskrepanz der persönlichen Stile wird imagemäßig bereits gearbeitet: Da Putin ein begeisterter Schwimmer ist, hat Medwedew nun auch mit diesem Sport angefangen. Und da Putin ebenso gerne Ski fährt, hat sich sein Schützling kürzlich die Pisten in dessen Lieblings-Skigebiet bei Sotschi hinabgeschwungen. Dabei wurde sogar eine Polit-Anekdote mit dem künftigen Hauptdarsteller neu inszeniert: Ein Barkeeper hatte sich einst geweigert, Geld von Putin für eine Tasse Tee anzunehmen. Putin gab ihn daraufhin stattdessen seine Skibrille. Medwedew gab einem Kellner bei seinem Skiausflug Anfang des Monats nun gleich die Skibrille.

"Er arbeitet an sich", sagt Dmitri Trenin vom Moskauer Carnegie-Zentrum. "Er versucht, Witze zu machen, er versucht, sich entspannt zu geben. Er bewegt sich in den Fußstapfen Putins, sogar auf eine sehr komische Art und Weise." Vielleicht aber werde Medwedew nach einer Übergangsphase mehr als ein Regent sein und das Präsidentenamt mit seiner eigenen Persönlichkeit ausfüllen. "Dann sehen wir vielleicht Medwedews wahres Gesicht."

28.2.2008 16:46