Österreichs Wirtschaftswachstum Ende 2007 leicht gebremst: 3,4 Prozent Zuwachs
- Schlechtere Auftragslage 2008: Neue Rezession droht
- Abschwächung der Industriekonjunktur wird erwartet

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Das österreichische Wirtschaftswachstum ist im vorigen Jahr um 3,4 Prozent gewachsen. Das geht aus der veröffentlichten ersten Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo zum 4. Quartal hervor. Demnach hat sich das Wirtschaftswachstum zu Jahresende nur leicht verlangsamt. Die Entwicklung der Auftragslage im ersten Quartal 2008 deute aber auf eine Abschwächung der Industriekonjunktur hin, so das Wifo in seiner Analyse.
Vergleicht man das Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit dem Vorquartal, lag der Anstieg demnach im letzten Jahresviertel 2007 bei 0,7 Prozent. Im dritten Quartal waren es 0,8 Prozent gewesen. Im Jahresabstand ist das heimische Wirtschaftswachstum im vierten Quartal auf 3,2 Prozent zurückgegangen, nach noch 3,5 Prozent im dritten Quartal.
Kursschwankungen auf den internationalen Finanzmärkten erhöhten die Unsicherheiten über die künftige Wirtschaftsentwicklung und dämpften zusammen mit dem beschleunigten Anstieg der Verbraucherpreise das Konsumentenvertrauen, erklärte das Wifo. Für das Gesamtjahr 2008 haben die Wirtschaftsforscher im Dezember einen Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 2,2 Prozent vorhergesagt - eine Einschätzung, die Wifo-Chef Karl Aiginger Ende Jänner zwar als optimistisch, aber noch erreichbar bezeichnet hat.
Im 4. Quartal, in dem das heimische BIP gegenüber dem Vorquartal real nur noch um 0,7 Prozent gewachsen ist (nach noch +0,8 Prozent im 3. Quartal), zeigte sich der produzierende Bereich in Österreich mit einem realen Plus von 1,2 Prozent gegenüber der Vorperiode "nach wie vor robust", wenn auch die Zuwachsrate deutlich unter jener zu Jahresbeginn 2007 blieb. Das Bauwesen, im 1. Halbjahr noch ein Motor der heimischen Konjunktur, expandierte nach Angaben des Wifo im 4. Quartal nur noch mäßig mit +0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Außenhandel verlor an Schwung
Angesichts des nachlassenden Wachstums der Auslandsnachfrage habe auch der Außenhandel zu Jahresende etwas an Schwung eingebüßt, erklärte das Wifo weiter. Die Exporte stiegen im 4. Quartal im Jahresabstand real um 7,0 Prozent, im Gesamtjahr 2007 real um 8,1 Prozent, während die Importe real um 7,0 Prozent zulegten.
Die internationalen Rahmenbedingungen hätten sich in den letzten Wochen weiter verschlechtert, so das Wifo: In den USA wuchs die Wirtschaft im 4. Quartal mit real +0,2 Prozent gegenüber der Vorperiode kaum mehr, wobei vor allem der Rückgang der Wohnbauinvestitionen dämpfend gewirkt habe. Der Wertverlust von Immobilien und Finanzanlagen aufgrund der Hypothekarkreditkrise habe die Expansion der privaten Konsumausgaben - die in den vergangenen Jahren die US-Konjunktur getragen haben - zwar verringert, bisher aber nur wenig. Zusammen mit der weiteren Dollar-Abwertung gegenüber dem Euro beeinflusse diese Entwicklung dennoch die Exportzuversicht in Europa: "Stimmungsindikatoren zeigen im Euro-Raum eine Eintrübung der Vertrauensindikatoren in der Industrie und im privaten Konsum."
Industriekonjunktur schwächer
Auch in Österreich widerspiegeln die Ergebnisse des Wifo-Konjunkturtests eine Abschwächung der Industriekonjunktur, so das Forschungsinstitut. Der Anteil von Unternehmen mit ausreichendem oder mehr als ausreichendem Auftragsbestand geht seit einigen Monaten zurück, war aber im Jänner mit rund 75 Prozent immer noch höher als im längerfristigen Durchschnitt.
Infolge des Booms in der exportorientierten Industrie expandierte 2007 auch die Investitionsnachfrage, allerdings schwächer als in früheren Aufschwungphasen. Die Ausrüstungsinvestitionen übertrafen das Niveau von 2006 real um 6,5 Prozent; die Entwicklung verlor hier im 4. Quartal ebenfalls an Schwung. Die Industriekonjunktur übertrug sich auch 2007 nicht auf die Konsumnachfrage der privaten Haushalte (real +1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr), vielmehr verlangsamte sich deren Wachstum im 4. Quartal erneut (+0,3 Prozent gegenüber der Vorperiode).
"Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und die Verteuerung von Gütern des täglichen Bedarfs drücken das Verbrauchervertrauen", so das Wifo. Die Tariflohn-Steigerung sei im Dezember mit 2,5 Prozent hinter dem Verbraucherpreisanstieg von 3,6 Prozent nach nationaler Berechnung deutlich zurückgeblieben.
(APA/red)

