Neuer Shopping-Tempel für Wien? BAWAG soll Luxuskaufhaus am Tuchlauben weichen
- René Benko plant die Verlängerung der Luxusmeile
- Immoblien-Investor hat Interesse an Nebengebäuden

Die luxeriöse Einkaufsmeile Kohlmarkt steht für einen mondänen Lebensstil. Auch Wien will daran teilhaben. Die Nachricht des Immoblien-Investors Benko, eine Verlängerung der Einkaufsmeile zu gestalten, hat bei der Stadtverwaltung Begeisterung ausgelöst. Mit der Übernahme der BAWAG-Immobilie am Tuchlauben hat er dafür die Voraussetzungen geschafft. Man hofft damit Wien als Weltstadt aufwerten zu können. Doch eine Frage bleibt offen: Müssen Elsner, Flöttl und Verzetnitsch ausziehen?
Mehr Weltstadt-Flair will der junge Tiroler Immobilien-Investor René Benko der Wiener City einhauchen. Kern des Plans ist die Prunkimmobilie Tuchlauben/Seitzergasse, die schicksalsträchtige Zentrale der Bawag. Wie in der Stadtverwaltung bereits begeistert kolportiert wird, soll ebendort eine Art Harrods für Wien entstehen, also ein Luxus-Shoppingtempel.
Shopping-Luxus für Wien
Der smarte Immobilien-Entwickler Benko, der auch das Kaufhaus Tyrol im Herzen von Innsbruck neu erstrahlen lässt, hat den 23.000 Quadratmeter umfassenden Komplex in bester Innenstadtlage Ende Dezember in dem rund 450 Millionen Euro schweren "Imperial"-Immo-Paket der Bawag erworben. "Tatsächlich ist es mein Plan, die Luxusmeile Kohlmarkt zu verlängern", bestätigt Benko im NEWS-Gespräch.
Dort ein luxuriöses Großkaufhaus à la Harrods zu etablieren ist für Benko "eine Denkvariante". "Die Häuser gehören mir erst seit 20. Dezember. Wir prüfen jetzt sämtliche Möglichkeiten gewissenhaft", erklärt der Immo-Investor. Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Denn mit Jahresende übersiedelt die Bawag ihre Zentrale bereits in die Postsparkasse am Georg-Coch-Platz, wie Bawag-Sprecher Thomas Heimhofer bestätigt.
Hohe Wertsteigerung
Aus der Bawag-Zentrale eine hochwertige Handelsimmobilie zu machen und damit den Kohlmarkt, der von internationalen Luxusboutiquen gesäumt ist, auszudehnen stößt bei Experten auf Begeisterung. "Für Wien als Weltstadt wäre es eine starke Aufwertung", meint Immobilien-Profi Alfons Metzger. "Es gibt noch genügend internationale Marken, die gerne mit eigenen Geschäften nach Wien kommen wollen", weiß Metzger. Derzeit ist allerdings der Raum begrenzt. Am Kohlmarkt werden schon 250 bis 350 Euro pro Quadratmeter an Miete berappt. "Das Projekt hat riesiges Wertsteigerungspotenzial", so Benko.
Interesse am Nachbargebäude. Nebenbei zeigt Benko mit seiner Signa Holding auch Interesse am Nebengebäude: Die Bank Austria verkauft gleich neben der Bawag-Zentrale die frühere Länderbank-Zentrale mit 21.720 Quadratmeter Nutzfläche. "Wir sehen uns das an", so Benko knapp. Eine Zusammenführung beider Gebäude werde geprüft, dürfte aber "technisch eher schwierig" sein, weil die Seitzergasse dazwischen liegt. Aber da hat Benko schon ganz andere Probleme gelöst.
Berüchtigte Penthäuser
Zuversichtlich zeigt sich Benko, schon bald Alleineigentümer der Bawag-Zentrale zu werden. Noch residiert dort Ruth Elsner als Penthouse-Eigentümerin. Auf neue Verhältnisse einstimmen müssen sich aber auch Elsner-Mentor und Ex-Bawag-General Walter Flöttl sowie der frühere ÖGB-Boss Fritz Verzetnitsch. Die beiden ehemals mächtigen Herren residieren am Dach des Bawag-Gebäudes am Fleischmarkt, welches nun ebenfalls Benko gehört. Die Bawag räumt den 18.500 Quadratmeter umfassenden Komplex bis spätestens 2010. Benko prüft derzeit zwei Entwicklungsvarianten: hochwertige Büros oder ein Luxushotel. Dass mit Flöttl und Verzetnitsch Umzugspläne verhandelt werden, meinen aber nur Insider zu wissen.
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