Samstag, 1. März 2008

"Das ist mehr als ein Holocaust": Schwere Kämpfe in Gaza fordern dutzende Todesopfer

  • 25 Palästinenser getötet - darunter 11 Zivilpersonen
  • Beschuss erhöht den Druck auf israelische Regierung

Beim härtesten Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen seit ihrem Abzug im Sommer 2005 sind mindestens 51 Menschen getötet worden. Nach Angaben von Rettungskräften wurden bei Militäreinsätzen mindestens 150 Menschen verletzt. Augenzeugen zufolge kamen die meisten Menschen bei Luftangriffen auf das Flüchtlingslager Jabaliya ums Leben. Zudem rückten die Streitkräfte mit Bodentruppen und Panzern in den Norden des Gazastreifens vor.

Israel reagierte mit der Offensive auf den anhaltenden Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat sah angesichts der Eskalation den Nahost-Friedensprozess am Ende.

Unter den mindestens 49 palästinensischen Opfern waren den Angaben zufolge zahlreiche Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder. Außerdem seien mindestens 16 Angehörige radikaler Palästinenserorganisationen getötet worden, die Mehrzahl von ihnen Mitglieder der Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert. Nach Angaben der israelischen Armee starben auch zwei ihrer Soldaten. Auslöser der jüngsten Armeeoffensive war der Tod eines israelischen Studenten durch einen palästinensischen Raketenangriff auf den Süden Israels am Mittwoch.

Israels Vize-Verteidigungsminister Matan Vilnai wies unterdessen im Armeerundfunk Berichte zurück, dass es sich bei dem Einsatz um die großangelegte Bodenoffensive handele, mit der israelische Politiker mehrfach gedroht hatten. Die Aktion sei lediglich ein "erweiterter Einsatz". Die israelische Armee sei im Gazastreifen "ständig" präsent.

Erekat sah angesichts der Gewalt den Friedensprozess am Ende: "Die Verhandlungen wurden begraben unter den Häusern, die in Gaza zerstört wurden", sagte der palästinensische Chefunterhändler. "Durch die Aggressionen und Verbrechen, die begangen wurden, ist der Friedensprozess zerstört worden."

Der im syrischen Exil lebende Hamas-Chef Khaled Mashaal beschuldigte Israel vor Journalisten, den Holocaust "als Ausrede" zu benutzen, "um zu machen, was es will". Das Land betreibe selbst einen "regelrechten Holocaust" gegen die Palästinenser, sagte Mashaal vor Journalisten. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) warf er vor, diesen zu "decken, freiwillig oder unfreiwillig". Abbas selbst hatte zuvor ebenfalls gesagt, die Offensive sei "mehr als ein Holocaust". Er forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

Jordanien verurteilte das Vorgehen Israels scharf und forderte ein sofortiges Ende der Angriffe. Die Offensive sei eine Verletzung internationalen Rechts, erklärte das Außenministerium in Amman. Auch König Abdallah sprach nach Angaben des Königshauses in einem Telefonat mit Abbas von israelischem "Staatsterrorismus".

Ungeachtet der Offensive feuerten radikale Palästinenser erneut mehr als 50 Raketen auf Südisrael ab, wie der israelische Militärrundfunk berichtete. In der Stadt Ashkalon im Süden des Landes seien drei Zivilisten verletzt worden, darunter zwei Kinder.

(apa/red)

1.3.2008 19:59