Mittwoch, 13. Februar 2008

Giovanni Trapattoni geht im Sommer weg:
Der "Mister" wird neuer Teamchef in Irland

  • Italienische Trainerlegende erhält Zweijahresvertrag
  • Ziel: "Titel als Abschiedsgeschenk für meine Bullen"

Das bis dato prominenteste Trainer-Gastspiel der österreichischen Fußball-Geschichte geht am 26. April 2008 in Altach zu Ende. Giovanni Trapattoni hat bestätigt, dass er seinen mit 30. Juni auslaufenden Vertrag bei Meister Red Bull Salzburg nicht verlängern und als irischer Teamchef fungieren wird. "Das ist eine große und neue Herausforderung für mich", meinte der vom Fußball anscheinend nimmersatte 68-Jährige.

Der Italiener erhält in Irland einen Vertrag bis zur WM 2010 mit Option auf Verlängerung. Er wird bereits am 24. Mai im Testspiel gegen Serbien auf der Bank sitzen.

Milliardär finanziert Teil von Trapattoni-Gehalt
Das Salär des Italieners wird zu einem Teil vom Unternehmer Denis O'Brien finanziert, einem der reichsten Männer Irlands. O'Brien ist in der Mobilfunk- und Medienbranche tätig und laut Schätzungen mehr als 2,2 Milliarden Euro "schwer".

Das Ziel auf der 4,5 Mio. Einwohner-Insel ist ganz klar die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika. Auf dem Weg dorthin wartet auf Trapattoni in der Qualifikations-Gruppe 8 ausgerechnet sein Heimatland Italien, zudem heißen die weiteren Kontrahenten Bulgarien, Zypern, Georgien und Montenegro.

"Die Quali wird schwer, aber wir haben eine gute Chance", meinte "Trap", der ansonsten zu diesem Thema eigentlich nicht viel sagen wollte. Obwohl sich unter den rund zehn TV-Stationen und 50 Medienvertretern in Salzburg auch zahlreiche Engländer, Iren und Italiener befanden, die bezüglich des Irland-Jobs nicht locker lassen wollten.

Trap will noch 100 Prozent geben
Doch Trapattoni, der teils in Italienisch und teils in durchaus gepflegtem Englisch antwortete, meinte vor dem Frühjahrsauftakt daheim gegen Mattersburg: "Ich bin nach wie vor mit 100 Prozent Red-Bull-Trainer. Und ich konzentriere mich derzeit zu 100 Prozent auf Mattersburg." Ziel ist es, sich mit dem zweiten Meistertitel nach 2007 zu verabschieden. "Ein Titel als Abschiedsgeschenk für meine Bullen - das ist jetzt mein oberstes Ziel", meinte der "Maestro", dessen Abschlussmatch in der T-Mobile Bundesliga Ende April in Altach stattfinden wird.

Eigentlich will "Sir" Trapattoni sofort nach Meisterschaftsende mit den Iren durchstarten, denn am 24. Mai bestreitet sein Team ein Testmatch gegen Serbien. Doch der Vertrag mit Salzburg endet erst Ende Juni. Wer die Gehälter des Italieners für Mai und Juni übernimmt, wird erst geklärt. Zu diesem Thema stehen noch Gespräche mit Red Bull aus.

Abschiedsgedanken seit Herbst
Die ersten Tendenzen Richtung Abschied gab es für Trapattoni Ende Herbst 2007. "Da hatte ich das Gefühl, etwas anderes zu machen. Ein Trainer hat dieses Gespür und Gefühl. Dieses Gefühl hatte ich bereits bei Juventus, Inter, Bayern und Benfica. Für die Mannschaft ist es wichtig, mit einem neuen Trainer, eine neue Kultur und eine neue Mentalität kennenzulernen", berichtete der Italiener.

Die Mannschaft bedauert größtenteils den Abgang des Startrainers. Leithammel Niko Kovac meinte etwa: "Es gibt Trainer, die sind fachlich top. Andere haben wieder nur menschlich ihre Qualitäten. Bei Trap hat alles gepasst. Er hat in der Öffentlichkeit nie ein schlechtes Wort über uns Spieler verloren. Auch in Phasen, in denen es überhaupt nicht lief. Kritik gab es nur intern. Das habe ich in meiner langen Karriere nur ganz selten erlebt." Für den weiteren Saisonverlauf sieht der Kroate kein Problem. "Weil Trap den Titel genauso will, wie wir Spieler."

Mehr Freizeit als Teamchef
Das Angebot der Iren erreichte Trapattoni laut eigenen Angaben "vor etwa zehn Tagen". Einerseits sei natürlich die Herausforderung entscheidend gewesen, andererseits aber sicher auch die zusätzliche Freizeit, die ein Teamchef-Posten im Vergleich zur Vereinsarbeit mit sich bringt. Als Assistent will Trapattoni Liam Brady gewinnen, der allerdings noch bei Arsenal engagiert ist. "Aber wenn ich Arsene Wenger (Arsenal-Trainer, Anm.) frage, dann wird er ihn gehen lassen", ist sich Trapattoni sicher.

"Trap" war im Sommer 2006 beim Team von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz gelandet. Das große Ziel lautete, Salzburg in die Champions-League zu führen. Das gelang jedoch selbst einem der erfolgreichsten Trainer der Welt (22 Titel) nicht, zweimal war gegen Valencia bzw. Schachtjor Donezk in der dritten und letzten Quali-Runde Endstation. Auch mit dem Trostpflaster UEFA-Cup-Gruppenphase klappte es für die Mozartstädter unter "Trap" zweimal nicht.

Nachfolgefrage offen
In der Nachfolgefrage geistern bereits die wildesten Namen durch die Mozartstadt, von Jose Mourinho bis Marco van Basten. Fakt ist auf jeden Fall, dass die Entscheidung noch einige Zeit auf sich wartenlassen wird. Eine Option ist auch Michael Streiter, der jetzige Assistent von Trapattoni. "Ich traue mir dieses Amt zu", meinte der Tiroler.
(apa/red)

CASHPOINT - Wollen wir wetten?
Click!

13.2.2008 20:34