Schlumberger will im Osten durchstarten: Neo-Boss Kranbitter gibt ordentlich Gas
- FORMAT über die geplante Expansion nach Osteuropa
- Gespräch mit Handelsketten der Region weit gediehen

Der neue Chef der Sektkellerei Schlumberger gibt Gas: Er will erstmals über Handelsketten die Expansion in Osteuropa angehen. Manager wie Eduard Kranebitter sind selten. In Österreich wie anderswo. Gleich zweimal zog es den Tiroler in jungen Jahren durch die Sahara, einmal mit, einmal ohne Freundin. Zwischenzeitlich brillierte er als Tiefseetaucher in einer ZDF-Doku, erforschte Inselparadiese, Berglandschaften und sonstige Traumdestinationen dieser Erde. Noch heute kommt Kranebitter selten zur Ruhe - auch wenn sein Vagabundenleben mit fünfzig Jahren vorbei ist. Vorerst jedenfalls.
Anfang Jänner hat der einstige Weltenbummler Gerhard Lacher an der Spitze der Schlumberger AG abgelöst. Sein ambitioniertes Ziel: die Wiener Sektmarke in Osteuropa zu etablieren. Die Chancen dafür stehen gut, denn Kranebitters Gespräche mit Handelsketten in der Region sind weit gediehen.
Kein Unbekannter
Als Kranebitter 2006 in den Vorstand von Schlumberger berufen wurde, war er in der Branche kein Unbekannter. Mehr als zwanzig Jahre arbeitete er für namhafte Firmen wie Procter & Gamble und Kraft Foods. Beim Schaumweinerzeuger witterte er schließlich die Chance, seine Führungsqualitäten zu entfalten. "Ich will hier nicht alles umkrempeln, nur alles schneller umsetzen", skizziert Kranebitter seinen neuen Job.
Expansion in den Osten
Im Lebensmittelhandel ist das traditionsreiche Unternehmen mit seinen Schaumweinen bisher nur in Österreich vertreten. Während der Vertrieb über die Gastro-Schiene in Deutschland vielversprechend läuft, geht dieses Geschäft in Osteuropa bislang schleppend - was sich nun ändern soll. Kranebitter führt gerade in mehreren Ost-ländern Gespräche mit Gastronomiebetreibern, aber auch mit Handelsketten, darunter mit Tesco und Spar. Im Fokus stehen dabei Ungarn, die Slowakei, Tschechien, Slowenien, Kroatien und Russland. "Ein Abschluss mit einer Handelskette in Ungarn steht bevor", verrät Kranebitter. Schlumberger-Sekt soll es dort schon zu Jahresende zu kaufen geben. "Wir werden im Osten vorerst mit unseren Sektsorten White Secco, Sparkling und Rosé vertreten sein", sagt der Manager.
Auf nach Amerika
Auch über den Großen Teich zieht es den umtriebigen Tiroler. An der Ostküste Amerikas, zum Beispiel in den Bundesstaaten New York und New Jersey, will Kranebitter die von Schlumberger vermarktete Schnapsmarke Rossbacher etablieren. Der Eintritt in den hart umkämpften US-Markt wird im Moment geprüft. Kranebitter hat auch einige Innovationen im Köcher. Rechtzeitig vor der Fußball-EM soll es schon ab April den trockenen Sekt Sparkling Champion um 10,90 Euro geben.
Umsatzsteigerung
In dem mit Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2006/ 2007 setzte Schlumberger 192,4 Millionen Euro um (plus 2,2 Prozent), das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um 2,4 Prozent auf 1,74 Millionen. 45 Prozent der Erlöse entfallen auf Spirituosen, 40 Prozent werden mit Schaumweinen erwirtschaftet, der Rest mit alkoholfreien Getränken und Premiumweinen. Für heuer rechnet Kranebitter mit einem Umsatzplus von 8 bis 9 Prozent, das Ebit soll um 11 bis 13 Prozent steigen. Ob der Sportfreak ("Ich gehe am liebsten um sechs Uhr morgens laufen") angesichts der alkoholischen Angebotsvielfalt selbst gern ein Gläschen kippt? "Natürlich", sagt Kranebitter unumwunden.
Mehr zu Wirtschaft und Geld lesen Sie im aktuellen FORMAT 08/08.

