Sonntag, 24. Februar 2008

Serben-Demo in Wien kurzfristig eskaliert:
Zahlreiche Schlägereien und Festnahmen

  • Verletzte unter Demonstranten und der Exekutive
  • Veranstalter distanzieren sich von den Zwischenfällen
    PLUS: Die BILDER zum Verlauf der Ausschreitungen

Eine Demonstration von tausenden Serben, die auf dem Wiener Heldenplatz ruhig begonnen hatte, ist im Laufe des Nachmittags eskaliert. Kleinere Gruppe von insgesamt rund 400 Jugendlichen lieferten sich nach dem offiziellen Ende der Kundgebung in Wien-Ottakring und nahe des Westbahnhofs Schlägereien mit der Polizei und jungen Kosovo-Albanern. Es kam auch zu Ausschreitungen mit Sachschäden. Fünf Personen wurden festgenommen, bis zu 20 Personen wurden angezeigt.

Sowohl unter den Demonstranten als auch bei der Exekutive gab es Verletzte. Die Demo wurde gegen 18.30 Uhr aufgelöst. Die Veranstalter distanzierten sich von den Vorfällen.

Massives Polizeiaufgebot
Ein Teil der Protestierenden bewegte sich nach dem offiziellen Ende der Kundgebung vom Heldenplatz über den Ring in Richtung US-Botschaft in der Boltzmanngasse. Die massiv vertretene Polizei in Alarmausrüstung riegelte die Gegend jedoch ab, worauf sich rund 400 Demonstranten über den Gürtel in Richtung Ottakringer Straße bewegten. Es kam zu mehreren gewalttätigen Scharmützeln mit der Polizei und Ausschreitungen. In der Ottakringer Straße befinden sich mehrere Lokale, die vorwiegend von Serben, Kroaten oder Kosovo-Albanern frequentiert werden.

Geteilte Meinungen
Am Straßenrand hatten sich während des gesamten Verlaufs zahlreiche Schaulustige eingefunden. Deren Reaktionen waren unterschiedlicher Natur. Zum Teil gab es "Szenenapplaus" für den serbischen Protest, es waren aber auch weniger wohlmeinende Zwischenrufe wie "Schleicht's eich endlich ham" zu hören. Die genaue Anzahl der Festgenommenen stand laut Polizeiangaben von Sonntagabend nicht fest. Es seien aber mehr als ursprünglich genannte vier Personen betroffen gewesen.

Durch die Demonstration kam es auch zu Behinderungen im öffentlichen Verkehr, mehrere Straßenbahnlinien mussten abgelenkt bzw. verkürzt geführt werden. Zu Beginn der Veranstaltung unter dem Motto "Recht und Gerechtigkeit" hatten sich laut Polizei mindestens 5.000 Menschen am Heldenplatz eingefunden. Die Veranstalter sprachen von bis zu 10.000 Demonstranten. Viele Teilnehmer waren aus anderen Bundesländern, etwa aus Salzburg und der Steiermark, angereist.

"Kosovo war und wird immer Serbien bleiben"
Mit Dutzenden Transparenten und Parolen wie "Wir geben Kosovo nicht her" und "Kosovo ist das Herz Serbiens" ließen die Menschen ihrem Unmut freien Lauf. "Kosovo ist das Herz und die Seele Serbiens", "Kosovo war und wird immer Serbien bleiben", skandierten die Serben bei der sehr emotionalen Demo am Heldenplatz. Vertreter der serbischen Gemeinschaft in Österreich hielten Reden und sprachen von "Unrecht" und "Tragödie".

Vorgelesen wurden schriftliche Stellungnahmen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dem Autor Peter Handke. Beide ernteten viel Applaus. Hingegen gab es gellende Pfiffe bei der Erwähnung der Namen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Außenministerin Ursula Plassnik. In Sprechchören riefen die Demonstranten auch immer wieder "Rusija" (Russland). Viele Buhrufe gab es für die USA und jene EU-Staaten, die den Kosovo anerkannten oder - wie Österreich - demnächst anerkennen wollen.

Veranstalter distanzieren sich
Die Initiatoren und Veranstalter der Kundgebung distanzierten sich am Abend von den gewaltsamen Vorfälle "auf das Schärfste", wie Darko Miloradovic von der "Serbischen Gemeinschaft" gegenüber der APA betonte. Es seien kleinere Gruppen von Jugendlichen gewesen, die eine an sich friedliche Veranstaltung für "Recht und Gerechtigkeit" eskalieren hätten lassen. Miloradovic bedauerte auch, dass es verletzte Polizisten gegeben habe. "Wir danken der Polizei für ihren Einsatz." Eine serbische Kundgebung fand auch in Salzburg statt. Dort gab es keine Zwischenfälle. (apa/red)

24.2.2008 21:41