Ungarns Eisenbahner legen Arbeit nieder: Auch ÖBB-Fernverkehr vom Streik betroffen
- Gewerkschaft fordert zehnprozentige Lohnerhöhung
- Genaues Ausmaß der Auswirkungen aber unbekannt

Die ungarische Eisenbahnergewerkschaft VDSZSZ hat ihren unbefristeten Streik fortgesetzt. Dies gab VDSZSZ-Chef Gasko bekannt. Die VDSZSZ hatte ihre Arbeitsniederlegungen am 1. Februar begonnen und inzwischen mehrfach eingestellt. Auch der Einsatz eines Vermittlers konnte keine Einigung zwischen Gewerkschaft und den ungarischen Staatsbahnen MAV bringen.
Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Gehälter um 10 Prozent sowie eine einmalige Zahlung von 250.000 Forint für jeden Eisenbahner aus den Einnahmen des Verkaufs der Logistiksparte MAV Cargo an die ÖBB. Die MAV-Gruppe lehnt die Erfüllung dieser Forderungen nach wie vor ab.
Der Streik wird sich auch auf den internationalen Zugverkehr negativ auswirken. Bei den vorangegangenen Streik-Aktionen der Ungarn hatte es immer wieder größere Verzögerungen auch für den Bahnverkehr nach Österreich gegeben. Über die jetzigen Auswirkungen auf die Fahrpläne gab es vonseiten der Österreichischen Bundesbahnen noch keine Details. Aktuelle Informationen sind in der Folge auch im ÖBB-Call-Center 05-1717 (österreichweit zum Ortstarif) zu erfragen.
MAV: "Außerordentlich schädlich"
Die ungarischen Staatsbahnen MAV werteten das Verhalten der Eisenbahnergewerkschaft VDSZSZ für "außerordentlich schädlich". Die MAV-Gruppe kritisierte, dass die Chefetage der VDSZSZ ihre Mitglieder mit wahrheitswidrigen Argumenten zur Arbeitsniederlegung auffordere. MAV-Sprecher Tibor Sigulinszkiy sprach dabei u.a. die ÖBB-Akquisition an.
Die MAV hätte nichts zu tun mit der "österreichischen Erfolgsprämien-Angelegenheit", bei der die ÖBB einer ungarischen Lobbying-Firma im Zusammenhang mit der Akquisition der ungarischen MAV Cargo eine "Erfolgsprämie" in Höhe 7,1 Mio. Euro zahlen würde.
"Erfolgsprämie" belaste österreichische Seite
Das sei eine Angelegenheit der ÖBB und der ungarischen Firma, die nichts zu tun habe mit dem Privatisierungsvertrag der MAV Cargo. Die Auszahlung der "Erfolgsprämie" würde allein die österreichische Seite und nicht das Budget der MAV belasten, argumentiert man bei der MAV. Daher sei es höchst verantwortungslos, dass die VDSZSZ ihre Mitglieder unter Berufung auf diese "Erfolgsprämie" zum Streik aufruft, so Sigulinszky.
Der Chef der VDSZSZ, Istvan Gasko, kündigte unterdessen "chaotische Zustände" im Zugverkehr an, sollten sich MAV und VDSZSZ nicht einigen. Zugleich warf Gasko der MAV-Gruppe vor, keinerlei Kompromissbreitschaft zu zeigen. (apa/red)

