PKK-Führer ruft zum Aufstand auf: Türkei- Städte sollen unbewohnbar gemacht werden
- Heftige Proteste gegen türkische Angriffe im Nordirak
- Kampfhubschrauber von Rebellen abgeschossen

Aus Protest gegen die türkische Offensive im Nordirak hat ein führender Rebellenkommandant die Kurden in der Türkei zum Aufstand aufgerufen. "Wenn sie uns zerstören wollen, dann müssen unsere jungen Leute die Städte der Türkei unbewohnbar machen", sagte Bahoz Erdal der Agentur Firat zufolge, die der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahe steht.
Türkische Truppen waren in den Nordirak einmarschiert, um dort gegen kurdische Separatisten vorzugehen. Die PKK nutzt nach Einschätzung der türkischen Regierung den Nordirak als Rückzugsraum und Basis für Angriffe in der Türkei.
Türkischer Kampfhubschrauber abgeschossen
Bei den Gefechten im Nordirak schossen die Rebellen unterdessen nach eigener Darstellung einen türkischen Kampfhubschrauber ab. Der Hubschrauber vom Typ Cobra sei am Samstag bei Kämpfen in einer grenznahen Region getroffen worden, teilte die PKK am Sonntag mit. Die Kämpfe dauerten noch an. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Der türkische Generalstab bestätigte den Absturz, sagte aber, der Grund dafür sei unbekannt.
Mit F-16-Kampfflugzeugen, Schützenpanzern und Eliteeinheiten haben die türkischen Truppen das nordirakische Grenzgebiet nach kurdischen Rebellen durchkämmt. Das türkische Militär meldete, seit Beginn der Offensive seien 112 Rebellen getötet worden. Ein PKK-Sprecher sagte unterdessen, die Verluste aufseiten der PKK seien geringer als von Ankara dargestellt. "Diese Berichte sollen wohl die Moral der Truppe stärken", meinte Ahmed Deniz.
Aktive Unterstützung der USA
Der PKK-Kommandant warf unterdessen den USA vor, aktiv an der türkischen Bodenoffensive im Nordirak beteiligt zu sein. US-Aufklärungsflugzeuge seien in der Region im Einsatz, sagte Erdal: "Sie versorgen die türkische Armee umgehend mit Informationen über unsere Stellungen, und dann bombardieren türkische Kriegsflugzeuge das Gebiet." An den "Machenschaften" seien auch einige kurdisch-irakische Gruppen beteiligt.
Der irakische Staatspräsident, der Kurde Jalal Talabani, hat nach Worten des PKK-Kommandanten eine "sehr gefährliche Haltung" in dem Konflikt. Nach seinen Informationen habe Talabani die türkische Armee sogar zum Einmarsch in die Kandil-Berge im Nordirak aufgefordert. Die irakischen Kurden forderte Erdal zum Widerstand gegen die türkische Offensive auf. Wenn sie nicht mitspielten, werde der türkisch Angriff scheitern, sagte er.
Die USA erklärten ihre Unterstützung für die türkische Offensive. Die PKK sei der gemeinsame Feind der USA und der Türkei, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice in Washington. Verteidigungsminister Robert Gates drückte gleichzeitig am Wochenende bei seinem Besuch in Australien die Hoffnung aus, dass die Aktionen der Türkei im Irak bald beendet würden. Der Minister verlangte vor Journalisten auch mehr Bemühungen Ankaras, die kurdische Minderheit mit politischen Maßnahmen besser in das Staatsgebilde zu integrieren. Gleichzeitig ging er davon aus, dass die türkische Offensive "keine Bedrohung" für die Stabilität des Irak darstelle.
Auf der Suche nach Lösungen ohne Waffen
Ranghohe irakische Regierungsmitglieder forderten Ankara unterdessen zur Suche nichtmilitärischer Lösungen auf. Militäraktionen würden das PKK-Problem nicht lösen, sagte Regierungssprecher Ali al-Dabbagh. Der Präsident der kurdischen Region im Nordirak, Massud Barzani, forderte die Türkei auf, keine Zivilpersonen zu verletzen oder Infrastruktur zu beschädigen, sonst würden die Iraker Widerstand leisten. Die Öllieferungen des Irak an die Türkei waren nach Angaben des Energieministeriums jedoch nicht von dem Konflikt beeinträchtigt. (apa/red)
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