Montag, 25. Februar 2008

Fortsetzung der türkischen Offensive: Die Armee dringt weiter in irakisches Gebiet ein

  • US-Regierung hofft auf kurzgehaltene Offensive
  • Irak sieht damit Bedrohung für gesamte Region

Türkische Truppen sind offenbar bis zu 25 Kilometer tief in den Nordirak eingedrungen. Die türkische Luftwaffe unterstützte den Vormarsch der Bodentruppen auf das Hauptquartier der Arbeiterpartei Kurdistans PKK in den Kandil-Bergen mit neuen Angriffen, wie türkische Medien berichteten. Artilleriefeuer war bis in die südostanatolische Grenzstadt Cukurca zu hören. Während Washington der Hoffnung Ausdruck gab, dass die Türken ihre Offensive kurzhalten, forderte die irakische Regierung Ankara auf, die Gebietseinheit des Irak zu respektieren.

"Wir hoffen, dass es sich um einen Einmarsch von kurzer Dauer handelt, der ihnen hilft, mit der Bedrohung fertig zu werden", sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. "Es ist offensichtlich keine ideale Situation", so Perino. Optimal wäre es, wenn "die PKK im Irak nicht mehr existiert". Die USA hatten Ankara ihre Unterstützung erklärt: Die PKK sei der gemeinsame Feind der USA und der Türkei, so US-Außenministerin Condoleezza Rice. Lobende Worte fand man im Weißen Haus auch dafür, dass Ankara mit der irakischen Führung in regem Dialog stünde.

"Wir wiederholen, dass sich die Bodenoffensive nur gegen die PKK richtet und unsere Truppen in die Türkei zurückkehren, sobald der Einsatz sein Ziel erreicht hat", betonte der türkische Regierungssprecher Cemil Cicek. Der türkische Generalstab hatte die irakischen Kurden gewarnt, die als Terrororganisation eingestufte PKK nicht zu unterstützen und PKK-Kämpfern keinen Unterschlupf zu gewähren.

Iraks Ministerpräsident warnt
Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki (Maliqi) rief die Türkei auf, die Souveränität und Einheit seines Landes zu respektieren. "Einseitige Operationen" über die Grenze hinweg seien eine Bedrohung für die gesamte Region, erklärte der Regierungschef. Die Türkei müsse ihre Truppen sobald wie möglich von irakischem Territorium abziehen. Eine länger andauernde Offensive der Türkei im Nordirak könnte Gefechte mit nordirakischen Kurden-Verbänden, den Peschmergas, auslösen, warnte der nationale Sicherheitsberater des Irak, Mowaffak (Moffawaq) al-Rubaie, vor Journalisten in Bagdad.

"Das muss um jeden Preis verhindert werden." Der radikale irakische Schiiten-Prediger Muktada (Moqtada) al-Sadr forderte die türkische Regierung auf, ihre Truppen aus dem Irak abzuziehen. "Wir fordern von unserem Nachbarland Türkei, von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und von dem türkischen muslimischen Volk, dass sie sich für Frieden und Stabilität in der Region einsetzen", hieß es in einer Erklärung al-Sadrs, die veröffentlicht wurde.

Wie weit schon vorgedrungen?
Nach Angaben der irakischen Kurden fanden die neuerlichen schweren Kämpfe in der Nähe des Zab-Flusses statt. Die Konfliktparteien machten aber keine Angaben dazu, wie weit die türkischen Truppen mittlerweile tatsächlich in irakisches Gebiet vorgedrungen sind. Laut der türkischen Agentur Dogan hat die türkische Armee seit Beginn der Offensive bereits große Gebiete im Nordirak unter ihre Kontrolle gebracht. Laut türkischem Generalstab ist die Zahl der getöteten kurdischen Rebellen inzwischen auf 153 gestiegen. Die PKK tut die Opferzahlen in ihren Reihen jedoch als zu hoch ab. Die kurdische Nachrichtenagentur Peyamner mit Sitz in der nordirakischen Stadt Arbil (Erbil) meldete ihrerseits, die PKK habe in dem Gebiet am Zab-Fluss 24 türkische Soldaten getötet. (apa/red)

25.2.2008 17:58