Dienstag, 12. Februar 2008

"Ausbildungsverein" an der Tabellenspitze:
Foda strebt mit Sturm Graz Meistertitel an

  • "Können auch nach 36 Runden ganz vorne stehen"
  • Als Favorit sieht der Deutsche aber Red Bull Salzburg

Die junge Mannschaft hat sich im Herbst selbst überrascht. Sturm Graz startet am Wochenende als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga in die 13 ausständigen Frühjahrs-Runden. Dennoch betrachtet Coach Franco Foda sein Team aufgrund der engen Konstellation an der Spitze nur als Außenseiter. "Salzburg ist für mich ganz klar die Nummer eins, der absolute Meisterschaftsfavorit", erklärte der 41-jährige Deutsche.

Trotzdem hat Foda auch das Saisonziel des eigenen Teams angesichts des sensationellen Herbstes nach oben revidiert. Platz vier bis sieben hätte es ursprünglich werden sollen, nun will Sturm in einen internationalen Wettbewerb. "Sollte am Ende ein Platz unter den ersten Vier herausschauen, dann wäre es eine super Saison gewesen", meinte Foda. "Aber wer nach 23 Runden ganz vorne steht, kann auch nach 36 Runden ganz vorne stehen."

Sturm kann ohne Druck aufspielen
Für den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte müssten aber viele Faktoren zusammenspielen. "Wir sind alle Realisten, die Konkurrenz ist sehr groß", erinnerte Foda, der neben Salzburg auch Austria und Rapid ganz oben auf der Rechnung hat. Seine junges Team könne allerdings völlig ohne Druck aufspielen. "Wir haben heuer schon Außergewöhnliches geleistet. Im Gegensatz zu Salzburg müssen wir nicht Meister werden", erklärte Foda.

Grazer setzen weiterhin auf Eigenbau
Die finanzielle Situation der Grazer, die erst im Vorjahr einen Konkurs überstanden hatten, ließ Verstärkungen im Winter nicht zu. Stattdessen spielten sich in der Vorbereitung einige weitere junge Spieler in den Vordergrund. Sechs, sieben Talente wie Daniel Beichler, Jakob Jantscher, Mario Kreimer oder der Bosnier Ozren Peric sind näher an die Mannschaft gerückt. Letzterer hatte in acht Testspiele acht Tore für Sturm erzielt.

"Sie alle können wir jetzt ohne Probleme einsetzen", meinte Foda. Anstelle teurer Neuverpflichtungen, die großes finanzielles Risiko mit sich bringen, setzt Sturm nämlich weiterhin auf Eigenbau. "Wir sind ein Ausbildungsverein, das wissen wir." Daher muss Foda auch damit leben, dass ihm jedes Jahr seine besten Spieler abhandenkommen. Im Vorjahr war es Christoph Leitgeb (Salzburg) gewesen, im Sommer ist es Sebastian Prödl (Werder Bremen).

Geringes Budget trotz Prödl-Millionen
"Dadurch wird es für uns immer schwieriger, an der Spitze mitzuspielen. Wir haben ein geringes Budget, daran wird sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern", prognostizierte Foda, der darin aber eine "generelle Entwicklung" in Österreich sieht. Abgesehen von Salzburg hat kein Club mehr übermäßige Summen an Sponsorengeld zur Verfügung. Auch Austria und Rapid müssen den Gürtel in Zukunft wohl etwas enger schnallen.

Die kolportierten 2,5 Millionen Euro Erlös für den 20-jährigen Teamverteidiger Prödl verwendet Sturm zum Teil für die Tilgung von Ausständen an die Personen, die im Vorjahr den Konkurs finanziert hatten. Außerdem fließt Geld in den eigenen Nachwuchs. Die Verkäufe dienen also als Fundament für einen gesunden Verein. "Das Präsidium will nicht noch einmal in eine Situation, wie sie schon einmal war", erinnerte Foda. Damit ist es auch gut beraten.
(apa/red)

CASHPOINT - Wollen wir wetten?
Click!

12.2.2008 08:03