Sonntag, 24. Februar 2008

Castro lehnt Wunsch nach 'Wandel' klar ab:
USA und EU blitzen bei Revolutionsführer ab

  • Das Land werde "dialektischen Kurs" weiter verfolgen
  • Plus: Scharfe Kritik an US-Präsidentschaftsanwärtern

Nach dem Verzicht auf seine Ämter an der Spitze von Staat, Regierung und Armee hat der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro einem von den USA und der EU geforderten "Wandel" auf der Karibikinsel eine klare Absage erteilt. In einem Artikel unter dem Titel "Überlegungen des Genossen Fidel" - statt wie bisher "Überlegungen des Comandante en Jefe" - warf Castro US-Präsident George W. Bush vor, er wünsche Kubas "Annexion". Nichts anderes bedeuteten Bushs Reden von der jetzt anstehenden "Freiheit für Kuba".

Der 81-jährige schwerkranke Castro, der neun US-Präsidentschaften überdauerte, kritisierte auch die Anwärter auf die Bush-Nachfolge, Hillary Clinton, Barack Obama und John McCain. Fast ein halbes Jahrhundert dauere nun schon die von den USA gegen Kuba verhängte Blockade, doch jetzt hätten diese Politiker gar nicht schnell genug unisono rufen können: "Wandel, Wandel, Wandel". Damit sei er einverstanden, fügte Castro ironisch hinzu: "Wandel, aber in den Vereinigten Staaten".

Kuba habe sich schon seit einiger Zeit verändert, und das Land werde seinen "dialektischen Kurs" fortsetzen. Eine Rückkehr zu den Zeiten vor der Revolution gegen die US-treue Batista-Diktatur von 1959 werde es in Kuba jedenfalls nicht geben. Daran ändere auch nicht, dass die mit den USA verbündeten "europäischen Mächte" die Stunde für gekommen hielten, zur "Musik von Demokratie und Freiheit zu tanzen", die sie "niemals wirklich kennengelernt" hätten.

Die demnächst einberufenen 614 kubanischen Parlamentsabgeordneten, größtenteils Mitglieder der Kommunistischen Partei, wählen aus ihrer Mitte für weitere fünf Jahre die 31 Mitglieder des Staatsrates sowie dessen Vorsitzenden. Als aussichtsreichster Kandidat für diesen Posten des Staatspräsidenten gilt allgemein der 76-jährige Bruder des "lider maximo" und derzeitige Erste Vizepräsident, Raul Castro. Ihm hatte sein älterer Bruder nach seiner schweren Darmoperation im Juli 2006 bereits "vorübergehend" die Amtsgeschäfte übertragen. Am Dienstag hatte Fidel Castro seinen Rückzug von der Staatsspitze bekanntgegeben. Ins Parlament hatte er sich zuvor noch wählen lassen. Auch das Amt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei übt er weiterhin aus. (apa/red)

24.2.2008 22:06