Freitag, 15. Februar 2008

Beträchtliches Budgetloch: 355 Millionen Minus bei Österreichs Krankenversicherung

  • Einnahmen sind gegenüber '06 allerdings angestiegen
  • GKK allein verlor fast 429 Millionen € in einem Jahr

Das Defizit aller 19 Krankenkassen beträgt für das Jahr 2007 nach dem vorläufigen Gebarungsabgang 354,8 Millionen Euro. Das bedeutet gegenüber der Prognose vom November des Vorjahres mit 354,7 Millionen Euro praktisch keine Änderung. Sieht man sich die neun Gebietskrankenkassen an, so ist aber mit einem Minus von 428,9 Millionen Euro (Prognose: 405,0 Mio. Euro) eine Verschlechterung eingetreten.

Für das laufende Jahr rechnet der Hauptverband der Sozialversicherungsträger mit einem Abgang von 313,6 Millionen Euro, wobei das Defizit der Gebietskrankenkassen auf 285,5 Millionen Euro sinken soll. Hauptverbands-Vorstand Erich Laminger verwies auf massive Aufwandssteigerungen im Leistungsbereich. Die auf Grund guter Konjunktur erfreuliche Beschäftigungsentwicklung habe zwar zu einer neuerlich besseren Entwicklung der Beitragseinnahmen geführt, konnte aber die massive Kostensteigerung bei weitem nicht ausgleichen.

Einnahmen gestiegen
Eine erste Analyse habe gezeigt, dass die Einnahmen gegenüber 2006 um 4,2 Prozent gestiegen sind und somit um 94 Millionen Euro über den ursprünglichen Erwartungen liegen. Massive Abweichungen gegenüber dem Voranschlag seien in den Leistungsbereichen "Ärztliche Hilfe", "Medikamente" und "Krankengeld" zu verzeichnen. Diese Positionen sind demnach gegenüber 2006 um 5,6 Prozent (ärztliche Hilfe), 8,2 Prozent (Medikamente) und 9,3 Prozent (Krankengeld) gestiegen, also wesentlich höher als die Einnahmensteigerungen. "Das Ergebnis zeigt, dass wir uns insbesondere mit jenen Leistungsbereichen auseinandersetzen müssen, in denen die Mengenentwicklung nicht mit den belegten medizinischen Erkenntnissen übereinstimmt", stellt Laminger fest.

"Minus war absehbar
Wenig überrascht gibt man sich im Gesundheitsministerium über die jüngsten Zahlen zum anhaltenden Minus der Krankenkassen. Anhand der Prognosen seien diese "absehbar" gewesen, erklärte der Sprecher von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, Jürgen Beilein, gegenüber der APA. Das Ergebnis sei ein "klares Zeichen, dass die geplanten Sanierungsschritte des Kassensystems nicht obsolet sind", meinte er. Für Anfang März sei die nächste Gesprächsrunde zwischen der Regierung und den Sozialpartnern zum Thema geplant, so Beilein.

(apa/red)

15.2.2008 16:26