Montag, 25. Februar 2008

"Nachschauen, ob noch Leichen versteckt sind": Soko BAWAG filzt Flöttls Privatkeller!

  • Gefunden hat man bei Flöttl sen. aber "gar nichts"
  • Elsner fordert Kanzler Gusenbauer als Zeugen

Zu einer überraschenden Entwicklung ist es am 74. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess gekommen: Die Sonderkommission ist am Nachmittag vom Gericht entsandt worden, um im Keller von Ex-BAWAG-Generaldirektor Walter Flöttl nach Akten zu den "Karibik-1"-Geschäften zwischen der Bank und dem angeklagten Wolfgang Flöttl, Walter Flöttls Sohn, zu suchen. Nach Angaben von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner sind im Keller von Walter Flöttl, seinem Vorgänger an der Bank-Spitze, Unterlagen zu diesen Geschäften gelagert. Gefunden hat man dort aber laut informierten Kreisen "gar nichts".

Der heute 84-jährige Walter Flöttl wohnt in einem Penthouse am Fleischmarkt (Ecke Rotenturmstraße) in Wien Innere Stadt. In der Bank habe man einmal Unterlagen gesucht, dann habe ein Bank-Mitarbeiter gesagt, dass diese "in Vater Flöttls Keller" lägen, schilderte Elsner heute. Der Mitarbeiter habe auch erzählt, dass Flöttl sen. immer sämtliche Unterlagen zu sich nach Hause genommen habe, auch Aufsichtsratsprotokolle. Walter Flöttl war von 1972 bis 1995 Generaldirektor der BAWAG. "In seinem Keller sind diese Akten gestapelt, Sie können dort eine Hausdurchsuchung veranlassen", schlug Elsner dem Gericht vor - ein Vorschlag, der prompt aufgegriffen wurde.

"Gehen Sie nachschauen"
Statt einer Hausdurchsuchung fand eine "freiwillige Nachschau" bei Walter Flöttl statt. Auf seinen dringenden Wunsch hin begleitete der Angeklagte Wolfgang Flöttl die Beamten der Sonderkommission, damit sein Vater nicht beunruhigt werde, wie er vor Gericht ausführte. "Gehen Sie nachschauen, ob noch Leichen versteckt sind", kommentierte Richterin Claudia Bandion-Ortner launig den überraschenden Suchauftrag und schloss damit die Verhandlung bereits am frühen Nachmittag.

Die "Karibik-1"-Geschäfte der damaligen Gewerkschaftsbank mit Wolfgang Flöttl, Sohn des damaligen Generaldirektors der Bank, wurden nach öffentlicher Kritik an "Spekulationen" und "Vater-Sohn-Geschäften" 1994 beendet, nach bisherigen Berichten ist für die Bank dabei trotz der schnellen Rückführung kein Verlust entstanden. In der BAWAG selber waren dazu kaum Unterlagen gefunden worden. Am 8. Februar hatte Staatsanwalt Georg Krakow die Anklage gegen Elsner auf die Karibik-1-Geschäfte ausgedehnt. Elsner hat nun Untreue mit einem Gesamtschaden von 2,5 Mrd. Euro zu verantworten, es gilt die Unschuldsvermutung.

Auch beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG, langjähriger Prüfer der BAWAG, hielt die Sonderkommission Nachmittag gemeinsam mit dem angeklagten Ex-BAWAG-Wirtschaftsprüfer Robert Reiter "Nachschau", ob noch Unterlagen zu den Karibik-1-Geschäften vorhanden sind. "Ich kann im Keller der KPMG suchen, ob ich noch etwas finde", offerierte Reiter. Doch auch dort gab es "nichts Aufregendes" zu finden.

Befragungen wenig ergiebig
Die eigentlich angesetzten "ergänzenden Befragungen der Angeklagten" erwiesen sich als wenig ergiebig, die Angeklagten blieben bei ihren bisherigen Positionen. Für einiges Aufsehen sorgte nur Elsner, als es zwischen ihm und Wolfgang Flöttl zu widersprüchlichen Angaben gab: Während Flöttl behauptete, er habe Elsner am 21. November 2000 bei einem Treffen in Wien über die Verluste informiert, bestreitet Elsner, Flöttl damals überhaupt getroffen zu haben. Als "Beweis" könnte das Gericht doch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer als Zeugen laden, da dieser an dem Tag bei einer Veranstaltung der sozialdemokratischen Gewerkschafter im BAWAG-Hochholzerhof gesprochen habe und er, Elsner, anwesend gewesen sei, schlug der Angeklagte vor.

Am Mittwoch wird der Prozess mit der Befragung des Gutachters Fritz Kleiner durch die Anwälte von Wirtschaftsprüfer Reiter fortgesetzt. Die angekündigten rund 800 Fragen von Elsners Anwalt Wolfgang Schubert an Kleiner werden nun schriftlich vorgelegt. (apa/red)

25.2.2008 20:34