Sonntag, 2. März 2008

9 Tote in Europa nach Sturmtief "Emma": Bilanz aber nicht so arg wie nach "Kyrill"

  • Wind zog Schneise der Verwüstung durch Kontinent
  • In Deutschland krachte ICE-Zug gegen einen Baum

Mindestens neun Tote, viele Verletzte und Millionenschäden - das ist die vorläufige Bilanz des Orkantiefs "Emma". Allerdings waren die Verwüstungen, die der heftige Sturm in Österreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern anrichtete, bei weitem nicht so schlimm wie die nach dem Orkan "Kyrill" vor einem Jahr. "Emma" deckte Häuser ab, riss Bauzäune oder Schilder heraus, machte Straßen unpassierbar, führte zu Stromausfällen und an der Nordsee zu Sturmfluten. In Süddeutschland gab es zudem, dem meteorologischem Frühlingsanfang, heftige Hagelschauer, Schnee, Gewitter und Überschwemmungen.

Vielerorts erreichte "Emma" Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde. Den Rekordwert registrierte der Wetterdienst Meteomedia mit 222 km/h auf dem 1.838 Meter hohen Wendelstein in den Bayerischen Alpen. Auch heute soll es noch kräftig stürmen. Das Geschehen sei teilweise "dramatisch" gewesen, sagte Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia. "Emma" sei aber "nicht so großflächig wie ´Kyrill´". Der Orkan hatte im Jänner 2007 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. 47 Menschen starben.

Zwei Tote in Polen
Das Orkantief "Emma" hat in Polen nach Angaben der Feuerwehr mindestens zwei Menschenleben gefordert. Mehrere Personen wurden verletzt. Tausende Haushalte hatten keinen Strom.

Ein 42-jähriger Mann sei gestorben, als ein entwurzelter Baum sein Auto zerdrückte, meldete am Sonntag die Polnische Nachrichten-Agentur PAP. Seine Frau, die in ihm in einem anderen Wagen folgte, konnte nicht rechtzeitig bremsen und wurde schwer verletzt. Ein anderer Fahrer starb, weil sich das Dachteil eines vor ihm fahrenden Lasters im Sturm löste und auf sein Auto geweht wurde. Der 28-jährige verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug, kam von der Straße ab und rammte einen Baum.

ICE krachte in Baum
Ein Reisebus mit Touristen kippte am Samstag auf dem Weg zum Münchner Flughafen in eine Böschung. Sechs Insassen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Beim Aufprall eines ICE-Zuges auf einen Baum in Brühl bei Bonn wurde der Zugführer verletzt. In Bayern, Nordrhein- Westfalen, Thüringen, Hessen und Sachsen gab es - ebenso wie in Österreich - durch abgeknickte Bäume Störungen und Streckensperrungen im Zugverkehr.

In Hamburg stand der Fischmarkt unter Wasser, die Flutschutztore wurden geschlossen. Für den Abend erwarteten die Experten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) für die Hansestadt eine Sturmflut mit Wasserständen von 2,50 bis 3,00 Metern über dem mittleren Hochwasser. Wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mitteilte, waren Borkum und Emden von einer schweren Sturmflut betroffen. In Emden lag der Höchstwert am Samstagnachmittag bei 2,63 Meter und damit knapp einen Meter unter dem Pegel bei der Allerheiligenflut 2006. Auf den ostfriesischen Inseln lief das Wasser knapp zwei Meter über dem mittleren Tidehochwasser auf.

Auch in Bayern waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz. Umgekippte Bäume, herumfliegende Gegenstände und Hagel behinderten den Verkehr auf Bundesstraßen und Autobahnen. Zwischen München und Salzburg wurde der Bahnverkehr eingestellt. Im Ort Osterhofen-Altenmarkt knickte die Spitze eines Kirchturms ab. Von Millionenschäden sprach die Polizei im Landkreis Schweinfurt. Der Damen-Slalom beim alpinen Ski-Weltcup im Bayerischen Wald wurde abgesagt. In Franken und der Oberpfalz traten nach starken Regenfällen Flüsse über die Ufer.

Zelt eingestürzt: Verletzte
Beim Einsturz eines Zeltes in Balderschwang im Oberallgäu wurden elf Menschen verletzt, darunter vier Kinder. Das Zelt war errichtet worden, um dort während eines Skirennens die Zeit zu messen, teilte die Polizei in Kempten mit.

In Teilen Baden-Württembergs hagelte es so heftig, dass der Streudienst anrücken musste. "Man konnte nicht mehr fahren", sagte ein Polizeisprecher. Am Frankfurter Flughafen fielen rund 90 Flüge aus. In Südhessen löste das Unwetter zwei Erdrutsche aus. In Offenbach deckte ein Tornado Dächer ab. Entwurzelte Bäume kappten in mehreren Bundesländern die Stromleitungen - allein in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren zeitweise 16 000 Haushalte betroffen. In Berlin rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus, als sich am Abend die Notrufe häuften.

(apa/red)

2.3.2008 13:03