Mittwoch, 13. Februar 2008

Überstellung am 13. Februar 2007: Vor
einem Jahr wurde Helmut Elsner ausgeliefert

  • Banker aus Südfrankreich nach Österreich gebracht
  • Seit 16. Juli läuft Strafprozess gegen Ex-BAWAG-Chef

Die Auslieferung von Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner aus Frankreich nach Österreich jährte sich zum ersten Mal. Elsner war am Abend des 13. Februar 2007 nach einem monatelangen Rechtsstreit von Südfrankreich nach Wien ausgeliefert worden und wurde hier sofort in Haft genommen. Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz bestätigte Justizministerin Maria Berger die Rückkehr Elsners nach Österreich. "Elsner ist nicht freiwillig mitgekommen", erklärte Staatsanwalt Georg Krakow die Lage.

Monatelang hatte sich Elsner einer Auslieferung nach Österreich unter Hinweis auf Herzprobleme entzogen. Der Ex-Banker war bereits im September 2006 in seinem Haus in Mougins in Südfrankreich verhaftet worden, wehrte sich aber bis zuletzt mit medizinischen Gutachten gegen seine Auslieferung. Nach nur wenigen Tagen im französischen Gefängnis hielt sich der pensionierte Banker abwechselnd in seiner Villa und in französischen Spitälern auf.

Fünf Monate nach seiner ersten Verhaftung in seiner Villa in Aix en Provence war Elsner dann doch von den französischen Behörden nach Wien ausgeliefert worden. Zwei Ärzte hatten im Auftrag der französischen Staatsanwaltschaft die Transportfähigkeit bescheinigt. Unter höchster Geheimhaltung brachten österreichische Exekutivbeamte den damals 71-Jährigen (geb. am 12. Mai 1935) auf dem Luftweg nach Wien.

Seit 14. Februar 2007 in U-Haft
Dem Antrag Krakows auf Verhängung der Untersuchungshaft wurde von Untersuchungsrichterin Gerda Krausam stattgegeben. Am 14. Februar 2007 wurde über Elsner wegen Fluchtgefahr die U-Haft verhängt, die seitdem nicht aufgehoben wurde. Auch eine Herzoperation am 21. Februar im Wiener AKH, als Elsner einen dreifachen Bypass erhielt, und eine darauf folgende mehrwöchige Rehabilitation im Kur- und Rehabzentrum Treibach-Althofen in Kärnten änderten nichts an der andauernden Haftsituation. Auch während des Strafprozesses wurden mehrfach Anträge des Verteidigers von Elsner, Wolfgang Schubert, auf Aufhebung der U-Haft abgelehnt.

BAWAG-Prozess voll im Gange
Seit 16. Juli 2007 muss sich Elsner als Hauptangeklagter im BAWAG-Strafprozess im Wiener Landesgericht verantworten. Die von Staatsanwalt Krakow vertretene Anklage gegen den früheren Bank-Chef lautete zu Prozessbeginn auf Untreue in Höhe von 1,44 Mrd. Euro Schaden, schweren Betrug und Bilanzfälschung. Das Schöffengericht steht unter Vorsitz von Richterin Claudia Bandion-Ortner.

Anklage verschärft
Am 68. Verhandlungstag wurde die Anklage gegen Elsner auf einen - zumindest vorübergehenden - Schaden von 2,5 Mrd. Euro verschärft. Neben den verlustreichen "Karibik2"-Geschäften der Bank mit dem Spekulanten Wolfgang Flöttl wird Elsner nun auch die erste Phase der Flöttl-Geschäfte ("Karibik-1") von 1987 bis 1994 vorgeworfen - auch wenn damals das Geld laut Berichten an die BAWAG zurückfloss. Elsner saß seit 1978 im BAWAG-Vorstand, 1995 wurde er Generaldirektor. Im Jahr 2003 ging Elsner in Pension.

Warten auf Urteil
Elsner hat sich immer als "nicht schuldig" bezeichnet, hingegen legte Elsners Nachfolger an der Bank-Spitze, Johann Zwettler, Ende November ein Teilgeständnis ab und belastete seitdem in seinen Aussagen seinen früheren Generaldirektor immer wieder schwer. Bis zum Urteil über Elsner und die anderen acht Angeklagten könnte es noch bis Mai dauern. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. (apa)

13.2.2008 20:25